Stand: 08.04.2020 16:30 Uhr  - Visite

Coronavirus-Antikörper: Wie gut wirkt Plasma von Genesenen?

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Wissenschaftler erforschen Antikörper-Therapien gegen das Coronavirus Sars-CoV-2.

Eine Therapie gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 gibt es derzeit nicht. Wissenschaftler überprüfen vorhandene Medikamente auf ihre Wirksamkeit und forschen an einem Impfstoff, der voraussichtlich frühestens in einem Jahr zur Verfügung stehen wird. Eine dritte Möglichkeit ist die Therapie mit Antikörpern, gewonnen aus dem Blutplasma von Genesenen. Wer eine Covid-19-Erkrankung überstanden hat und über genügend Antikörper gegen Sars-CoV-2-Viren im Blut verfügt, kann mit einer Blut- und Plasmaspende Schwerkranken helfen.

Coronavirus-Antikörper: Wie gut wirkt Plasma von Genesenen?

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Bei der Behandlung schwerkranker Covid-19-Patienten könnten Antikörper aus dem Blut von Genesenen helfen. Kliniken wie das UKE in Hamburg rufen deshalb zur Plasmaspende auf.

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Antikörper-Therapie gegen Diphtherie, Spanische Grippe und Ebola

Antikörper sind vom Immunsystem gebildete Eiweißmoleküle, die an das Virus andocken und es bekämpfen. Einige davon, sogenannte neutralisierende Antikörper, können die Erreger sogar unschädlich machen.machen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts setzte der Arzt Emil von Behring das Blut von Genesen erfolgreich zur Behandlung der Diphtherie ein. Dafür wurde Behring 1901 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Seitdem haben Ärzte immer wieder Erkrankte mit Blutplasma behandelt, etwa bei der Spanischen Grippe 1918/19, bei der Schweinegrippe und beim Ebola-Ausbruch 2014/15 in Westafrika. Die sogenannte passive Immunisierung der Erkrankten durch Antikörper Genesener konnte zwar nicht alle, aber doch viele Leben retten.

Kliniken suchen Plasmaspender

Derzeit bauen immer mehr Kliniken und Transfusionsdienste die Möglichkeiten zur Plasmaspende aus. Beispielsweise sucht das Transfusionszentrum am UKE in Hamburg Plasmaspender.

Für eine Plasmaspende muss der Spender gesund sein. Er darf weder einen Schnupfen noch eine andere Infektion haben - und vor allem kein aktives Coronavirus in sich tragen. Vor der Spende wird zur Sicherheit ein Test auf Sars-CoV-2 durchgeführt: Eine Blutuntersuchung zeigt, ob ausreichend Antikörper darin zirkulieren.

Plasmaspende: Unterschiede zur Vollblutspende

Anders als bei einer Vollblutspende wird das Plasma bei der sogenannten Plasmapherese aus dem Blut entfernt und in einem separaten Beutel gesammelt. Die festen Bestandteile des Blutes, also die Blutkörperchen, werden dem Spender in einer Kochsalzlösung wieder in die Vene zurückgegeben. Da der Körper das gespendete Blutplasma - anders als rote Blutkörperchen - innerhalb weniger Tage neu bildet, kann eine Plasmaspende viel häufiger erfolgen als eine Vollblutspende. Nach einer knappen Dreiviertelstunde an der Plasmapherese-Maschine sind 750 Milliliter Plasma gewonnen - genug für drei Dosen therapeutischen Plasmas.

Mögliche Nebenwirkungen der Coronavirus-Antikörper-Therapie

Wie viele Antikörper ein schwerkranker Covid-19-Erkrankter benötigt, wird noch erforscht. In seltenen Fällen kann das Immunsystem auf die Gabe fremder Antikörper reagieren. Theoretisch ist es möglich, dass es zu einem sogenannten Antikörper-Enhancement kommt: In diesem Fall neutralisieren die Antikörper das Coronavirus nicht, sondern erleichtern dessen Aufnahme in die Körperzellen und tragen so zu einer Verschlimmerung der Erkrankung bei.

Welchen Covid-19-Patienten könnte Antikörper-Therapie helfen?

Wegen der offenen Fragen wird Plasma mit Sars-CoV-2-Antikörpern zunächst nur schwerkranken Covid-19-Patienten verabreicht. Die Behandlung verschafft Betroffenen wertvolle Zeit, um eigene Immunität aufbauen zu können.

Eine weitere Anwendung für Sars-CoV-2-Antikörper wäre die Immunisierung von besonders gefährdeten Berufsgruppen im Gesundheitswesen oder Menschen mit Vorerkrankungen. Ihnen könnte die sogenannte passive Immunisierung mit Antikörpern theoretisch einige Monate Schutz vor einer Infektion bieten.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Cornelius Knabbe, Direktor
Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin
Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Georgstraße 11
32545 Bad Oeynhausen
www.hdz-nrw.de

Prof. Dr. Rainer Blasczyk, Institutsleiter
Institut für Transfusionsmedizin und Transplantat Engineering
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
www.mhh.de

Dr. Sven Peine, Chefarzt
Abteilung für Transfusionsmedizin
Zentrum für Diagnostik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Weitere Informationen
Blutsgeschwister
www.blutsgeschwister.net
Infos zur Blut- und Plasmaspende nach Covid-19-Infektion

Dieses Thema im Programm:

Visite | 07.04.2020 | 20:15 Uhr

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