Grippe-Impfung: Warum sie dieses Jahr besonders wichtig ist

Stand: 27.09.2021 11:24 Uhr

Durch die Hygienemaßnahmen rund um das Coronavirus ist das Immunsystem gegen Infektionen nicht mehr genügend trainiert. Experten erwarten eine heftige Grippewelle.

Social Distancing, Abstand und Maske tragen: Damit wurde im vergangenen Winter nicht nur das Coronavirus eingedämmt, sondern auch andere Krankheiten wie grippale Infekte, Halsschmerzen und die Grippe (Influenza). Das Immunsystem war dadurch nicht gefordert. Darum warnen Experten, dass uns jetzt mit gelockerter Maskenpflicht und weniger Abstand Infektionen besonders hart treffen könnten. Eine Grippeschutzimpfung ist daher besonders in diesem Winter sehr wichtig. Einen besseren Schutz als die Impfung gibt es nicht - ohne Grippeschutzimpfung ist das Risiko einer schweren Grippewelle in diesem Jahr riesig.

Immunsystem nicht auf Influenza vorbereitet

Normalerweise muss unser Immunsystem jeden Tag Viren und Bakterien abwehren - deshalb gibt es eine große Menge an Abwehrzellen. Doch in der Corona-Pandemie waren die Kontakte reduziert und der Körper weniger Viren und Bakterien ausgesetzt. Dadurch hatte unser Immunsystem nicht so viel zu tun. Statt einer Horde von Abwehrzellen gibt es nun nur wenige - der natürliche Schutz, beispielsweise gegen Grippeviren, ist darum schwächer geworden. Das bedeutet, die meisten Menschen haben jetzt ein Immunsystem, das auf eine Influenza nicht so gut vorbereitet ist.

Erkältungsviren als Vorboten der Grippe

Erste Patienten, die an der kleinen Schwester der Grippe, dem Erkältungsvirus RSV, erkrankt sind, liegen bereits im Krankenhaus. Dieses Erkältungsvirus betrifft normalerweise nur Kinder und kommt immer ein bis zwei Monate vor der Influenza. Weil es sich aber auf dieselbe Art und Weise verbreitet, nämlich über Tröpfcheninfektion, sehen Mediziner es als eine Art Vorboten der Grippe an. In Ländern mit gelockerter Maskenpflicht, wie zum Beispiel in Dänemark, hat sich das RS-Virus schon sehr stark verbreitet. Experten erwarten, dass sich die Grippe dann ähnlich stark ausbreiten wird.

Neuer Grippe-Impfstoff besonders effektiv

Das Grippevirus verändert sich jedes Jahr. Deswegen gibt es jedes Jahr neue Viren, sogenannte Mutanten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berät darum jedes Jahr, wie die Grippeschutzimpfung zusammengesetzt sein soll. Für Menschen über 60 Jahre gibt es für diesen Winter einen neuen Impfstoff, der vier Mal so hoch dosiert ist wie sonst üblich. Laut Experten bedeutet mehr Wirkstoff aber nicht mehr Nebenwirkungen, wie in Studien gezeigt werden konnte.

Wer sollte sich gegen die Grippe impfen lassen?

Die ersten Risikopatienten, die aufgrund einer chronischen Krankheit ein schwaches Immunsystem haben, werden hierzulande schon jetzt gegen die Influenza geimpft. Besonders Menschen über 60 Jahre sollten sich auch impfen lassen. Denn neben einem schweren Verlauf der Grippe, drohen auch noch andere Gefahren: So steigt nach einer Influenza-Infektion beispielsweise das Risiko eines Herzinfarktes um das Zehnfache.

Corona- und Grippe-Impfung: Ist beides zusammen möglich?

Im Zusammenhang mit der Corona-Impfung geben Experten und die Ständige Impfkommission (Stiko) Entwarnung: Eine Impfung gegen Corona und eine Grippeschutzimpfung stehen sich nicht im Wege: Es handelt sich um unterschiedliche Wirkstoffe und das kann das Immunsystem in der Regel problemlos verkraften.

 

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Visite | 28.09.2021 | 20:15 Uhr

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