Stanislaw verabschiedet sich von seinem Sohn David und seiner Frau Anna in einem Zug nach Lwiw am Bahnhof von Kiew, Ukraine. Stanislaw bleibt um zu kämpfen, während seine Familie das Land verlässt und in einem Nachbarland Zuflucht sucht. © dpa-Bildfunk

Niedersachsen: Hilfsbereitschaft für Ukrainer ist weiter groß

Stand: 07.03.2022 18:01 Uhr

Eine Welle der Hilfsbereitschaft geht durch Niedersachsen. Viele sammeln Spenden, andere bieten an, Geflüchtete bei sich aufzunehmen. Sozialministerin Behrens (SPD) bedankte sich am Montag für die Solidarität.

An vielen Orten in ganz Niedersachsen bieten Privatleute Geflüchteten Obdach an. In allen 21 Kommunen, die der Region Hannover angehören, hätten Familien Hilfe und Unterstützung angeboten, hieß es beim Kommunalverband. Wie groß der Bedarf sein wird, sei noch nicht klar. Die Region hat deshalb die zentrale E-Mail-Adresse Pkd-Ukraine@region-hannover.de für Familien eingerichtet, die Kinder aufnehmen möchten. "Immer mehr Menschen flüchten vor dem Krieg in der Ukraine und suchen Schutz - auch in Niedersachsen. Die Solidarität vieler Niedersächsinnen und Niedersachsen ist sehr groß. Für diese eindrucksvolle Unterstützung möchte ich allen schon jetzt von Herzen danken", teilte Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) am Montag mit.

Helfer und Helferinnnen müssen Kriterien erfüllen

Für die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus dem Kriegsgebiet müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehören unter anderem möglichst Erziehungserfahrung, ausreichend Platz zur Unterbringung, ausreichend Zeit für die Betreuung sowie ein erweitertes Führungszeugnis. Details dazu können bei den Kommunen erfragt werden.

VIDEO: Hannover bereitet sich auf Geflüchtete aus der Ukraine vor (1 Min)

150 Familien aus Walsrode wollen Geflüchtete aufnehmen

Auch in Oldenburg kann Geflüchteten eine Bleibe angeboten werden. Wer sich registrieren lassen will, kann das auf der Internetseite der Stadt tun. Die Gemeinde von Butjadingen will ebenfalls Privatleuten dabei helfen, Wohnraum anzubieten. Interessenten sollten sich per E-Mail oder telefonisch bei der Gemeinde melden, hieß es. In Walsrode haben sich bereits 150 Familien bei der Stadt gemeldet, um Menschen aus der Ukraine aufzunehmen. Ähnliches wird im Landkreis Stade organisiert.

Busse und Bahnen nehmen Ukrainer kostenlos mit

Geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer können zudem in Deutschland kostenlos Bus und Bahn fahren. Sie brauchen nur einen ukrainischen Ausweis. Den flüchtenden Menschen sollten keine Hürden in den Weg gestellt werden, teilte der Geschäftsführer der Nordwestbahn, Ulrich Ehrhardt, mit. Die freie Fahrt für Ukrainer gilt für mehr als 600 im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) organisierte Unternehmen des öffentlichen Personenverkehrs.

Kleiderspenden werden teils nicht mehr angenommen

Auch die Spendenbereitschaft nimmt nicht ab. Sie ist so groß, dass teils keine Kleiderspenden mehr angenommen werden. "Wir haben in den letzten Tagen sehr viele Spenden erhalten. Unsere Lager sind voll", sagte Madlen Hesse vom Diakonischen Werk in Niedersachsen. Auch die Deutsche Kleiderstiftung mit Sitz in Helmstedt vermeldete auf ihrer Internetseite einen Annahmestopp für Kleiderspenden. Sie rief Spendenwillige auf, Altkleider aufzuheben, bis wieder Kapazitäten für die Annahme frei würden.

Kirchen sammeln Kleidung und spenden Geld

Viele weitere Initiativen, Vereine, kirchliche Einrichtungen und Kommunen organisieren derzeit Hilfe. Hier Beispiele aus Niedersachsen ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Die ukrainisch-katholische St.-Wolodymyr-Kirche in Hannover-Misburg hat zu Spenden aufgerufen, dort stapelten sich bald darauf Lebensmittel, Kleidung und Medikamente für die Ukraine. Es werden auch ankommende Geflüchtete zunächst aufgenommen und versorgt. Die Oldenburgische Kirche stellt 10.000 Euro für Opfer der Ukraine-Krise zur Verfügung. Mit der Summe sollen Hilfsprojekte der Diakonie Katastrophenhilfe in der Krisenregion mitfinanziert werden, teilte die Kirche mit. Das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta hat 100.000 Euro an den Deutschen Caritasverband gespendet. Das Geld sei unmittelbar für die Opfer des Ukraine-Krieges bestimmt, hieß es. Nach wie vor arbeite die Caritas Ukraine an mehr als 30 Standorten verteilt über das ganze Land.

