Stand: 01.02.2019 14:44 Uhr

Eine energiegeladene Mendelssohn-Aufnahme

Mendelssohn
von Jan Lisiecki
Vorgestellt von Chantal Nastasi
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Jan Lisieckis Gestalten, sein Verve und sein lupenreines technisches Können fesseln sofort.

Die aktuelle CD des Pianisten Jan Lisiecki steht ganz im Zeichen der Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy. Der junge Kanadier spielt darauf die beiden Klavierkonzerte sowie einige Werke für Klavier solo.

"Wir raspeln grässlich", schreibt Felix Mendelssohn Bartholdy an seine Schwester Fanny. Er schildert ihr die täglichen Besuche bei der jungen Pianistin Delphine von Schauroth, die ihm den Kopf verdreht hatte und der er das aufregende und aufwühlende Erste Klavierkonzert gewidmet hat.

Ein dichter, fein gewebter Klang

Jan Lisiecki ist mit seinen 23 Jahren kaum älter als der damals ach so verliebte Mendelssohn. Sein emphatisches Gestalten, seine Verve und sein lupenreines technisches Können fesseln sofort. Gemeinsam mit dem Orchester, dem in New York ansässigen Orpheus Chamber Orchestra, entsteht ein dichter und dennoch fein gewebter Klang.

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Eine "Heiterkeit" und "Leichtigkeit" - fast wie in Mozarts Werken - schätzt Lisiecki an diesem Konzert, liest man im CD-Booklet. Er und das Kammerorchester nehmen das "Molto allegro e vivace" des Finalsatzes sehr wörtlich.

Eine völlig neue Erfahrung

Geheimnisvoller und schwermütiger klingt dagegen das sechs Jahre später komponierte Klavierkonzert Nr. 2. Wie aus einem Guss klingt das Zusammenspiel von Solist und Orchester. Musizieren auf der vordersten Stuhlkante. Zudem spielt das Orpheus Chamber Orchestra grundsätzlich ohne Dirigent, sogar Konzertmeister und Stimmführer wechseln von Projekt zu Projekt. Dieses wache und gleichberechtige Miteinander hört man nicht nur der sehr präzisen und energiegeladenen Aufnahme an. Lisiecki beschreibt im Booklet auch, dass alle gemeinsam die Takes im Aufnahmestudio begutachtet und darüber diskutiert haben - eine völlig neue Erfahrung für ihn.

Zu den Klavierkonzerten reiht Lisiecki außerdem Werke von Mendelssohn für Klavier solo: eines seiner berühmten "Lieder ohne Worte", das zweiteilige "Rondo Capriccioso" und die "Variations sérieuses", in denen Lisiecki die ganze Palette seiner Nuancierungskunst einbringen kann.

Mendelssohn

Label:
Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 04.02.2019 | 06:40 Uhr