Stand: 08.04.2019 16:26 Uhr

Schaufensterkrankheit: Oft zu spät erkannt

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Arterienverkalkung im Bein erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

In Deutschland leiden rund acht Millionen Menschen unter Verkalkungen der Schlagadern, auch Arteriosklerose oder Atherosklerose genannt. Meist unbemerkt lagern sich im ganzen Körper Kalk und Fett an den Gefäßwänden ab. Allmählich schwindet dadurch die Elastizität der Adern, die Gefäße verengen sich bis zum vollständigen Verschluss. Vor allem Rauchen, hohe Blutfettwerte und Bluthochdruck erhöhen das Risiko.

Sind auch die Beinarterien von der Erkrankung befallen, spricht man von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) oder auch Schaufensterkrankheit. Im Extremfall kann die Schaufensterkrankheit bis zum Absterben des Beines und zur Amputation führen.

Eine Arztin misst den Blutdruck an einem Fuss

Schaufensterkrankheit: Oft zu spät erkannt

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Millionen Deutsche leiden an Arterienverkalkung in den Beinen. Weil das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall groß ist, ist eine Früherkennung wichtig.

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Symptome der Schaufensterkrankheit (pAVK)

Typisch sind Wadenschmerzen bei Belastung, zum Beispiel beim Gehen, die im Ruhezustand verschwinden. Früher mühelos zu bewältigende Strecken werden zunehmend zum Problem. Die Muskeln schmerzen, weil ihnen durch die mangelhafte Blutversorgung der Sauerstoff fehlt.

Mit der Zeit treten die Schmerzen auch in Ruhesituationen auf, vor allem nachts, wenn die Beine waagerecht liegen und die Muskulatur nicht ausreichend durchblutet wird. Beim Gehen bekommen die Betroffenen wegen der mangelnden Durchblutung so starke Beinschmerzen, dass sie immer wieder Pausen einlegen müssen, bis der stechende Schmerz in den Waden nachlässt.

Auch Schmerzen im Fuß, Wunden und offene Stellen an den Beinen können ein Hinweis auf die Schaufensterkrankheit sein. Das Problem: Bei Senioren werden die Beschwerden oftmals als Altersbeschwerden abgetan.

Im Gespräch
04:50
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Schaufensterkrankheit frühzeitig erkennen

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Die Schaufensterkrankheit erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Was bei der Früherkennung wichtig ist, erklärt Gefäßmedizinerin Prof. Sigrid Nikol. Video (04:50 min)

Frühe Diagnose kann Leben retten

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit lässt sich einfach nachweisen:

  • Bei der Blutdruckkontrolle wird am Arm und an den Fußgelenken gemessen. Teilt man dann den am Bein ermittelten Wert durch den am Arm gemessenen Blutdruck, erhält man den Knöchel-Arm-Index.
  • Mit einer Blutdruckkontrolle an einem Zeh.
  • Pulskontrolle an den Füßen, in den Kniekehlen und Leisten
  • Ultraschalluntersuchung und Röntgenaufnahme der Beinarterien mit Kontrastmittel (Angiografie)

Arteriosklerose im Bein behandeln

Je früher die Krankheit behandelt wird, umso besser lässt sich ihr Fortschreiten bremsen. Das ist auch deshalb enorm wichtig, weil bei den meisten pAVK-Erkrankten die  Herz- und Hirngefäße betroffen sind. Das führt zu einem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Mit gezielt eingesetzten Medikamenten und einer gesunden Lebensweise kann dem Fortschreiten der Arteriosklerose jedoch entgegengewirkt werden. In jedem Fall müssen Betroffene mit dem Rauchen aufhören. Sehr hilfreich ist ein konsequentes Gehtraining: Fünf Mal eine halbe Stunde am Stück gehen, dabei die Gehstrecke erweitern - bis an den Schmerz heran. So bilden sich Ersatzblutbahnen (Kollateralen), die die Blutversorgung der Muskeln übernehmen.

Operation per Ballonkatheter

Ist die Arteriosklerose bereits fortgeschritten, können operative Eingriffe nötig werden.

Abhängig von Ausdehnung und Sitz der Gefäßverengung kann ein Katheterverfahren, die Perkutane Transluminale Angioplastie (PTA), eingesetzt werden. Dabei wird die Engstelle mit einem Ballon aufgedehnt und gegebenenfalls durch einen Stent zusätzlich gestützt. Das Problem: Durch den Eingriff kann es  zu Narbenbildungen kommen, das Gefäß kann sich wieder verschließen.

Das Risiko ist mit einer neuen Technik geringer: Dabei wird zur Aufdehnung der Engstelle ein Ballonkatheter verwendet, der mit Medikamenten beschichtet ist. Sie sollen verhindern, dass Gefäßzellen auf die OP mit verstärktem Wachstum reagieren. Ein Stent ist dabei nicht mehr nötig. Studien belegen, dass die neue Ballontherapie dauerhaften Erfolg hat und kaum Nachbehandlungen nötig sind. Sie lässt sich nicht nur in den großen Oberschenkelarterien, sondern auch im Unterschenkel einsetzen.

In schweren Fällen kann die Engstelle auch durch einen Bypass überbrückt werden.

Nach dem Eingriff hängt der weitere Verlauf vom Lebenswandel der Erkrankten ab: Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht schädigen die Gefäße und erhöhen die Gefahr einer erneuten Arterienverstopfung. Betroffene sollten sich reichlich bewegen und versuchen, ihr Gewicht in den Griff zu bekommen.

Weitere Informationen

Neue Arterien durch Sport und Herzhose

Arteriosklerose ist eine weitverbreitete Erkrankung der Gefäße. Bei verengten Schlagadern können Sport und das Tragen einer Herzhose das Wachstum neuer Blutgefäße anregen. mehr

Experten zum Thema

Dr. Jörn Tongers, Oberarzt
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Zentrum Innere Medizin
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
(0511) 532 38 41
www.mhh-kardiologie.de

Dr. Olaf Krause
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Geriatrie, Diabetologie, Notfallmedizin
Oberarzt des Zentrums für Medizin im Alter
Henriettenstiftung, Diakonische Dienste Hannover
Schwemannstraße 19
30559 Hannover
(0511) 289 3597
www.diakovere.de

Frau Prof. Dr. med. Sigrid Nikol, Chefärztin
Angiologie
Asklepios Klinik St. Georg
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
(040) 18 18 85 24 03

Prof. Nikol sucht für eine Studie Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit fortgeschrittener Schaufensterkrankheit (offene Wunden etc.), die kein Lauftraining mehr machen können und bei denen untersucht werden soll, ob die Gabe von Stammzellen zur Ausschüttung von Wachstumsfaktoren führt.

Weitere Informationen
Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V.
www.dga-gefaessmedizin.de
           
Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin
www.gefaesschirurgie.de

Deutsche Gefäßliga e. V.
www.deutsche-gefaessliga.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 09.04.2019 | 20:15 Uhr

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