Viele Beispiele der Hilfsbereitschaft in Niedersachsen

Der "Ukrainische Verein in Niedersachsen" aus Hannover ruft aktuell zu Sachspenden auf. Vor allem dicke Jacken, Schuhe, Schlafsäcke oder Hygieneartikel würden dringend gebraucht, heißt es auf der Internetseite des Vereins. In Müden im Landkreis Celle hat die Dorfgemeinschaft Geld für Kleidung und Essen gesammelt. Lüneburg hat im Rathaus eine Telefon-Hotline eingerichtet, bei der sich Helfer und Spender melden können. In Uelzen und im Landkreis Lüchow-Dannenberg haben sich private Initiativen für Hilfstransporte gegründet.

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Große Resonanz auf Spendenaufruf in Melle

In Melle-Gesmold (Landkreis Osnabrück) hat eine Spedition per Video-Aufruf um Sachspenden gebeten. Die Reaktion war nach Angaben der Organisatoren überwältigend. Es seien so viele Menschen mit Wagen voller Hilfsgüter gekommen, dass sich ein langer Rückstau vom Firmengelände bis zur Autobahn gebildet habe. Ein Hilfskonvoi mit vier Lastwagen bringt die Sachen nun nach Polen, wo sie an Bedürftige weiterverteilt werden.

Engagement im Raum Osnabrück ist groß

Auch sonst ist die Hilfsbereitschaft im Raum Osnabrück groß. Wie der NDR Niedersachsen berichtet, werden privat immer mehr Aktionen organisiert, um den Menschen vor Ort in den Grenzregionen kurzfristig und unkompliziert zu helfen. Heinz Bertram möchte beispielsweise mit der Initiative "Bohmte hilft" einen Lkw mit dem Malteser Hilfsdienst in die Ukraine schicken. Im Minutentakt klingele sein Telefon, berichtet Bertram. In den Ortschaften Steinfeld, Melle, Damme oder Georgsmarienhütte rufen private Gruppen und Firmen über die sozialen Medien zu Sachspenden auf.

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Viele Spenden auch aus Gifhorn

Der in Braunschweig tätige Verein "Freie Ukraine" sammelt ebenfalls Hilfsgüter, täglich gehen laut der Verantwortlichen Hunderte Hilfsangebote ein. Ähnliches geschieht derzeit auch in Wolfsburg, Helmstedt und Wolfenbüttel. Auch in Gifhorn ist die Spenden- und Hilfsbereitschaft groß. Neben privat organisierten Spenden und Hilfstransporten will auch die Stadt Gifhorn einen Hilfstransport in die Ukraine schicken. Der soll in den kommenden Tagen direkt in die Partnerstadt Korssun aufbrechen, so Mit-Organisator Martin Wrasmann von der St. Alfrid-Kirchen-Gemeinde. Zudem seien 20.000 Euro Spendengeld für Gifhorns Partnerstadt zusammengekommen und überwiesen worden.

Autowerkstatt aus Braunschweig bringt Hilfstransport auf den Weg

In Salzgitter hat nach Informationen des NDR Niedersachsen ein Mann Hilfsgüter mit seinem Privatauto an die Grenze zur Ukraine gefahren. Das Rote Kreuz im Landkreis Wolfenbüttel hat in kurzer Zeit Hilfsgüter auf den Lkw eines Landwirts geladen: Stangenzelte, Feuerlöscher, Stiefel, Erst-Hilfe-Material, alles aus DRK-Beständen. Eine Autowerkstatt aus Braunschweig bringt zwei Lastwagen mit Hilfsgütern auf den Weg. Zudem sind in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Friedland und in Braunschweig ersten geflüchteten Frauen und Kinder aus der Ukraine angekommen. Die Städte und Landkreise suchen derzeit nach Einzelunterkünften für Geflüchtete, darunter der Landkreis Goslar und die Stadt Peine. Sammelunterkünfte sollen vermieden werden.

Hannover 96 sammelt vor dem Pokalspiel Hilfsgüter

Fußball-Zweitligist Hannover 96 hatte vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale gegen RB Leipzig eine Spenden- und Hilfsaktion für Kriegsflüchtlinge im ukrainisch-polnischen Grenzgebiet organisiert. Kurz vor dem Anpfiff waren so viele Spenden zusammengekommen, dass zwei Busse gefüllt werden konnten. Noch am späten Abend fuhren sie in das Erstaufnahmelager der Stadt Tomaszow Lubelskie in der Nähe der polnisch-ukrainischen Grenze.

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Wer den Menschen in der Ukraine helfen möchte, kann dies auch über die Spendenkonten der von der ARD unterstützten Initiativen "Bündnis Entwicklung Hilft" und "Aktion Deutschland Hilft" tun. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat vor wenigen Tagen eine Übersicht über Initiativen sowie Tipps für sicheres Spenden veröffentlicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 08.03.2022 | 06:30 Uhr

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