Stand: 21.10.2019 10:44 Uhr

Elektrosmog - eine unterschätzte Gefahr?

Rund 97 Prozent aller Haushalte in Deutschland haben mindestens ein Handy. Dazu kommen Millionen Wireless-Lan-(WLAN)-Router und Zehntausende Funkmasten - und sie alle erzeugen elektromagentische Felder. Aber wie gefährlich ist diese Strahlung eigentlich? Was bedeutet der neue Mobilfunkstandard 5G? Was ist Elektrosmog und was bedeutet Elektrosensibilität? Fragen und Antworten.

Was ist Elektrosmog?

Praktisch überall sind Menschen von elektrischen und magnetischen Feldern umgeben. Diese Felder kommen natürlich in der Umwelt vor und können auch künstlich erzeugt werden. Niederfrequente elektrische Felder entstehen zum Beispiel an elektrischen Leitungen. Niederfrequente magnetische Felder gibt es an allen Leitungen, in denen Wechselstrom fließt. Bei Mobilfunk und WLAN, aber auch Rundfunk und Radar entstehen dagegen hochfrequente elektromagnetische Felder. Der Begriff Elektrosmog bezeichnet allgemein die elektromagnetische Strahlung, die von Hochspannungsleitungen, Fernseh-, Radar- und Mikrowellen sowie von elektrischen Geräten ausgeht.

Sendeanlage © NDR

Wie gefährlich ist Elektrosmog?

97 Prozent aller Haushalte in Deutschland haben mindestens ein Handy. Dazu kommen Millionen WLAN-Router und Zehntausende Funkmasten, die Strahlung abgeben. Wie gefährlich ist das?

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Warum strahlen Handys?

Klassische Mobiltelefone und Smartphones verwenden hochfrequente elektromagnetische Felder für die Übertragung von Sprache und Daten. Dabei können sie neben Mobilfunkverbindungen auch WLAN für die Datenübertragung nutzen. Als Wellen breiten sich die elektromagnetischen Felder im freiem Raum mit Lichtgeschwindigkeit aus und können Energie und Informationen über große Entfernungen übertragen. Anders als Röntgenstrahlung ist die hochfrequente elektromagnetische Strahlung nicht ionisierend. Ihre Energie reicht daher nicht aus, um Erbgut direkt zu schädigen. Allerdings können die elektromagnetischen Felder trotzdem gesundheitliche Auswirkungen haben.

Wie wirkt Mobilfunkstrahlung auf den Körper?

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In fast jedem deutschen Haushalt gibt es mindestens ein Handy.

Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist nachgewiesen, dass hochfrequente elektromagnetische Felder vom Körper aufgenommen werden und dort unterschiedliche Wirkungen hervorrufen, vor allem eine Wärmewirkung. Ebenso wie Mikrowellenstrahlung kann Mobilfunkstrahlung Wassermoleküle in Schwingungen versetzen. Es entsteht eine Reibungswärme, die dazu führt, dass dort, wo der Körper mit dem Smartphone in Berührung kommt, die Temperatur in Gewebe und Zellen steigt. Dabei gilt: Je niedriger die Frequenz, desto tiefer dringen die Strahlen in den Körper ein. Beim Mobilfunknetz mit Frequenzen um ein Gigahertz sind es wenige Zentimeter, ab mehr als 10 Gigahertz wenige Millimeter.

Ist Handystrahlung krebserregend?

Das ist umstritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte hochfrequente elektromagnetische Strahlung 2011 als "möglicherweise krebserregend" ein. Das bedeutet, dass es aus Sicht der IARC begrenzte Hinweise auf eine krebserregende Wirkung gibt. Diese konnte aber bislang nicht durch experimentelle Befunde bewiesen werden. Die Mehrheit der Studien und Experten geht heute davon aus, dass Mobilfunk für erwachsene Menschen vermutlich keine Gefahr darstellt.

Wie erfahre ich, wie stark mein Handy strahlt?

