Corona trotz Impfung: Wie häufig sind Impfdurchbrüche?

Stand: 25.10.2021 10:39 Uhr

Einige Menschen erkranken an Covid-19, obwohl sie vollständig geimpft sind. Wie häufig kommen diese Impfdurchbrüche vor, was sind die Gründe dafür und wer ist gefährdet?

Krank trotz Impfung: Je höher die Impfquote in Deutschland, desto häufiger hört man von sogenannten Impfdurchbrüchen. Unter dem Begriff versteht man Fälle, bei denen Menschen sich trotz vollständiger Impfung mit dem Coronavirus infizieren und daran erkranken, also Krankheitssymptome der Infektion zeigen. Nicht als Impfdurchbrüche gelten sogenannte asymptomatische Verläufe bei Geimpften - also Fälle, bei denen sich die geimpfte Person nachweislich infiziert hat, aber keine Symptome zeigt.

Impfdurchbrüche in Deutschland

Impfdurchbrüche sind selten. Insgesamt 95.487 Fälle sind dem Robert Koch-Institut (RKI) seit 1. Februar 2021 bekannt (Stand 21. Oktober). Mitte September waren es 39.228 Fälle. Die steigende Zahl der Impfdurchbrüche lässt sich zum Teil durch die Statistik erklären: Mit höherer Impfquote steigt in Relation auch die Zahl der Impfdurchbrüche, weil mehr Menschen geimpft sind. Doch jetzt steigt die Impfquote nur noch sehr langsam an. Gleichzeitig steigt aber laut RKI derzeit die Wahrscheinlichkeit, als vollständig geimpfte Person mit dem Virus in Kontakt zu kommen, da dieses sich momentan wieder stärker ausbreite. Zudem grassiert die Delta-Variante - eine sehr ansteckende Mutation des Coronavirus.

Relativ am häufigsten traten Impfdurchbrüche laut RKI nach Impfungen mit dem Präparat von Johnson & Johnson auf. Dies könne daran liegen, dass die volle Schutzwirkung bei diesem Präparat etwas später einsetze als bei den anderen Präparaten, so Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Zudem biete die Einmal-Dosis, wie sie bei Johnson & Johnson verabreicht wird, womöglich nur einen zeitlich limitierten Schutz, vermutet Christian Bogdan, Mitglied der ständigen Impfkommission. Außerdem werde der Impfstoff vor allem bei über 60-Jährigen eingesetzt, deren Immunantwort teilweise schwächer sei.

Corona-Impfung: Guter Schutz vor schwerem Covid-19-Verlauf

Ein Arzt zieht eine spritze mit einem Impfstoff aus einem medizinischem Fläschchen auf. © imago images/Bihlmayerfotografie
Impfungen versprechen einen hohen Schutz vor einer Infektion mit Covid-19.

Laut RKI schützen die in Deutschland eingesetzten Impfstoffe sehr gut vor einer Infektion: Der Impfschutz liege unabhängig vom Impfstoff bei mehr als 85 Prozent. Allerdings verweist das RKI darauf, dass diese Werte nur eine erste Abschätzung darstellten und die Effektivität womöglich überschätzt werde.

Vor allem vor schweren Krankheitsverläufen schützen alle Präparate gut. Das RKI hat ermittelt, dass die Impfung Erwachsenen unter 60 Jahren einen etwa 96-prozentigen und über 60-Jährigen einen 95-prozentigen Schutz vor einer Erkrankung bietet, die auf einer Intensivstation behandelt werden muss.

Covid-19 trotz Impfung: Welche Menschen sind gefährdet?

Gefährdet sind Menschen, die ein sehr schwaches Immunsystem haben, wie es beispielsweise bei Krebspatientinnen und -patienten während einer Chemotherapie der Fall ist - oder bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen. Auch ältere Menschen, deren Immunsystem nicht mehr gut auf Immunisierungen reagiert, können betroffen sein. Ihre Immunantwort war evtl. aufgrund des Alters oder der Vorerkrankung von Anfang an nicht so gut, wie die eines gesunden jungen Menschen.

Wie eine britische Studie zeigt, lässt die Wirkung der Impfung mit der Zeit nach. Menschen mit schwachem Immunsystem wurden früh geimpft, jetzt lässt der Impfschutz zusätzlich stärker nach, weil die Impfung schon länger her ist. Der Antikörperspiegel, den der menschliche Körper gegen das Coronavirus aufgebaut hat, sinkt vermutlich sechs Monate nach der Impfung ab.

Wann ist eine Booster-Impfung sinnvoll?

Menschen, die einmalig mit Johnson und Johnson geimpft wurden, sollen schon nach vier Wochen eine weitere, die sogenannte Booster-Impfung, erhalten, denn bei ihnen sind Durchbruchsinfektionen besonders häufig.

Bei älteren und Vorerkrankten, die mit anderen Impfstoffen geimpft wurden, soll die dritte Impfung nach rund sechs Monaten erfolgen. Danach ist die Immunantwort deutlich besser als vorher und hält auch länger, wieeine Studie aus Israel zeigt. Jedoch sollten Menschen, die hochdosiert Kortison oder Transplantationsmedikamente bekommen, schon früher eine Booster-Impfung erhalten, raten Experten.

Wann müssen vollständig Geimpfte in Quarantäne?

In der Regel müssen vollständig Geimpfte nach Kontakt mit einem Infizierten nicht in Quarantäne, sondern nur darauf achten, ob sie in der Folgezeit Covid-19-typische Symptome verspüren und sich isolieren, falls diese auftreten. Die Entscheidung, ob jemand trotz Impfung in Quarantäne muss, liegt aber letztlich beim zuständigen Gesundheitsamt. Die Regelungen sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Unabhängig vom Impfstatus gilt: Wer sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hat und bei dem ein positiver PCR-Test vorliegt, muss sich in Quarantäne begeben.

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