Stand: 09.01.2020 12:29 Uhr  - Mehr wissen - besser leben

Restaurierung: Rettung vor dem Verfall

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Keramikmeister Hans Kuretzky restaurierte die Tier-Reliefs im Alten Elbtunnel in Hamburg.

Mehr als acht Jahre hat allein die Sanierung der Oströhre des Alten Elbtunnels in Hamburg gedauert, nun läuft die Restaurierung der Weströhre und soll bis 2024 abgeschlossen sein: Restaurierungen sind eine Mammutaufgabe, denn es geht darum, historische Gebäude und Kunstwerke auch für die Zukunft zu bewahren. Der Zahn der Zeit und wetterbedingte Einflüsse nagen kräftig an den historischen Schätzen, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern auch Identität stiften und viel über die Vergangenheit erzählen. Jedes Material altert auf seine Weise und muss ganz individuell behandelt werden. Kunstschätze und Kulturgüter zu erhalten, ist Aufgabe von Restauratoren. Mit viel Liebe zum Detail, Geduld und Geschick verbringen sie Jahre damit, wertvolle Relikte der Vergangenheit in gutem Zustand zu bewahren.

Restaurierung ist mehr als Konservierung

Während die Konservierung eine rein erhaltende Maßnahme ist, die den Zustand einer Substanz stabilisiert und den weiteren Verfall aufhält oder zumindest verlangsamt, geht eine Restaurierung darüber hinaus und umfasst zum Beispiel auch Ergänzungen und Rekonstruktionen historischer Details.

Neuer Glanz für den Alten Elbtunnel

Beim Hamburger Elbtunnel wurden bereits die Schachtgebäude auf beiden Seiten innen und außen komplett restauriert, die Kuppel auf der St.-Pauli-Seite bekam eine neue Kupferhaut und Fenster, die jahrelang verdeckt gewesen waren, wurden originalgetreu wiederhergestellt. Keramiker Hans Kuretzky gestaltete, brannte und glasierte für den Elbtunnel rund 1.900 Fliesen. Die Hälfte der 80 kostbaren Tier-Reliefs, die Keramiker Otto Perl für den 1911 eröffneten Tunnel entworfen hatte, konnten er und sein Team retten. Die andere Hälfte musste in einem aufwendigen Verfahren neu gebaut werden.

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Neue Fliesen für den alten Elbtunnel

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18 Jahre arbeitete der Keramiker Hans Kuretzky für ein Hamburger Wahrzeichen: Für die Sanierung des Alten Elbtunnels entwarf, brannte und glasierte er Tausende Fliesen und Kacheln. Video (03:40 min)

Ludwigslust: Das Versailles aus Papiermaschee

Aufwendige Restaurierungsarbeiten laufen auch im Schloss Ludwigslust, das von 1772 bis 1776 im Auftrag des Großherzogs Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin gebaut wurde. Das barocke Bauwerk, dessen Vorbild das Versailler Schloss ist, besticht mit monumentalen Säulen, reich geschmückten Wänden und goldenem Stuck. Doch ein großer Teil der Pracht ist Pappmaschee, wie etwa die Kerzenleuchter, die Restaurator Andreas Volkmar erneuerte. Auch bei den Tapeten wurde einst geblufft. Restauratoren entdeckten unter etlichen Schichten seltene Tapetenreste aus dem 19. Jahrhundert: Das bedruckte Papier sieht nur so aus wie die damals verbreitete kostbare Seide. In einer aufwendigen Prozedur rekonstruierten sie die Motive, sodass die 200 Jahre alten Tapeten die Wände nun in neuem Glanz schmücken.

Bis 2023 sollen alle Restaurierungsarbeiten im Schloss Ludwigslust abgeschlossen sein.

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Dieses Thema im Programm:

Arte | Xenius | 10.01.2020 | 16:50 Uhr

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