Schweinekrise: Steht die Hälfte der Betriebe vor dem Aus?

Stand: 30.09.2021 17:23 Uhr

Niedersachsen ist Schweineland Nummer eins. Doch die Branche steckt in einer schweren Krise. Findet die Agrarministerkonferenz eine Lösung?

Einer aktuellen Umfrage der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) in Damme (Landkreis Vechta) zufolge ist bundesweit etwa die Hälfte der Betriebe in Gefahr. Laut der Befragung stehen in den kommenden zehn Jahren rund 60 Prozent der Sauenhalter und 40 Prozent der Schweinemäster vor dem Aus.

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ISN: Es brennt lichterloh

Das seien einschneidende Zahlen auch für das Land Niedersachsen, in dem rund ein Viertel der Schweine gehalten werde - vor allem für den Nordwesten. Es brenne lichterloh, sagte der ISN-Vorsitzende Heinricht Dierckes aus Goldenstedt dem NDR in Niedersachsen. Der Verlust pro Tier liege aktuell bei 60 bis 70 Euro, so die ISN. Die Umfragewerte seien repräsentativ, hieß es. Nach einer ähnlichen Umfrage vor drei Jahren hätten viele von denen, die ein Aus angekündigt hatten, den Schritt vollzogen und ihre Betriebe aufgelöst. Laut Statistischem Bundesamt habe in der vergangenen Dekade mehr als ein Drittel der Betriebe in Deutschland aufgegeben.

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Land will Agrarministerkonferenz für Schulterschluss nutzen

Die Situation auf dem Schweinemarkt sei weiterhin dramatisch, teilte auch das niedersächsische Landwirtschaftsministerium am Dienstag mit. Um Strukturbrüche zu verhindern, sei ein Schulterschluss aller Marktpartner notwendig. In einer entsprechenden Beschlussvorlage werde sich das Land Niedersachsen dafür bei der Agrarministerkonferenz (AMK) in Dresden einsetzen. Die AMK hat am Donnerstag begonnen.

Land setzt auf "5D-Strategie"

Wie will Niedersachsen dem Trend entgegensteuern? Die heimische Schweinefleischerzeugung solle mit einer "5D-Strategie" erhalten werden, hieß es. Die Ware soll demnach von der Geburt bis zum Fleischtresen nach fünf hohen Standards aus Deutschland kommen und dort verarbeitet werden. Weitere Bestandteile der Vorlage sind den Angaben zufolge eine Öffnung der Preismaske nach unten, die Überarbeitung von Vertragsmodellen sowie eine Überprüfung der neuen Umsatzsteuerregelungen.

Otte-Kinast sieht Grünlandbetriebe benachteiligt

In einer weiteren Beschlussvorlage für die AMK plädiert das Land für die Einführung zusätzlicher Öko-Regelungen für Milchviehbetriebe bei der nationalen Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Intensiv wirtschaftende Grünlandbetriebe sollen so unterstützt werden. Ansonsten würden sie Direktzahlungen verlieren, weil es ihnen kaum möglich sei, von geplanten Öko-Regelungen zu profitieren, so Agrarministerin Barbara Otte-Kinast. "Das erzeugt eine Unwucht, die wir so nicht hinnehmen können", sagte die CDU-Politikerin.

Absprache mit drei Bundesländern

Der Antrag wird von Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern unterstützt. Die Länder hatten sich im Vorfeld der AMK in einer von Otte-Kinast initiierten Videokonferenz darauf verständigt. In dem Antrag wird vorgeschlagen, eine nachhaltige Bewirtschaftung des Dauergrünlands zu entlohnen und andererseits den gesellschaftlich gewollten Weidegang von Milchkühen besonders zu berücksichtigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.09.2021 | 09:00 Uhr

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