Stand: 20.03.2020 17:33 Uhr

CD der Woche: Beethovens Meilensteine

Beethoven: Piano Trios
von Renaud Capuçon, Frank Braley, Gautier Capuçon 
Vorgestellt von Friederike Westerhaus

Sie sind ein bestens eingespieltes Team: die Brüder Renaud und Gautier Capuçon. Zusammen mit dem Pianisten Frank Braley haben sie pünktlich zum Jubiläumsjahr das "Geistertrio" und das "Erzherzog-Trio" von Ludwig van Beethoven eingespielt. Renaud hatte zuvor bereits alle Violinsonaten und Gautier die Cellosonaten und Variationen mit Braley aufgenommen. Die Trios vervollständigen nun dieses Beethoven-Set.

CD-Cover: Renaud Capuçon, Frank Braley, Gautier Capuçon - Beethoven: Piano Trios © Erato
Dieses Trio-Album von Renaud und Gautier Capuçon und Frank Braley ist ein hörenswerter Beitrag zum Beethoven-Jahr.

Schon der Anfang des "Geistertrios" muss kammermusikalisch richtig sitzen: Dieses kraftvolle, schnelle unisono, das uns direkt hineinzieht in das Stück.

E.T.A. Hoffmann schrieb 1813 in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung, inspiriert von diesem Werk: "Wer die Musik nur als Spielerei, nur zum Zeitvertreib in leeren Stunden (…) tauglich betrachtet, der bleibe ja davon". Für ihn war diese Kammermusik so reich und tief wie Beethovens Sinfonien. Keine Salon-Musik, sondern ein Ringen und Durcharbeiten.

Romantischer Beethoven-Klang

Die Ernsthaftigkeit dieser Musik spricht auch aus dieser neuen Aufnahme von den Brüdern Renaud und Gautier Capuçon zusammen mit Frank Braley - ohne dass das Stück dabei nur einseitig schwer würde. Den drei Musikern gelingt es, die verschiedenen Facetten und Ebenen zu beleuchten. Die lyrischen Passagen sind fein ausgeformt, und wenn es stürmisch wird, fehlt es nicht an Kraft und Energie.

Auffällig ist, wie sehr sich die Tongebung der beiden Capuçon-Brüder gleicht. Man spürt, wie ähnlich ihre Klangvorstellung ist - und ihre Prägung. Ein Beethoven-Klang, der eher von der romantischen Seite kommt, als von der klassischen. Eher üppig und satt also, statt schlank und von der historisch informierten Seite gedacht.

Das heißt aber nicht, dass das Fahle im 2. Satz "Largo assai ed espressivo" fehlt, der dem Trio später seinen Beinahmen "Geistertrio" gab - dieses Schattenhafte, Verhangene.

Stimmungswechsel und unterschiedliche Charaktere

Das zweite Stück auf diesem neuen Album ist das Trio op. 97 Nr. 7 in B-Dur, das Erzherzog-Trio, vollendet 1811. Beethoven widmete es seinem langjährigen Gönner Erzherzog Rudolph von Österreich. Der war selbst ein recht guter Pianist und erhielt Unterricht von Beethoven. Schon von der Anlage her ist das Trio ungewöhnlich: Beethoven setzt dem Andante cantabile ein Scherzo mit einem galanten, reizenden Thema voran. Dieses Thema allerdings kippt plötzlich in eine ganz andere, düstere Stimmung. Ein Moment des Suchens, des Unbehagens.

Gerade diese Stimmungswechsel und die ganz unterschiedlichen Charaktere in diesem Stück lassen die Capuçons und Braley lebendig werden. Beide Capuçons sind starke musikalische Persönlichkeiten und Solisten - aber hier verstehen sie es, sich wo nötig auch zurückzunehmen. Mit Frank Braley, der schon 1991 den Königin Elisabeth Wettbewerb in Brüssel gewann, haben sie einen ebenbürtigen Partner und äußerst versierten Kammermusiker an ihrer Seite. Dieses Trio-Album von Renaud und Gautier Capuçon und Frank Braley ist ein hörenswerter Beitrag zum Beethoven-Jahr.

Beethoven: Piano Trios

Label:
Erato

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 22.03.2020 | 15:20 Uhr

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