Beim Telefonieren ohne Headset erzeugen Handys und Smartphones hochfrequente elektromagnetische Felder direkt am Kopf. Dabei wird ein Teil der Energie dieser Felder vom Körper aufgenommen. Als Maß für diese Energieaufnahme dient die sogenannte Spezifische Absorptionsrate (SAR), die in Watt pro Kilogramm gemessen wird. Um gesundheitliche Wirkungen auszuschließen, soll die SAR eines Handys nicht mehr als zwei Watt pro Kilogramm betragen. Die Hersteller müssen die SAR-Werte angeben. Sie finden sich unter anderem auf einer Liste, die das BfS veröffentlicht. Kritiker bemängeln allerdings, dass das Handy bei diesen Messungen fünf Millimeter vom Ohr entfernt ist.

5G: Was bedeutet der neue Mobilfunkstandard für die Gesundheit?

5G heißt die nächste Mobilfunkgeneration, die ab 2020 verfügbar sein soll. Der neue Standard bringt ein Vielfaches der Geschwindigkeiten, die frühere und heutige Standards bieten. Dazu gehören perspektivisch allerdings auch höhere Frequenzen - und sehr viele neue Sendemasten, denn je höher die Frequenz ist, desto geringer ist eben auch die Reichweite. Dazu kommt, dass sich die neuen 5G-Sendestationen in kleinen Kästen praktisch überall montieren lassen. Die Netzbetreiber sagen, dass auch von 5G keine Gefahr ausgehen werde, da geltende Höchstwerte nicht überschritten würden. Wissenschaftler betonen aber, dass sich heutige Erkenntnisse zu gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks auf alte Frequenzen beziehen und diese daher nicht auf die neuen 5G-Netze übertragbar seien. Auch das BfS sieht offene Fragen. Der Umweltverband BUND fordert, die gesundheitlichen Auswirkungen von 5G im Rahmen von Begleitstudien durch unabhängige Institute schnellstmöglich zu erforschen.

Wie kann ich die Strahlenbelastung durch Mobilfunk reduzieren?

Mit diesen Tipps kann die Belastung durch Mobilfunk reduziert werden:

  • Je größer der Abstand zum Handy ist, desto geringer ist die Strahlenbelastung. Daher sollte man das Handy beim Telefonieren nicht ans Ohr halten, sondern ein Headset benutzen. Und das Gerät dabei nicht in die Tasche stecken, sondern in die Hand nehmen oder - noch besser - auf den Tisch legen.
  • Telefonate mit dem Handy sollten möglichst kurz gehalten werden. Wer die Wahl hat, nutzt besser ein Festnetz-Telefon als ein Handy. Und statt eines schnurlosen Festnetz-Telefons lieber eins mit Kabel wählen.
  • Möglichst nicht telefonieren, wenn der Empfang schlecht ist. Denn je schlechter die Entfernung zur nächsten Basisstation ist, desto höher muss die Leistung sein, mit der das Handy sendet - und damit die Stärke des hochfrequenten Feldes.
  • Handys und Fernseher mit Receiver aus dem Schlafzimmer verbannen.
  • Wenn das WLAN nicht benötigt wird, den Router ausschalten, zum Beispiel über eine Zeitschaltung. So lässt sich die Strahlung nachts reduzieren.

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Was ist Elektrosensibilität?

Elektrosensibilität bezeichnet die Fähigkeit, ein real gegebenes elektrisches Feld zu spüren. Dem BfS zufolge bezeichnen sich bis zu zwei Prozent der Bevölkerung als elektrosensibel. Betroffene berichten von Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder Übelkeit. Ihnen macht vor allem die hochfrequente Strahlung von Mobilfunk, WLAN oder Schnurlos-Telefonen zu schaffen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erkennt das Leiden bislang allerdings offiziell nicht als Erkrankung an. Bislang sei nämlich nicht eindeutig nachgewiesen, dass tatsächlich elektromagnetische Strahlung die Ursache für die Beschwerden ist.

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Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | 22.10.2019 | 09:20 Uhr

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