VIDEO: Corona-Software SORMAS erspart Gesundheitsämtern Arbeit (3 Min)

Kontaktverfolgung mit neuer Software: Viele Kommunen zögern

Stand: 18.02.2021 07:45 Uhr

Bis März sollen die Gesundheitsämter nach dem Willen des Bundes zum Kontaktpersonen-Management das Programm SORMAS nutzen. Etliche Landkreise in Niedersachsen sind aber noch skeptisch.

Lediglich 19 von 43 Gesundheitsämtern haben die kostenlose Software bisher installiert, sagte Entwickler und Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Institut in Braunschweig. Auch eine Nachfrage des NDR ergab, dass zahlreiche Landkreise nach wie vor mit dem alten Programm Mikado arbeiten. "In der Pandemie ein neues Programm einzuführen, ist relativ schwierig", sagte der Leiter des Göttinger Gesundheitsamtes, Eckhardt Mayr. "Jetzt noch umzuschwenken, das bremst Prozesse und die Kontaktnachverfolgungen. Das müssen wir uns gut überlegen." Ähnlich argumentiert auch der Landkreis Stade. Man habe derzeit weder Personal noch zeitliche Kapazitäten, um Daten in das SORMAS-Verfahren zu überführen, heißt es von dort. Im Landkreis Osnabrück hat die Behörde noch nicht entschieden, ob sie umsteigt.

Software in Braunschweig entwickelt

Ziel der Einführung von SORMAS ist es, die Datenverwaltung und den Datenaustausch zur Corona-Pandemie bundesweit kompatibel und einfacher zu machen. Die Software, die vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung entwickelt wurde, soll den Gesundheitsämtern unter anderem helfen, die Kontakte von Corona-Infizierten besser zu erfassen.

Skepsis auch in Uelzen, Lüchow und Verden

Eine Sprecherin des Landkreises Lüchow-Dannenberg sagte, dass ein Umstieg der Gesundheitsämter Uelzen-Lüchow-Dannenberg auf SORMAS aktuell nicht geplant sei. Zum einen, weil man erfolgreich mit der Software Mikado arbeite, die auch mit dem Landesgesundheitsamt kompatibel sei. Zum anderen, weil die Pandemie die Verwaltung vor große personelle Herausforderungen stelle. Auch der Landkreis Uelzen bestätigte, dass sich Mikado in der Praxis bewährt habe. Das Gesundheitsamt des Landkreises Verden arbeitet ebenfalls mit der alternativen Software. Die Vorteile von SORMAS ließen sich nur nutzen, wenn fast alle Landkreise auf dieses Programm zurückgriffen, teilten die Verantwortlichen mit. Bisher sei die Zahl aber sehr überschaubar.

Landkreis Rotenburg mit SORMAS zufrieden

Der Landkreis Rotenburg dagegen hat die Umstellung zu SORMAS gewagt: Hier wird die neue Software bereits seit November genutzt. Nach zwei Wochen hätten sich alle betroffenen Mitarbeitenden des Gesundheitsamtes in das System eingefunden, sagte ein Sprecher. Man stünde nach wie vor in engem Austausch mit den Entwicklern und sei insgesamt zufrieden. Im Landkreis Emsland wird SORMAS bereits seit Mai vergangenen Jahres genutzt. Trotz mancher Nachteile habe das Programm vor allem einen Vorteil: Es erkennt, in welchem Verhältnis einzelne Infizierte zueinander stehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.02.2021 | 08:00 Uhr

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