Stand: 17.12.2018 08:35 Uhr  | Archiv

Infektionen: "Männergrippe" ist kein Mythos

Das Klischee der "Männergrippe" oder des "Männerschnupfens" hält sich hartnäckig: Demnach bekommen Männer häufiger als Frauen Erkältungen und leiden stärker darunter.

Hormone beeinflussen Immunsystem

Kranker Mann mit Fieberthermometer im Mund © dpa
Mann mit Schnupfen - ein Fall für die Intensivstation?

Wie sich das Immunsystem von Männer und Frauen unterscheidet, haben Forscher der Universität Innsbruck untersucht. Wenn Krankheitserreger wie Bakterien und Viren in den Körper eindringen, werden sie durch das körpereigene Immunsystem bekämpft. Dafür gibt es zwei Systeme:

  • Das unspezifische Abwehrsystem umfasst die angeborene allgemeine Immunreaktion, die nicht auf bestimmte Erreger optimiert ist.

  • Das spezifische Abwehrsystem richtet sich mit speziellen Abwehrzellen gezielt gegen bestimmte Krankheitserreger. Die Zellen liegen nur in geringer Menge vor und müssen sich bei einer Infektion erst vermehren, bevor sie Erreger wirksam bekämpfen können.

Das weibliche Sexualhormon Östrogen regt die Vermehrung der spezifischen Abwehrzellen an. Das männliche Geschlechtshormon Testosteron wirkt sich gegenteilig aus. Deshalb reagiert das spezifische Immunsystem von Frauen schneller und aggressiver gegen Krankheitserreger als das von Männern.

Je höher der Testosteronspiegel, umso mehr Östrogen wird produziert. Weil Männer mit niedrigem Testosteronspiegel auch wenig Östrogen produzieren, sind sie anfälliger für Infektionen.

Männer genetisch im Nachteil

Ein weiterer Nachteil bei der Infektabwehr liegt in den männlichen Genen: Während Frauen zwei X-Chromosomen haben, haben Männer ein X- und ein Y-Chromosom. Doch auf dem X-Chromosom liegen besonders viele Gene, die für Abwehrprozesse im Körper verantwortlich sind.

Frauen sind schmerzempfindlicher

In vielen Studien wurde festgestellt, dass Frauen schmerzempfindlicher sind als Männer. Die Immunreaktion ist bei Frauen heftiger als bei Männern. Das bedeutet Schwerstarbeit für den Körper und kann zu stärkeren Symptomen als bei Männern führen. Allerdings widmen Frauen ihrem "Leiden" oft weniger Aufmerksamkeit, während viele Männer sich bei einer Erkältung stärker auf einzelne Symptome konzentrieren.

Frauen leben gesundheitsbewusster

Häufig verhalten sich Frauen gesundheitsbewusster als Männer: Sie waschen sich zum Beispiel dreimal so oft die Hände - ein gutes Mittel gegen Infektionen. Außerdem achten viele Frauen mehr als Männer auf eine gesunde Ernährung und lassen sich konsequenter impfen.

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Experten zum Thema

Univ.- Prof. Dr. Günter Weiss, Direktor
Universitätsklinik für Innere Medizin II
Infektiologie, Immunologie, Pneumologie und Rheumatologie
Department Innere Medizin
Medizinische Universität Innsbruck
Anichstraße 35
A-6020 Innsbruck, Österreich

Prof. Dr. Frank Sommer, Androloge, Sportmediziner
Institut für Männergesundheit
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 78, 20246 Hamburg
(040) 74 105-50 56
www.maennergesundheit.info

Prof. Dr. Oliver Werz, Lehrstuhl Pharmazeutische/Medizinische Chemie
Institut für Pharmazie
Biologisch-Pharmazeutische Fakultät
Universität Jena
Philosophenweg 14, 07743 Jena
www.pharmazie.uni-jena.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 18.12.2018 | 20:15 Uhr

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