Stand: 14.05.2018 12:16 Uhr

Chronische Schmerzen richtig behandeln

An chronischen Schmerzen leiden in Deutschland zwei bis drei Millionen Menschen. Bei ihnen hat der Schmerz seine Warnfunktion verloren. Er ist kein Symptom mehr, sondern eine eigenständige Krankheit - unabhängig von ihrem ursprünglichen Auslöser. Wegen der oft quälenden Beschwerden benötigen Betroffene eine spezialisierte Behandlung. Eine neue "Schmerz-Datenbank" soll helfen, nervenbedingte Schmerzen besser zu erkennen und effektiver zu behandeln.

Eine Person die sich die Hände an den Kopf hält wegen Kopfschmerzen.

Chronische Schmerzen richtig behandeln

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Chronische Schmerzen sind für Betroffene oft quälend. Mit einer digitalen Datenbank versuchen Ärzte, neue Erkenntnisse für die Schmerztherapie zu gewinnen.

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Neuropathische Schmerzen: Ursache und Symptome

Besonders hartnäckig sind sogenannte neuropathische Schmerzen, die im Nervensystem entstehen. Meist sind neuropathische Schmerzen chronisch, treten also länger als sechs Monate auf. Mögliche Ursachen für Schäden an Nervenfasern sind zum Beispiel

Geschädigte Nervenfasern können zu einer abnormen Erregbarkeit der Zellen und einer Fehlverschaltung der Nervenbahnen führen. Den daraus resultierenden Schmerz bezeichnen Betroffene häufig als hell, stechend oder brennend, wie Ameisenbisse oder Feuer. Sie haben meist auch ein erhöhtes Schmerzempfinden: Schon sanfte Berührungen können schmerzhaft sein.

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Interview: Was hilft bei chronischen Schmerzen?

15.05.2018 20:15 Uhr
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Chronische Schmerzen sind für Betroffene oft quälend. Welche Behandlungen helfen, erklärt der Schmerztherapeut Dr. Wolfgang Wabbel. Video (05:02 min)

Chat-Protokoll: Chronische Schmerzen

Kann eine psychologische Begleittherapie bei Schmerzen eine spürbare und nachhaltige Hilfe sein? Schmerztherapeut Wolfgang Wabbel hat im Visite Chat Fragen zum Thema beantwortet. mehr

Diagnose: Leitfähigkeit der Nervenbahnen prüfen

Die Ursache für neuropathische Schmerzen zu finden ist oft schwierig. Viele Betroffene quälen sich Monate, bis der Arzt eine Diagnose stellt. Wichtig sind eine gründliche Anamnese und eine neurologische Untersuchung. Bei sogenannten Quantitativen Sensorischen Tests wird die Reaktion auf Temperatur, Druck und Berührungen geprüft. Dabei müssen Betroffene beispielsweise angeben, ab wann sie die Schwingungen einer Stimmgabel nicht mehr spüren. So lässt sich die Leitfähigkeit der Nervenbahnen prüfen.

Schmerzintensität mit Daten ermitteln

Wie stark chronische Schmerzen sind, lässt sich nur schwer objektiv einschätzen. Denn die Intensität ist nicht messbar wie etwa der Blutdruck oder ein Blutwert. Deshalb versuchen die Ärzte, mit Schmerzskalen oder auch mithilfe einer digitalen Datenbank Erkenntnisse über die Schmerzintensität und die Art der Schmerzen zu bekommen. Dabei geben Betroffene vor und nach der Therapie an, wie stark sie Schmerzen empfinden. Bei der Auswertung kann der Arzt genau sehen, wie sich der Schmerz verändert hat und die Therapie anpassen.

Neuropathische Schmerzen behandeln

Vor dem Beginn der Behandlung werden die Ziele festgelegt, zum Beispiel:

  • Schmerzkontrolle oder Schmerzlinderung durch Medikamente
  • besserer Schlaf
  • bessere Selbstfürsorge durch längere Ruhepausen und positive Lebenseinstellung

Bei neuropathischen Schmerzen sind klassische Schmerzmedikamente meist wirkungslos. Zum Einsatz kommen vor allem Wirkstoffe aus der Epilepsietherapie (Membranstabilisatoren), bestimmte Antidepressiva und morphiumähnliche Substanzen (Opioide). Sie wirken über das zentrale Nervensystem und beeinflussen die Nervenbahnen.

Alternative Therapien wie Ultraschallwellen, Akupunktur oder Taping können das Nervensystem so regulieren, dass die Wahrscheinlichkeit von Schmerzattacken sinkt und der Schmerz erträglich wird. Oft werden solche Therapien jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Multimodale Schmerztherapie

Als besonders wirksam gilt eine multimodale Schmerztherapie. Sie verbindet geeignete Behandlungsformen aus mehreren Disziplinen:

  • Anästhesiologie
  • Ergotherapie
  • Neurologie
  • Neurochirurgie
  • Physiotherapie
  • Psychologie
  • Psychosomatische Medizin
  • Psychotherapie
  • Physiotherapie

Stationäre Therapie in Schmerzkliniken

Zur stationären Therapie in Schmerzkliniken gehören intensive Gespräche, Sport und psychologische Betreuung. Das hilft vielen Betroffenen, ihre Schmerzen besser einzuordnen, auszuhalten und oft sogar zu lindern. Sie lernen, sich nicht zu stark auf die Schmerzen zu konzentrieren und Tage mit wenig Schmerz wertzuschätzen. Eine solche stationäre Therapie ist nur nötig, wenn zuvor eine ambulante Therapie nicht zum Erfolg geführt hat.

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Interviewpartner

Dr. Wolfgang Wabbel, Leitender Arzt
Fachabteilung Schmerztherapie
Lubinus Clinicum
Steenbeker Weg 25, 24106 Kiel
Internet: www.lubinus-stiftung.de

Prof. Dr. Christoph Wiese, Chefarzt
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Herzogin Elisabeth Hospital Braunschweig
Leipziger Straße 24, 38124 Braunschweig
Internet: www.heh-bs.de

Weitere Informationen
Deutsche Schmerzliga e.V.
Postfach 74 01 23, 60570 Frankfurt
Internet: www.schmerzliga.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 15.05.2018 | 20:15 Uhr

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