Stand: 08.05.2019 09:57 Uhr

"Wir brauchen eine Neuaufteilung der Verkehrsflächen"

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Die große Frage lautet: Wo dürfen E-Tretroller künftig fahren?

Nach massiver Kritik der Länder hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) seine Pläne für die Elektro-Tretroller noch einmal korrigiert: Sie sollen nun doch nicht - wie ursprünglich geplant - auf Gehwegen erlaubt sein, sondern nur auf Radwegen fahren. Dirk Lau, Sprecher und stellvertretender Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Hamburg, findet das gut. Er hat im NDR Info Interview aber weitere Nachbesserungen der Konzepte für die Zukunft des Verkehrs in Deutschland gefordert.

Was halten Sie von der Entscheidung von Verkehrsminister Scheuer?

Dirk Lau: Ja, erstmal begrüßen wir die Korrektur des Gesetzes. Das ist eine gute Entscheidung für die Fußgängerinnen und Fußgänger. Die Probleme auf den Straßen bleiben aber auf jeden Fall auch nach dieser Entscheidung.

Wo muss denn noch nachgebessert werden?

Lau: Wir haben ja ein neues Verkehrsmittel, was der Bundesminister auf den Markt bringen will. Aber was er dabei gar nicht bedenkt ist, dass die Verkehrsflächen gar nicht dafür ausreichen - und dass es eine Neuaufteilung der Verkehrsflächen in den Gemeinden bräuchte.

Grundsätzlich ist es gut, dass die Gehwege jetzt von den Elektro-Tretrollern befreit sind. Sie dann aber mit immerhin zwölf Stundenkilometern einfach auf Radwege zu schicken, ist natürlich auch keine Lösung. Vielmehr müsste dann wiederum der Radverkehr woanders mehr Platz bekommen und auf anderen Flächen stattfinden. Dazu haben wir noch nichts gehört von Minister Scheuer."

Wo sehen Sie denn die größten Risiken?

Lau: Es sind verschiedene Verkehrsmittel, die unterschiedlich schnell unterwegs sind. Genauso wie zwischen Fußgängern und Radfahrern, die sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fortbewegen, sind es dann eben diese Tretroller und Fahrradfahrer. Das hieße, wenn man die Elektro-Tretroller jetzt auch noch auf die viel zu knappen und schmalen Radwege in Deutschland schicken wollte, würde der Radverkehr dadurch massiv ausgebremst.

Wir brauchen hier eine Neuverteilung der Flächen. Das heißt, der Radverkehr müsste dann eine Spur, die für den Autoverkehr reserviert ist, bekommen. Dann würde es klappen. Dann fahren die Tretroller und Kleinstfahrzeuge auf den ehemaligen Radwegen. Die Fußgänger haben ihren Gehweg und die Radfahrer haben eben eine Spur von der Fahrbahn."

Da höre ich Skepsis. Sind Sie denn grundsätzlich gegen die Tretroller?

Lau: Nein, wir begrüßen das. Es ist ein sehr pfiffiges, cleveres Verkehrsmittel. Es kann aber nicht sein, dass die klimafreundlicheren Verkehrsmittel gegeneinander ausgespielt werden, was man bei Herrn Scheuer vermuten konnte, als er sagte, dass sich die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sicher auf den Fußwegen fühlen sollen. Dann fragt man sich, warum er nichts dafür tut. Wir haben ständig schreckliche Verkehrsunfälle, unter denen die schwächeren Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer leiden. Da tut er gar nichts, sondern er puscht jetzt ein neues Verkehrsmittel. Da fragt man sich schon, wessen Interessen er eigentlich vertritt. Wenn man dann schaut, wer diese Anbieter sind, dann sieht man doch oft auch Autokonzerne dahinter. Dann weiß man wieder, dass Herr Scheuer seine Arbeit gemacht hat.

Was raten Sie angesichts dessen den Verkehrsteilnehmern? Wie viele Regeln brauchen wir für E-Bikes, Rad und Scooter?

Lau: Wir brauchen im Prinzip nicht viele Regeln. Natürlich ist das Prinzip der gegenseitigen Rücksicht- und Vorsichtnahme das oberste. Das heißt aber, dass man seine Geschwindigkeiten denen der anderen Verkehrsteilnehmer anpasst, wenn man auf einer Verkehrsfläche unterwegs ist. In Städten ist es sicherlich geboten, an großen Straßen die Verkehrsteilnehmer voneinander zu trennen, um bei dem derzeitigen Verkehrsaufkommen tatsächlich mehr Sicherheit auf den Straßen zu bekommen.

Das Interview führte NDR Info Moderatorin Liane Koßmann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 08.05.2019 | 07:08 Uhr

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