Stand: 20.03.2017 19:30 Uhr  - NDR 1 Radio MV  | Archiv

Endlich richtig lesen und schreiben lernen

Buchstaben liegen bunt verstreut. © dpa picture alliance Foto: Oliver Berg
In der Schule gelernt und trotzdem nur einen Buchstabensalat vor Augen: Schätzungsweise 140.000 Menschen in MV können nicht richtig lesen und schreiben.

Einen Brief vom Vermieter lesen, beim Arzt ein Formular ausfüllen - was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, fällt einigen schwer. Etwa 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben. Die meisten haben zwar in der Schule lesen und schreiben gelernt, das Verstehen und schriftliche Wiedergeben von längeren Sätzen macht ihnen aber Probleme - sie sind sogenannte funktionale Analphabeten. Etwa 140.000 von ihnen leben nach Schätzungen des Landesverbands der Volkshochschulen in Mecklenburg-Vorpommern

Mut zur Veränderung

Die Tatsache, dass jemand ein funktionaler Analphabet ist, bleibt oft jahrelang unentdeckt, da die Betroffenen schwierige Situationen meist geschickt umgehen können. Wer daran etwas ändern möchte, findet an verschiedenen Stellen Hilfe. Oft kostet es Überwindung, sich an Einrichtungen zu wenden, die spezielle Kurse für Erwachsene anbieten. Auch deshalb nutzen nur wenige Menschen beispielsweise die Angebote von Volkshochschulen, obwohl diese kostenfrei sind. Sie werden durch die Landesregierung und die Volkshochschulen in Mecklenburg-Vorpommern übernommen.

Hilfsangebote für Menschen mit Lese- und Schreibschwäche

Das Alfa Telefon ist eine Info-Hotline für Menschen mit Lese- oder Schreibschwäche. Unter (0800) 53 33 44 55 kann man sich über Kurse und andere Hilfsmöglichkeiten informieren.

Auf der Plattform der Volkshochschulen können Analphabeten lesen und schreiben üben: www.ich-will-lernen.de.

Der Bundesverband Alphabetisierung informiert auf seiner Homepage www.alphabetisierung.de zu allen Themen rund um funktionalen Analphabetismus. Dort gibt es auch eine Datenbank, in der man nach Kursen in der Umgebung suchen kann.

Kostenlose App kann Abhilfe schaffen

Für alle, die sich bisher davor scheuen, bei Fremden Hilfe zu suchen, hat die ehemalige Leiterin einer Grundschule, Irmgard Schwiderski, eine kostenlose App entwickelt. Die App "Irmgard" kann auf Android-Geräte heruntergeladen werden und ermöglicht es, jederzeit und an jedem Ort zu lernen.

Mit Geduld und Übung ans Ziel

Wer sich weiterbilden möchte, solle keine Scheu vor einem Besuch in der Volkshochschule haben, meint Susanne Kapellusch, die diese Kurse an der Volkshochschule in Schwerin organisiert. "Bei uns kann jeder vorbeikommen und sich anmelden. Wir helfen bei den Formalitäten, dafür sind wir da." Es lohnt sich in jedem Alter, Hilfe zu suchen. "Mit Geduld und gezielten Übungen lesen und schreiben viele Schüler bald besser und verlieren die Angst vor Wörtern und Texten", weiß Kapellusch. Und sie verrät noch etwas. Es fällt vielen leichter, wenn sie den ersten Schritt nicht alleine gehen. "Vielleicht gibt es ja eine Freundin, einen Freund, einen Bekannten, der einen auf dem Weg in die Volkshochschule begleitet, bis man dann in der Gruppe ist und auch Gleichgesinnte findet. Es sind nämlich gar nicht so wenige Menschen, die es betrifft."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.03.2017 | 10:00 Uhr

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