Stand: 29.04.2020 17:06 Uhr  | Archiv

Wenn Verspannungen Schwindel und Tinnitus auslösen

Frau hält sich die Ohren zu © fotolia Foto: RFBSIP
Verspannungen in der Halswirbelsäule können die Funktion der Hirnnerven beeinflussen.

Sowohl Schwindel als auch Ohrgeräusche (Tinnitus) können verschiedene Ursachen haben. Dass in geschätzt 40 Prozent der Fälle eine Funktionsstörung im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) Ursache für Schwindel ist, wird oft übersehen. Auch für den nervenaufreibenden Tinnitus können HWS-Probleme Auslöser sein. Deshalb sollten Ärzte bei der Diagnostik immer auch diese Möglichkeit in Betracht ziehen, sobald andere Ursachen wie Gefäßprobleme oder ein Hirntumor ausgeschlossen sind. Der Zusammenhang ist zwar noch nicht eindeutig wissenschaftlich erwiesen. Es gibt aber deutliche Hinweise darauf, dass Muskelverspannungen und Gelenkbeschwerden in der Halswirbelsäule die Funktion der Hirnnerven beeinflussen und damit neuronale Beschwerden auslösen oder verschlimmern.

HWS-Syndrom: Verspannungen können auf Nerven drücken

Ein auf die Halswirbelsäule zurückzuführender Schwindel äußert sich oft als Gangunsicherheit. Beim Tinnitus ist es schwieriger, den Zusammenhang zu erkennen, denn der Klang der Ohrgeräusche entlarvt die Ursache nicht. Schwindel und Ohrgeräusche können entstehen, wenn sich die an der Halswirbelsäule aktiven Muskeln, der Musculus splenius capitis und der Musculus semispinalis capitis, so verspannen, dass sie auf die aus der Wirbelsäule austretenden Nerven drücken. Die irritierten Nerven senden unterschiedliche Informationen über die Lage des Kopfes an das Gehirn, das mit Schwindelgefühlen reagiert.

HWS-Syndrom engt Blutgefäße ein

Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass die verspannten Muskeln die dicht an der Halswirbelsäule entlang verlaufenden Blutgefäße einengen, die für die Versorgung der Hirnnerven zuständig sind. So könnten Verspannungen an der Halswirbelsäule die Durchblutung der Hirnnerven beeinträchtigen und auf diese Weise sowohl Schwindel als auch Ohrgeräusche hervorrufen.

Halswirbelsäule: Fehlhaltungen sind eine häufige Ursache

Häufige Ursachen für immer wiederkehrende Beschwerden aus dem Bereich der Halswirbelsäule sind Fehlhaltungen, falsche und einseitige Belastungen bei der Arbeit sowie körperliche Über- oder Unterforderung beim Sport. Auch die unnatürliche Kopfhaltung beim dauernden Blick auf das Smartphone belastet die Halswirbelsäule.

Übungen, Wärme und der richtige Griff

Liegt die Ursache für die Beschwerden tatsächlich in Muskelverspannungen an der Halswirbelsäule, lassen sie sich zum Beispiel mit Physiotherapie und Wärmebehandlungen mit Fango oder Heißluft therapieren, die eine entspannende und schmerzstillende Wirkung haben. Bei einer Blockade der Wirbelgelenke hilft die Osteopathie: Der Arzt oder Therapeut ertastet die Blockade und löst sie mit gezielten Griffen auf.

Bewegungstherapeutische Übungen gezielt für die beiden Muskeln Musculus splenius capitis und Musculus semispinalis capitis können die Schulter- und Nackenmuskulatur stabilisieren. Gehen die Verspannungen dadurch zurück, verschwinden damit in vielen Fällen auch Schwindel und Ohrgeräusche.

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