Stand: 15.12.2017 14:16 Uhr

Weihnachtsoratorium mit vokalen Glanzlichtern

J.S. Bach: Weihnachtsoratorium
von Hans-Christoph Rademann
Vorgestellt von Marcus Stäbler
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Die neue Produktion kann sich auch gegen starke Konkurrenzaufnahmen behaupten.

Keine Festtagstimmung ohne Bach. Viele Klassik-Fans würden eher auf Spekulatius, Schnee und Tannenbaum verzichten als auf ihr geliebtes Weihnachtsoratorium. Die sechs Kantaten gehören zumindest in Deutschland zu den meist aufgeführten und gehörten Werken der Winterzeit. Jede Aufnahme muss sich gegen eine große Konkurrenz behaupten. Das gilt auch für die neue Einspielung des Weihnachtsoratoriums mit der Gaechinger Cantorey unter Leitung von Hans-Christoph Rademann.

Sprachsensible Interpretation

Johann Sebastian Bach feiert die Ankunft des Christkinds mit Pauken und Trompeten. Der tänzerische Schwung der Musik folgt dem Rhythmus der Worte, die hier so frisch klingen, als würden sie zum ersten Mal gesungen.

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Hans-Christoph Rademann liefert eine sehr sprachsensible Interpretation des Bach-Stücks ab.

Hans-Christoph Rademann rückt die frohe Botschaft des Textes ins Zentrum, mit einer sehr sprachsensiblen Interpretation. Die Sänger und Instrumentalisten der Gaechinger Cantorey verwachsen zu einem homogegen Ensemble, das schlank und transparent musiziert und gemeinsam die wechselnden Szenen und Emotionen des Stücks durchlebt. Die festliche Freude in den Eingangschören, die idyllische Hirtenstimmung in der zweiten Kantate, oder das andächtige Staunen über das Wunder der Geburt Jesu im Choral "Ich steh an Deiner Krippen hier".

Ein Ereignis für die Ohren

Die wichtige Tenorpartie des Weihnachtsoratoriums hat Rademann mit dem Sänger Sebastian Kohlhepp besetzt, der ein schönes lyrisches Timbre und gestalterischen Feinsinn vereint. Als Evangelist erzählt er die biblische Weihnachtsgeschichte in maßvollem Tempo und mit natürlichem Sprachfluss, in den Arien demonstriert er seine exzellente Technik. Nur wenige Kollegen bewältigen die anspruchsvollen Koloraturen - mit denen Bach etwa die Eile der Hirten ausschmückt - so sicher wie Kohlhepp. Neben einem so beweglichen Tenor wirkt Michael Nagy etwas hölzern. Er verfügt zwar über einen beeindruckend kernigen Bassbariton, führt seine Stimme aber weniger flexibel, als es in dieser Art von Musik nötig wäre.

Dass es sehr wohl möglich ist, auch mit einer großen Stimme den barocken Ton zu treffen, beweist Wiebke Lehmkuhl. Wie fein sie mit ihrem warmen und edlen Klang die musikalischen Linien zeichnet, das ist ein echtes Ereignis für die Ohren. Gegenüber dem Volumen und der natürlichen Strahlkraft von Lehmkuhl verblassen selbst die bezaubernden Momente von Regula Mühlemann und Anna-Lucia Richter, die sich die Sopranpartie teilen.

Stimmiges Teamwork

Insgesamt kann sich die neue Produktion auch gegen starke Konkurrenzaufnahmen behaupten - durch einige vokale Glanzlichter bei den Solisten, aber auch dank des stimmigen Teamworks von Chor und Orchester, aus dem die vorzüglichen Barocktrompeter herausragen.

J.S. Bach: Weihnachtsoratorium

Label:
Carus

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 18.12.2017 | 06:40 Uhr