Stand: 18.10.2018 19:00 Uhr

Missbrauch: Havliza lädt Bistümer zum Gespräch

Die Missbrauchsstudie der katholischen Bistümer zu Fällen sexualisierter Gewalt beschäftigt die Politik. In Niedersachsen hat Justizministerin Barbara Hazliva (CDU) Vertreter der Bistümer Hildesheim, Osnabrück und Vechta eingeladen. Bei diesem runden Tisch soll es noch im November um eine mögliche Akteneinsicht in die Kirchenarchive sowie eine verbesserte Zusammenarbeit der Kirche mit den Staatsanwaltschaften gehen. Derzeit ermittelt in Niedersachsen keine einzige Staatsanwaltschaft auf Basis der Kirchenstudie. Wie ein Ministeriumssprecher dem NDR sagte, sind die öffentlich zugänglichen Inhalte der Studie juristisch zu unkronkret. Ein konkreter Anfangsverdacht sei im Augenblick nicht zu erkennen.

Ministerin fordert Kooperation der Kirche

Justizministerin Havliza möchte nun mit Kirchenvertretern klären, ob und wie diese den Staatsanwaltschaften Zugang zu den Kirchenarchiven gewähren könnten. Die Missbrauchsstudie in der vorliegenden Form nenne keine Namen oder weitere Daten und liefere "keine ausreichenden Anhaltspunkte, die die Staatsanwaltschaften dazu bringen könnten, von sich aus zu ermitteln", sagte Havliza am Donnerstag dem NDR. Die Ministerin selbst könne strafrechtliche Ermittlungen nicht anweisen, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Havliza hatte bereits Anfang Oktober auf weitere Aufklärung gedrängt und die Bistümer aufgefordert, mit den Staatsanwaltschaften zu kooperieren. "Jetzt müsste man klären, wie eine solche Zusammenarbeit technisch aussehen kann", so Havliza. Sie hoffe, dass die Bistümer von sich aus den Staatsanwaltschaften die betreffenden Unterlagen für weitere Ermittlungen zu Verfügung stellen.

Autoren hatten keinen Zugang zu Archiven

Zwischen 1946 und 2014 sollen insgesamt 1.670 katholische Geistliche 3.677 meist männliche Minderjährige sexuell missbraucht haben. Das ist das Ergebnis einer von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Studie. Teilen der katholischen Kirche wurde wiederholt mangelnder Aufklärungswille vorgeworfen. So sei den Autoren der Studie kein Zugang zu Originaldokumenten in den Kirchenarchiven eingeräumt worden.

Weitere Informationen

Missbrauchsskandal: Havliza will Akteneinsicht

Niedersachsens Justizministerin Havliza fordert von den Bistümern Einblick in die Unterlagen: Die kircheneigene Studie liefere zu wenig konkrete Hinweise für die Staatsanwälte. (05.10.2018) mehr

Missbrauch: Wilmer nennt Vertuschung "Katastrophe"

Der neue Bischof von Hildesheim, Heiner Wilmer, will externe Berater hinzuziehen, um Missbrauchsfälle im Bistum aufzuklären. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen einen seiner Vorgänger. (18.10.2018) mehr

Missbrauchsstudie: Kein Recht auf Vergessen

Die vorgelegte Missbrauchsstudie der katholischen Kirche macht zornig. Weitere Untersuchungen müssen folgen, findet NDR Kultur Redakteur Florian Breitmeier in seinem Kommentar. (26.09.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.10.2018 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

05:40
Hallo Niedersachsen

Ist Rechtsprechung gerecht?

11.11.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen