Herz und Bluthochdruck: Sport machen trotz Pandemie

Stand: 23.11.2020 17:59 Uhr

Von den Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie ist nicht nur der Freizeitsport, sondern häufig auch der Rehasport betroffen. Dabei ist regelmäßige Bewegung gerade für Herzkranke von großer Bedeutung.

Fällt das Training weg, baut der Körper ab, die Leistungsfähigkeit sinkt und der Blutdruck steigt. Denn für das Herz und den Blutdruck spielt das vegetative Nervensystem mit den zwei Gegenspielern Sympathikus und Parasympathikus eine große Rolle.

  • Der Sympathikus ist in Stress-Situationen aktiv. Seine Aktivierung führt dazu, dass sich der Herzschlag beschleunigt und dass sich die Blutgefäße zusammenziehen. Die Folge ist ein steigender Blutdruck sowie eine Zunahme der Herzfrequenz. Für den Herzmuskel bedeutet das eine erhöhte Arbeitsbelastung. Und gerade das ist für Herzkranke ungünstig.

  • Der Parasympathikus wird als Gegenspieler des Sympathikus durch Sport aktiviert. Er wirkt beruhigend auf den Körper. Über entspannende Botenstoffe verlangsamt er den Herzschlag und senkt den Blutdruck.

Daher ist das regelmäßige Training für Herzkranke so wichtig. In spezialisierten Herzsportgruppen wird ein gezieltes Cardiotraining mit Übungen zu Ausdauer und Kraftaufbau unter ärztlicher Begleitung angeboten. Gerade nach einem frischen Herzinfarkt haben viele Betroffene Angst vor körperlicher Belastung. Sie haben das Vertrauen in ihren Körper verloren. Dieses Vertrauen bekommen sie in der Herzsportgruppe zurück. Finden die Kurse nicht statt, geht das Vertrauen schnell wieder verloren.

Videos
Die Kardiologin Dr. Michaela Hümmelgen.
5 Min

Herzsport: Wie geht Bewegung trotz Corona?

Interview mit der Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie Dr. Michaela Hümmelgen und Tipps für Übungen zu Hause. 5 Min

Herzsport: Training zu Hause oder in der Natur

Daher ist es wichtig trotz der Corona-bedingten Einschränkungen im Freien oder zu Hause weiter zu trainieren. Eine Pulsuhr kann dabei helfen, die Belastung richtig zu dosieren. Ziel ist es, ein Gespür für die Belastung und Belastungsgrenzen zu entwickeln. Um die Belastbarkeit richtig einzuschätzen, sollte der Blutdruck vor Trainingsbeginn gemessen werden. Ist er etwas erhöht, sollte das Training langsamer begonnen werden. Im Verlauf kann der Blutdruck dann noch mal kontrolliert und die Belastung entsprechend angepasst werden.

Die Übungen sollten einfach sein und ohne großen Aufwand durchgeführt werden können. Einige Beispiele:

  • Walken: Beim Walken sind 90 Prozent der gesamten Muskulatur aktiv. Die Belastung lässt sich individuell durch Veränderungen der Laufgeschwindigkeit variieren. Durch den Einsatz von Nordic-Walking-Stöcken kann der Oberkörper zusätzlich trainiert werden.
  • Therabänder: Mit ihnen lässt sich ein abwechslungsreiches Training gestalten. Sie können zum Beispiel um einen nicht zu dicken Baum gelegt werden. Jede Hand greift ein Ende des Bandes. Dann werden die Arme gestreckt nach hinten geführt. Das sorgt für eine Aufrichtung und Aufweitung des Oberkörpers. Die Lunge bekommt Platz zum Atmen, sodass mehr Sauerstoff ins Blut gelangt und dem Herzmuskel zur Verfügung steht. Nebenbei ist diese Übung auch gut für die Psyche. Durch das Aufrichten und Öffnen des Brustkorbes entsteht ein Gefühl von Kraft und Stärke.
  • Kraftübungen zum Muskelaufbau: Auch sie sollten einfach und dynamisch sein. Denn durch langes Verharren in schwierigen Positionen kommt es schnell zur Überanstrengung und daraus resultierenden Blutdruckspitzen. Gut eignen sich zum Beispiel: Kniebeugen, Ausfallschritte sowie "Aufsteigen, Absteigen" auf und von einem Absatz.

