Kosten für Plätze in Pflegeheimen steigen deutlich an

Stand: 27.06.2022 11:58 Uhr

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen warnt Pflegeheim-Bewohnende und deren Angehörige vor erheblich höheren Entgelten ab Herbst. Es drohe die "Armutsfalle".

"Es ist so, dass die gestiegenen Energiepreise und die Inflation alle Heime treffen", erklärt SoVD-Expertin Katharina Lorenz. Zusätzlich müssten die Betreiber von Pflegeeinrichtungen weitere Personalkosten abfangen - denn ab 1. September müssen Arbeitskräfte entsprechend Pflegereform nach Tarif bezahlt werden. Die Kosten dürfen Verbraucherschützern zufolge eins zu eins an die Bewohnerinnen und Bewohner beziehungsweise ihre Familien weitergegeben werden.

Wolfenbütteler Heim: Platz für 2.300 statt 1.200 Euro monatlich

Wie drastisch dieser Anstieg ausfallen kann, zeigt ein Beispiel aus Wolfenbüttel: Dort hebt ein Pflegeheim die Entgelte um fast 90 Prozent an. Für Ralf Schäfer, dessen Mutter und Vater seit zwei Jahren in der Einrichtung leben, bedeutet das künftig Kosten von monatlich 2.300 Euro pro Elternteil - gegenüber jeweils 1.200 Euro bislang. "Das war ein Schock", sagte Schäfer dem NDR in Niedersachsen.

Gravierende Erhöhungen wohl eher in bisher "günstigen" Heimen

Massive Entgelt-Steigerungen sind laut Verbraucherzentrale besonders in den Einrichtungen zu erwarten, die bislang eher niedrige Preise hatten. Angesichts der Ausgaben könne eine Erhöhung unter Umständen sogar angemessen sein, sagt Pflegerechtsexpertin Verena Querling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Willkürlich festlegen könnten Betreiber die Entgelte aber nicht: Pflegekassen und Sozialhilfe-Träger prüfen demnach die Kalkulation und müssen zustimmen. "Es kommt oft vor, dass es so ausgeworfen wird, wie der Anbieter das eingepreist hat bei seinen Bewohnern, das ist schon nicht ganz unrealistisch."

Hilfe vom Sozialamt gefragt, wenn Erspartes verbraucht ist

Für Betroffene wie Ralf Schäfer und seine Eltern können die Kosten finanziell bedrohlich werden. Die Ersparnisse der Eltern dürften demnach in vier bis fünf Monaten verbraucht sein. "Dann werden wir ein Fall fürs Sozialamt sein", sagt Schäfer. Die Behörde sei bereits benachrichtigt worden. Der SoVD geht davon aus, dass sich immer weniger Menschen einen Platz im Heim leisten können.

SoVD will Kostenübernahme durch Pflegekassen

Hier müsse der Gesetzgeber tätig werden, sagt Expertin Katharina Lorenz. "Wir fordern, dass sämtliche Kosten im Heim von den Pflegekassen übernommen, also eine Vollversicherung und nicht nur eine Teilversicherung", so Lorenz. Die Unterbringung in einem Heim dürfe keine "Armutsfalle" mehr sein.

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Regional Braunschweig | 27.06.2022 | 15:00 Uhr

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