Stand: 18.10.2016 17:54 Uhr

Psychiatrie-Ärzte mit Nazi-Vergangenheit?

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Die Vergangenheit der psychiatrischen Krankenhäuser soll nun aufgearbeitet werden. (Themenbild)

Das Sozialministerium will die Vergangenheit der psychiatrischen Landeskrankenhäuser in Niedersachsen aufarbeiten lassen. Unter anderem soll geklärt werden, welchen Einfluss Ärzte mit NS-Vergangenheit in der Nachkriegszeit hatten. In Kürze wird das Ministerium dazu einen entsprechenden Forschungsauftrag vergeben. Wissenschaftler sollen die Lebensläufe von Chefärzten und weiteren Verantwortlichen prüfen, die in den 1950er-Jahren und später in den psychiatrischen Kliniken in Niedersachsen gearbeitet haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Landeskrankenhäuser in Göttingen, Hildesheim, Königslutter (Landkreis Helmstedt), Wunstorf (Region Hannover), Osnabrück, Wehnen (Landkreis Ammerland) und Lüneburg betrieben.

Arzneimittel-Tests an Kindern?

Die Studie soll zeigen, ob Ärzte während der NS-Zeit an Tötungen von Patienten oder Forschungsprojekten des Nazi-Regimes beteiligt waren. Das Ministerium will darüber hinaus untersuchen lassen, ob in Kliniken und Heimen in Niedersachsen bis Mitte der 1970er-Jahre Arzneimittel an Kindern getestet wurden. Es gibt Hinweise darauf, dass das in Einrichtungen in Wunstorf und Rehburg-Loccum (Landkreis Nienburg) geschah. Arzneimitteltests an Patienten waren damals nicht klar geregelt. Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) sagte NDR 1 Niedersachsen, aus heutiger Sicht seien die Versuche ethisch und moralisch vollkommen inakzeptabel.

Weitere Informationen

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In Lüneburg wurden während des Dritten Reiches zahlreiche behinderte Menschen getötet. Am Sonntag wurde mit einer Gedenkfeier, an der rund 150 Menschen teilnahmen, an sie erinnert. (05.09.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.10.2016 | 08:00 Uhr

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