Stand: 20.11.2018 10:41 Uhr  | Archiv

Darmprobleme nach Operation durch Verwachsungen

Frau hält sich den Bauch © Fotolia.com Foto: Antonioguillem
Verwachsungen im Bauchraum können zu Verdauungsbeschwerden führen.

Verwachsungen (Adhäsionen) sind Verklebungen zwischen Organen, die normalerweise nicht miteinander verbunden sind. Meist entstehen sie nach Operationen, wenn das Gewebe verletzt oder gereizt wurde. Jahrelange Verdauungsbeschwerden und chronische Schmerzen, die sich im Sitzen oder bei Bewegung verschlimmern, können die Folgen sein. Oft bleiben die Schmerzen trotz mehrerer Operationen bestehen oder nehmen sogar zu.

Obwohl Adhäsionen nach jeder Operation entstehen können, wird das Problem oft unterschätzt und daher erst spät erkannt. Bei Frauen kann auch eine Unfruchtbarkeit auf Verwachsungen zurückzuführen sein. Besonders gefürchtet ist der Darmverschluss. Er kann in kurzer Zeit lebensgefährlich werden und muss sofort behandelt werden.

Wie entstehen Verwachsungen?

Die genauen Ursachen von Verwachsungen sind bis heute nicht bekannt. Der erste Schritt ist vermutlich eine Schädigung des Bauchfells, zum Beispiel durch eine Entzündung, eine Operation, eine Durchblutungsstörung oder einen Fremdkörper. Der Körper versucht, die geschädigten Zellen des Bauchfells durch Verklebungen an diesen Stellen zu schützen. Innerhalb von zwei bis drei Tagen kann der Körper diese Verklebungen noch selbst lösen. Geschieht das nicht, entstehen bindegewebige Stränge und Platten. Warum sich bei manchen Patienten starke Verwachsungen herausbilden, ist bislang ungeklärt.

Diagnostik und Therapie per Bauchspiegelung

Verwachsungen gehören zu den besonders schwierig zu diagnostizierenden Krankheiten, denn meist sind sie weder zu sehen noch zu tasten. Häufig ist auch per Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) das Ausmaß der Verwachsungen nicht genau zu erkennen. Oft gibt erst ein direkter Blick in den Bauchraum Aufschluss. Bei dieser sogenannten Bauchspiegelung (Laparoskopie) machen die Chirurgen keinen großen Bauchschnitt, sondern operieren minimalinvasiv durch kleine Schnitte und gucken mit einer Kamera in den Bauchraum. Dabei erkennen sie Verwachsungen als helle Narbenstränge, die sie mit winzigen Instrumenten lösen können. So stellen sie die Beweglichkeit der Organe wieder her.

Im Extremfall kann ein Darmverschluss entstehen

Bilden sich zum Beispiel zwischen Dünndarmschlingen oder zwischen einer Dünndarmschlinge und der Bauchwand Narbenstränge, kann das den Darm einengen und den Stuhltransport behindern. In extremen Fällen kann es sogar zu einem lebensgefährlichen Darmverschluss kommen. Bei jedem zweiten Darmverschluss sind Verwachsungen nach einer früheren Operation im Bauchraum die Ursache, die Jahre oder auch Jahrzehnte zurückliegen kann.

Keine Garantie auf Erfolg bei chirurgischem Eingriff

Ob Verwachsungen operativ gelöst werden sollen, müssen Chirurgen gemeinsam mit ihren Patienten sehr genau abwägen, denn es gibt keine Garantie auf Erfolg. Auch diese Operation kann wie jede andere zu neuen Verwachsungen führen und die Beschwerden sogar verschlimmern. Um die Entstehung neuer Verklebungen zu erschweren, können die Operateure spezielle Gele oder Flüssigkeiten einbringen - aber auch das bringt keine hundertprozentige Sicherheit. Bei einigen Patienten sind die Verwachsungen so ausgeprägt, dass eine vollständige Lösung aller Adhäsionen nicht möglich ist.

Krankengymnastik und Schmerztherapie können helfen

Gelingt es nicht, durch Lösen der Verwachsungen die Schmerzen in den Griff zu bekommen, bleibt letztlich nur noch eine Schmerztherapie, bei der die Betroffenen lernen, anders mit ihren Beschwerden umzugehen. Vielen Patienten hilft auch Krankengymnastik gegen ihre Beschwerden. Um das ständige Schmerzgefühl zumindest zeitweise zu unterbrechen, kombiniert eine Multimodale Schmerztherapie verschiedene Behandlungsverfahren wie Wärme, Akupunktur, Physio- und Psychotherapie. So lässt sich eine Überempfindlichkeit gegenüber Schmerzen deutlich reduzieren, das ist aber ein langer Weg.

Weitere Informationen
Ein Streifen Kaugummi in einer geöffneten Verpackung. © fotolia.com Foto: OlegDoroshin

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Experten zum Thema

Priv.-Doz. Dr. Jörn Gröne, Chefarzt
Dr. Alexander Friedemann, Oberarzt
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Rotes Kreuz Krankenhaus
St.-Pauli-Deich 24
28199 Bremen
(0421) 55 99-241
www.roteskreuzkrankenhaus.de/

Prof. Dr. Nicolai Maass, Direktor
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3, Haus 24
24105 Kiel
(0431) 500-21 407
www.uksh.de/frauenklinik-kiel

Dr. Joachim W. Ulma, Chefarzt
Klinik für Schmerzmedizin - Schmerzzentrum
Rotes Kreuz Krankenhaus
St.-Pauli-Deich 24
28199 Bremen
www.roteskreuzkrankenhaus.de/schmerzzentrum

Weitere Informationen
Verwachsungsbauch Selbsthilfegruppe e.V.
Schwachhauser Heerstraße 83
28211 Bremen
www.verwachsungsbauch-shg.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.11.2018 | 20:15 Uhr

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