Stand: 05.11.2019 15:37 Uhr

Fleischallergie: Ursache ist Zeckenstich

Bild vergrößern
Einige Menschen entwickeln eine Allergie gegen Fleisch.

Fleisch vom Schwein, Rind und Lamm ist beliebt - nicht nur beim Grillen. Doch der Verzehr kann gefährliche Folgen haben, wenn eine Fleischallergie auftritt. Die ersten Symptome sind meist Nesselsucht und Schwellungen der Lippen und Augen, manchmal auch der Zunge. Die Haut beginnt am ganzen Körper zu jucken, ist gerötet und von Quaddeln übersät. Im weiteren Verlauf kann es zu Unwohlsein bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen. Einige wenige Betroffene reagieren aber auch nur mit Magen-Darm-Beschwerden.

Zwei Fleischstücke, die auf einem Brett ausgestellt sind.

Fleischallergie: Ursache ist Zeckenstich

Visite -

Auf das Fleisch von Schwein, Rind und Lamm reagieren einige Menschen allergisch. Als Ursache der Fleischallergie haben Wissenschaftler die Stiche bestimmter Zeckenarten entlarvt.

4,67 bei 9 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Eine Fleischallergie kann sich ganz plötzlich entwickeln, auch wenn man früher nie Probleme mit Fleisch hatte. Im Gegensatz zu anderen Allergien treten die Reaktionen nicht innerhalb von 20 bis 30 Minuten auf, sondern mit einer Verzögerung von drei bis sechs Stunden. Nicht selten kommen die Beschwerden mitten in der Nacht.

Allergische Reaktion auf Zuckermolekül Alpha-Gal

Verantwortlich für die allergische Reaktion ist eine spezielle Substanz im Fleisch von Säugetieren: Galaktose-alpha-1,3-Galaktose (Alpha-Gal). Dabei reagiert der Körper nicht auf ein Eiweißmolekül wie bei Allergien auf Gräser oder Nüsse, sondern auf Zuckermoleküle an Proteinen.

Als Ursache der Fleischallergie haben Wissenschaftler die Stiche bestimmter Zeckenarten entlarvt. Laut einer Studie gelangt Alpha-Gal dabei mit dem Speichel der Zecke in die menschliche Blutbahn. Beim Erstkontakt wird das Immunsystem auf das Molekül aufmerksam und wappnet sich für künftige Konfrontationen. Gelangt jetzt Alpha-Gal durch den Verkehr von rotem Fleisch in den Körper, betrachtet das Immunsystem die Substanz als Feind und produziert Antikörper, die das Zuckermolekül ausschalten sollen. Es kommt zu einer allergischen Reaktion: Die Gefäße weiten sich, Flüssigkeit gelangt in die Haut und bildet die juckenden Quaddeln. Mit der Zeit verschlimmert sich die allergische Reaktion in der Regel. Je länger ein Betroffener also Fleisch konsumiert, desto geringere Mengen davon lösen immer schwerere Symptome aus. Irgendwann genügen bereits Süßigkeiten, die Gelatine aus Rinderknochen enthalten, um eine schwere allergische Reaktion auszulösen.

Innereien enthalten besonders viel Allergen

Alpha-Gal kommt nicht beim Menschen, wohl aber im Fleisch von anderen Säugetieren vor. Manche Fleischsorten enthalten besonders viel Alpha-Gal, zum Beispiel Innereien wie Schweinenieren, Bries oder Leber. Sie sind besonders gefährlich für Fleischallergiker.

Alpha-Gal-Syndrom: Nachweis nur mit Bluttest

Mit dem herkömmlichen Pricktest auf der Haut lässt sich eine Fleischallergie nicht nachweisen. Dafür ist ein spezieller Bluttest erforderlich. Wer unter der Allergie leidet, muss künftig auf den Verzehr von rotem Fleisch verzichten. Weiterhin erlaubt sind Fisch und Geflügel, weil sie kein Alpha-Gal enthalten - und natürlich Gemüse. Wer bereits auf Gelatine allergisch reagiert, kann sich an als vegan gekennzeichnete Lebensmittel halten - sie enthalten keinerlei Stoffe tierischen Ursprungs, also auch keine Gelatine. Alpha-Gal-Allergiker, die konsequent auf Fleisch und Innereien von Säugetieren verzichten, haben aber relativ gute Chancen, dass ihr Körper irgendwann zumindest kleine Mengen Alpha-Gal wieder toleriert.

Experten zum Thema

Prof. Dr. Uta Jappe, Allergologin
Oberärztin und Leiterin der Interdisziplinären Allergieambulanz,
Medizinische Klinik III
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
(0451) 500-44195
www.uksh.de

LGL Klinische und Molekulare Allergologie
Forschungszentrum Borstel
Leibniz Lungenzentrum
Parkallee 35
23845 Borstel in Schleswig-Holstein
www.fz-borstel.de

Dr. Andreas Kleinheinz, Chefarzt und Ärztlicher Direktor
Dermatologisches Zentrum Buxtehude
Elbe-Klinikum Buxtehude
Am Krankenhaus 1
21614 Buxtehude
(04161) 703-6202
www.elbekliniken.de

Weitere Informationen
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
An der Eickesmühle 15-19
41238 Mönchengladbach
(02166) 647 882 0
www.daab.de

Weitere Informationen

Histamin-Unverträglichkeit erkennen und behandeln

Eine Histamin-Intoleranz wird oft als Allergie angesehen, ist aber eine Störung des Stoffwechsels. Betroffene leiden unter Bauchkrämpfen, Durchfall, Schwindel oder Hautrötungen. mehr

Lebensmittelunverträglichkeit: Krank durch Essen

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit können ganz verschiedene Symptome auftreten. Oft plagen sich Betroffene jahrelang, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.11.2019 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

09:01
Mein Nachmittag
06:35
Mein Nachmittag
29:37
Sass: So isst der Norden

Das Beste vom Lachs

Sass: So isst der Norden