Es bietet sich an, eine feste Zeit dafür zu reservieren. Denn nur so absolviert man das Training auch regelmäßig. Hilfreich ist es, gemeinsam mit einem Freund, einer Freundin oder dem Partner zu trainieren. Übungsvideos im Internet können dabei helfen, einen eigenen Trainingsplan zusammenzustellen. Übungen finden Sie bei den NDR Bewegungs-Docs und HerzInForm.

 

Weitere Informationen
Eine Frau steht in einem Wald und breitet die Arme aus. Ihre Augen sind geschlossen. © colourbox Foto: Sergey Nivens

Blutdruck senken mit Entspannung und Bewegung

Ob Ausdauersport, Yoga oder Spaziergänge - gegen Bluthochdruck hilft viel mehr als nur Tabletten. Das Nervensystem kommt zur Ruhe und reguliert den Druck auf natürliche Weise herunter. mehr

Herzrythmus, EKG © picture-alliance Foto: Graziano G./CHROMORANGE

Hoher Puls erhöht Risiko für Herzinfarkt

Ein hoher Ruhepuls erhöht das Herzinfarkt-Risiko. So lässt sich die Herzfrequenz messen und ein schwaches Herz trainieren. mehr

Eine Frau misst den Blutdruck am Oberarm eines Patienten. © COLOURBOX Foto: Poprotskiy Alexey

Blutdruck-Schwankungen erkennen und behandeln

Bei schwankendem Blutdruck ist es wichtig, nach der Ursache zu forschen. Je nachdem, wie lange der Druck erhöht ist, sind Medikamente notwendig. Sonst drohen Folge-Erkrankungen. mehr

Ein Mann, der im Hintergrund unscharf zu erkennen ist, mit weißem Hemd, zeichnet auf eine Glasscheibe ein Herz aus Kurven. © fotolia.com Foto: peshkov

Herzschwäche: Was hilft bei Erschöpfung und Luftnot?

Jedes Jahr müssen mehr als 450.000 Menschen in Deutschland wegen einer Herzschwäche ins Krankenhaus, oft wird sie übersehen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.11.2020 | 20:15 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht einen Covid-19-Impfstoff für eine Impfung auf eine Spritze. © dpa-Bildfunk Foto: Sven Hoppe

Corona: Wie wirkt die Impfung?

Wie wirkt die Impfung gegen das Coronavirus und welche Nebenwirkungen gibt es? mehr

Ein Tropfen hängt an einer Nadelspitze. Dahinter das Wort "Impfung". © picture alliance/Friso Gentsch/dpa Foto: Friso Gentsch

Corona-Impfzentren: Wo und wann wird jetzt geimpft?

Die Impfzentren im Norden sind eingerichtet. Doch wer ist wann an der Reihe und wie kann man sich anmelden? Ein Überblick. mehr

Diagnostik anhand einer Mammodraghie-Aufnahme © dpa/picture alliance Foto: Jan-Peter Kasper

Familiärer Brustkrebs: Krankheitsrisiko durch Genmutation

Eine erbliche Veranlagung für Brustkrebs erhöht das Risiko zu erkranken. Welche Untersuchungen stehen Betroffenen zu? mehr

In einer Grafik sind Lebensmittel in einem Kopf abgebildet. © Colourbox

Essen für die Psyche: Abnehmen hilft bei Depressionen

Forscher vermuten, dass es eine Verbindung zwischen dem Darm und dem Hirn gibt. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr