Stand: 20.03.2017 14:09 Uhr  | Archiv

Inkontinenz nach Prostata-OP: Was hilft?

Den Urin nicht mehr halten können - das Problem kennen viele Menschen. Vor allem Frauen haben mit zunehmendem Alter immer häufiger mit Blasenschwäche zu kämpfen. Bei Männern ist Inkontinenz eine gefürchtete Nebenwirkung nach einer radikalen Entfernung der Vorsteherdrüse (Prostata). Die Inkontinenzrate variiert je nach OP-Methode und Erfahrung des Operateurs. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Urologie ist direkt nach der OP jeder zweite Patient von einer Harninkontinenz betroffen.

Inkontinenz reduziert Lebensqualität

Nach einer Prostata-Operation kann das Ausmaß der Inkontinenz unterschiedlich stark ausgeprägt sein - von einigen Tropfen Harnverlust bei körperlicher Anstrengung bis hin zu permanentem Harnverlust. In jedem Fall ist die Lebensqualität stark beeinträchtigt. Einige Betroffene meiden Aktivitäten und verlieren soziale Kontakte.

Behandlungsmethoden bei Inkontinenz

In vielen Fällen lassen sich die Beschwerden mit Hilfe von Beckenbodentraining oder Medikamenten lindern. Bei etwa zehn Prozent der Betroffen bleibt die Inkontinenz bestehen. Dann können andere Methoden zum Einsatz kommen:

  • in schweren Fällen die Implantation eines künstlichen Schließmuskels
  • in leichten bis mittelschweren Fällen Silikonballons, Bänder und Kissen

Implantation eines künstlichen Schließmuskels

Ist der Schließmuskel der Harnröhre völlig außer Funktion, ist der einzige Weg, die Kontinenz wieder herzustellen, die Implantation eines künstlichen Schließmuskels. Dieser besteht aus einer winzigen Pumpe, einem Flüssigkeitsreservoir und einer Manschette. Die Manschette wird um die Harnröhre gewickelt und mit einer Flüssigkeit befüllt. Dadurch dehnt sie sich aus und verschließt die Harnröhre.

Die Manschette ist mit einer Pumpe verbunden, die im Hodensack implantiert wird. Im Bauchraum neben der Blase wird außerdem ein Flüssigkeitsreservoir eingesetzt. Soll die Blase geleert werden, muss der Patient den Pumpenschalter im Hoden drücken. Dann entweicht die Flüssigkeit aus der Manschette und fließt in das Reservoir. Die Blockierung ist aufgehoben und der Urin kann abfließen. Ist die Blase leer, fließt die Flüssigkeit aus dem Behälter automatisch zurück in die Manschette und diese blockiert dann erneut die Harnröhre.

Die Patienten können auf diese Weise wieder die volle Kontrolle über ihre Blasenfunktion erlangen. Da der Vorgang manuell eingeleitet werden muss, ist eine entsprechende Geschicklichkeit eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg. Aktuellen Studien zufolge lassen sich mit dem künstlichen Schließmuskel Kontinenzraten von mehr als 90 Prozent erzielen.

Methoden bei leichter bis mittelschwerer Inkontinenz

Bei leichter bis mittelschwerer Inkontinenz können weniger invasive Methoden helfen. Voraussetzung ist eine Restfunktion des Schließmuskels. Um die Blase zu entleeren, genügt der normale Blasendruck.

  • Die sogenannte ProAct-Methode ist ein einfaches minimal-invasives Verfahren mit einem System aus zwei kleinen Silikonballons, die neben der Harnröhre platziert und von außen mit Flüssigkeit befüllt werden. Durch deren Widerstand wird die Harnröhre zusammengedrückt und es kommt zu keinem oder wenig unwillkürlichem Harnverlust. Lässt der Druck der Ballons nach, können sie leicht nachbefüllt werden. Um die Blase zu entleeren, genügt der normale Blasendruck. Die Methode wird in letzter Zeit seltener angewendet, da die Ballons platzen oder rissig werden können.

  • Beim kombinierten Band-Kissen-System (ATOMs) wird die Harnröhre, die nach einer Prostata-Entfernung häufig verrutscht, mit einem Band wieder in die richtige Position gebracht. Ein zusätzlich eingesetztes Kissen stützt sie ab und übt gleichzeitig Druck aus. Das Kissen lässt sich nachfüllen, sodass der Druck auf die Harnröhre auch nachträglich verändert werden kann.

  • Die Methode mit Bändern arbeitet mit weniger Druck. Die Harnröhre wird allein durch ein Band aufgerichtet und in die ursprüngliche Position gebracht. Bei nächtlicher Inkontinenz reicht dies jedoch häufig nicht aus. Außerdem kann die Operation, anders als bei den Silikonballons und dem kombinierten Band-Kissens-System, bei ausbleibendem Erfolg nur sehr schwer rückgängig gemacht werden.

Weitere Informationen
Grafik einer Prostata im Unterleib © Fotolia Foto: magicmine

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Visite | 21.03.2017 | 20:15 Uhr

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