Seniorin liegt im Krankenhaus am Tropf © fotolia Foto: bilderstoeckchen

Coronavirus: Kommen die Intensivstationen ans Limit?

Stand: 14.12.2020 17:24 Uhr  | Archiv

Auf immer mehr Intensivstationen in Deutschland herrscht mittlerweile Ausnahmezustand. Mit Beginn der zweiten Infektionswelle steigt auch wieder die Zahl der schwerkranken Covid-19-Patienten - und die bringen Intensivstationen schnell ans Limit.

Die im Melderegister DIVI verzeichneten freien Intensivbetten sollten nicht zu falschen Schlüssen verleiten, denn nicht jede Intensivstation ist personell und technisch für die extrem aufwendige Betreuung von Patienten mit Covid-19 ausgerüstet. Während Schwerkranke auf der Intensivstation normalerweise im Durchschnitt etwa 3,5 Tage verbringen und dort oft nur beobachtet werden müssen, sind Menschen mit Covid-19 durchschnittlich zwei bis drei Wochen auf künstliche Beatmung angewiesen, bevor sie entweder versterben oder auf eine normale Station verlegt werden können.

Intensivbetten zum Teil mehrere Monate belegt

Manche Menschen sind sogar über Monate auf die Beatmungsmaschine und ein Intensivbett angewiesen. Und: Auch wenn viele planbare Operationen verschoben werden können, kommen die akuten Schlaganfall-, Tumor- und Herzinfarktpatienten auch weiter auf die Station und brauchen die volle Aufmerksamkeit der Ärzte und Pfleger ebenso wie die Corona-Patienten.

Covid-19-Patienten verursachen hohen Pflegeaufwand

Wer mit Covid-19-Patienten umgeht, trägt eine umfangreiche Schutzausrüstung: Kittel, extra Mundschutz, Haube, Brille und zwei Paar Handschuhe. Bei den Covid-Patienten ist fast ständig eine so ausgestattete Pflegekraft im Raum, denn deren Gesundheitszustand kann sich von einer Minute zur anderen verschlechtern. Ein weiterer Pfleger steht draußen, um Medikamente anzureichen oder Blutproben entgegenzunehmen. Auch deshalb braucht man für die Versorgung der Covid-Patienten besonders viel Personal. Will eine Pflegekraft einer anderen kurz helfen, muss sie sich dafür aufwendig umziehen.

Proning: Beatmung in Bauchlage und künstlichem Koma

Aus der ersten Welle wissen die Ärzte, dass die Überlebenschancen dramatisch sinken, sobald die Patienten künstlich beatmet werden. Doch ist der Körper nicht mehr in der Lage, sich mit Sauerstoff zu versorgen, ist dieser Schritt unvermeidbar. Damit sie die maschinelle Beatmung tolerieren, werden die Betroffenen in ein künstliches Koma versetzt. Beim sogenannten Proning handelt es sich um eine Beatmung in Bauchlage. Proning ist mit einer erheblichen Zusatzbelastung für die Pflegenden verbunden, verbessert aber die Atmung bei akuter Atemnot und ist bei Covid-19 häufig erforderlich. Für die Umlagerung in Bauchlage werden bis zu sechs Personen in voller Schutzkleidung benötigt.

Vorbereitung auf den Ernstfall

Mit den in den vergangenen Tagen weiter gestiegenen Infektionszahlen steigt die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Überlastung der Intensivkapazitäten rasant - auch in Deutschland. Wenn nicht mehr genügend Beatmungsplätze für alle Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen und auch eine Verlegung in andere Kliniken nicht mehr möglich ist, müssen die Ärzte eine sehr schwere Entscheidung treffen: Wer profitiert voraussichtlich am besten von welcher Therapie? Das würde bedeuten, dass die Betroffenen mit den besten Überlebenschancen einen Platz erhalten.

 

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