Viele Kinder mit Atemwegsinfekten in Niedersachsens Kliniken

Stand: 04.10.2021 17:26 Uhr

Überdurchschnittlich viele Kinder müssen derzeit wegen Atemwegserkrankungen in Kliniken behandelt werden - auch in Niedersachsen. Kinder- und Jugendärzte sehen Corona-Maßnahmen als Grund.

"Die Infekte werden jetzt nachgeholt", sagte Jakob Maske, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Während im vergangenen Jahr verhältnismäßig wenig Kinder erkrankt seien, gebe es nun vergleichsweise früh viele Fälle. Kinder und Jugendliche seien aufgrund von Kita-Schließungen und anderen Corona-Maßnahmen im vergangenen Winter und Frühjahr mit bestimmten Erregern bisher nicht in Kontakt gekommen. Ihr Immunsystem ist entsprechend nicht vorbereitet.

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Fälle treten früher im Jahr auf

Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet von einem starken Anstieg der Krankenhaus-Einweisungen wegen Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) bei Ein- bis Vierjährigen. In Niedersachsen bestätigen unter anderem das Christliche Kinderklinikum Osnabrück und die Euregio Klinik Nordhorn diesen Trend. Nach Angaben des SANA-Klinikums in Hameln mussten dort seit August schon 15 RSV-Fälle stationär behandelt werden. In der vorherigen Saison sei es nur ein Fall gewesen. Im St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim haben nach Angaben der Klinik aktuell etwa ein Drittel der dort versorgten Patienten eine RSV-Infektion. Das sei nicht ungewöhnlich viel, allerdings seien die Fälle auch hier in diesem Jahr deutlich früher aufgetreten als üblich, sagte eine Sprecherin. Der Infekt treffe normalerweise Kinder unter einem Jahr, heißt es aus der Euregio-Klinik - aktuell würden aber auch ältere Kinder bis vier Jahre behandelt. Laut der Chefärztin der Kinderstation im Klinikum Wolfsburg, Jacqueline Bauer, sind dort aktuell fast alle Betten belegt. Besonders anfällig seien sehr kleine Kinder im Säuglingsalter, die sich über Geschwisterkinder ansteckten. In Gifhorn ist die Kinderstation zur Hälfte mit Kindern mit Atemwegserkrankungen belegt.

Gefährlich vor allem für Frühgeborene und Vorerkrankte

Ruth Lehbrink, Chefärztin der Pädiatrie im Bonifatius Hospital Lingen sagte: "Im Vergleich zu den Vorjahren behandeln wir bereits in dieser Jahreszeit sehr viele Kinder mit Atemwegsinfektionen, die in dieser Häufung gewöhnlicher Weise erst im späteren Herbst und Winter auftreten." Es handele sich um typische Erkältungsviren, die bei Säuglingen und Kleinkindern manchmal eine stationäre Krankenhausbehandlung erforderlich machten - üblicherweise aber nicht mit schweren Verläufen. Gefährlich kann ein solcher Infekt der oberen Luftwege insbesondere für Frühgeborene sowie vorerkrankte Kinder im ersten Lebensjahr werden.

Mediziner fürchten Überlastung der Kliniken

Vor der Corona-Pandemie wurden laut RKI im Monat September rund 60 bis 70 Ein- bis Vierjährige pro Woche mit schweren Atemwegsinfekten in Kliniken eingewiesen, aktuell seien es doppelt so viele. Es sei mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Patienten hätten bereits in rund 40 Kilometer entfernte Kliniken ausweichen müssen. "Wir machen uns zudem Sorgen, dass es eine Grippewelle gibt", sagte Kinderarzt Buck. Im vergangenen Winterhalbjahr mit vielen Hygienevorkehrungen und Kontakt-Auflagen war die Grippewelle praktisch ausgeblieben.

Weitere Länder betroffen

Bereits im Mai wurden größere RSV-Ausbrüche unter Kindern aus Israel und in den Sommermonaten in den USA, Australien und Japan gemeldet.

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Dieses Thema im Programm:

Regional Hannover | 04.10.2021 | 15:00 Uhr

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