Stand: 03.06.2015 10:57 Uhr  | Archiv

Warum und wie blühen Pflanzen?

von Helge Masch

Die meisten Menschen lieben es, wenn Garten und Balkon in voller Blütenpracht stehen. Im Juni sind die Pflanzarbeiten und die Umgestaltung der Beete, Kübel und Balkonkästen in der Regel abgeschlossen. Wird die Blütenkomposition aufgehen? Und woran liegt es, falls das nicht geschieht?

Basiswissen zur Blüte

Blüten dienen der Arterhaltung einer Pflanze. Sie beherbergen die Geschlechtsorgane. Die weiblichen Teile sind Narbe, Stempel und Fruchtknoten. Die männlichen Teile nennt man Staubbeutel. Darin befindet sich der Blütenstaub beziehungsweise die Pollen. Als "Marketingabteilung" fungieren die bunten Blütenblätter, die Insekten und andere Tiere zum Transport der Pollen anlocken sollen. In einer weiteren Abteilung befinden sich "Parfümerie" und "Zuckerküche", der Fachmann nennt diese Orte Nektarien.

Stempel, Narbe & Co.: Kleine Blütenfachkunde

Der richtige Nährstoff zum richtigen Zeitpunkt

Vor und während der Blüte sind auch die anderen Organe der Pflanze aktiv. Die Blätter produzieren durch Lichtaufnahme Energie, und die Wurzeln saugen Wasser und darin enthaltene Nährstoffe für die Pflanze auf. Während der Wachstumsphase ist der Nährstoff Stickstoff besonders wichtig und wird bevorzugt aufgenommen. In der Blütenphase wird vor allem Phosphor benötigt. Hier finden wir schon die erste Antwort auf die Frage, warum eine Pflanze nicht blüht: Die Wurzeln nehmen zu wenig Phosphor auf. Der Grund: Der Gärtner hat zu viel Stickstoff in den Boden eingebracht. Oder gar nicht gedüngt und der Nährstoff fehlt im Boden. Ein weiterer Grund kann sein: Die Pflanze ist noch nicht in der "Pubertät" gewesen und somit noch nicht geschlechtsreif. Sie benötigt noch etwas Zeit.

Zwiebelblüher müssen Kraft sammeln

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Helge Masch leitet den Botanischen Sondergarten in Wandsbek und kennt sich mit Blüten bestens aus.

Blumenzwiebeln (Tulpen, Narzissen, etc.) benötigen nach der Blüte noch ihre Laubblätter, um die Energie in der Zwiebel wieder aufzuladen. Ab dem Moment, in dem das Laub einzieht, beginnt in der Zwiebel die Vorbereitung auf die nächste Blüte. Schneidet der Gärtner das Laub im noch grünen Zustand ab, ist die nächste Blüte in Gefahr. Also: Achtung auch beim Rasenmähen!

Vorsicht beim Umsetzen einiger Pflanzen

Auch wenn der Gärtner es gut meint: Einige Pflanzen sollten nicht umgepflanzt werden: Die Bauernrose bestraft das Umpflanzen zum Beispiel mit bis zu drei Jahren Blütenentzug. Auch Clivie und Liebesblume quittieren den Entzug des Wurzeldrucks mit Blühfaulheit.

Es kommt auf den richtigen Standort an

  • Eine Pflanze, die in der Natur nur im Schatten vorkommt, sollte nicht in der Sonne stehen und andersherum.
  • Eine Pflanze, die trockenen Boden vorzieht, sollte nicht permanent in nasser Erde wachsen und andersherum.
  • Eine Pflanze, die sauren Boden bevorzugt, wird sich bei einem neutralen pH-Wert nicht wohlfühlen und andersherum.

Bestimmte Züchtungen bieten Insekten keine Nahrung

Menschen, Tiere, Pilze und Pflanzen leben gleichberechtigt auf der Erde. Leider geraten die Abhängigkeiten zwischen den vier Gruppen immer mehr in Vergessenheit. Keine dieser Gruppen kann ohne die anderen existieren. Gern holen wir Menschen uns Pflanzen aus anderen Klimazonen in unsere Gärten. Zum Beispiel die Forsythie, sie produziert keinen Nektar und ist deshalb für Insekten wertlos.

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Die Rose hat gefüllte Blüten. Auf ihr finden Insekten keine Nahrung.

Viele Pflanzen werden so lange miteinander gekreuzt, bis sie allein nicht mehr lebensfähig sind. Dazu gehören Pflanzen mit gefüllten Blüten. Sie sind geschlechtslose Pflanzen, die sich ausschließlich durch menschliche Hilfe am Leben erhalten und den Insekten keine Nahrung bieten. Deshalb: Alle natürlich entstandenen Blüten, die von Insekten besucht oder vom Wind bestäubt werden und Früchte heranwachsen lassen und an Ort und Stelle von der Tierwelt akzeptiert werden, sind gute Blüten in unseren Gärten.

Manche Pflanzen blühen von Natur aus nicht

Nicht alle Pflanzen tragen Blüten: Farne, Baumfarne, Mose, Bärlappe und Schachtelhalme sind entwicklungsgeschichtlich vor den Blütenpflanzen entstanden. Diese vermehren sich über Sporen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Garten | 03.06.2015 | 20:00 Uhr

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