Stand: 26.06.2020 18:53 Uhr

Klöckner fordert höhere Preise für Fleisch

Julia Klöckner, Bundesernährungsministerin, spricht während einer Pressekonferenz neben Ursula Heinen-Esser, Landwirtschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, und Barbara Otte-Kinast, Landwirtschaftsministerin von Niedersachsen. © dpa Foto: Federico Gambarini
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (M.) und ihre Amtskolleginnen aus Niedersachsen und NRW, Barbara Otte-Kinast (l.) und Ursula Heinen Esser (r.), wollen Veränderungen in der Fleischbranche.

"Wir brauchen bessere Preise für Fleisch." Das hat Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Freitag nach dem "Branchengespräch Fleisch" in Düsseldorf gesagt. An dem Treffen mit Klöckner und den beiden CDU-Landwirtschaftsministerinnen Barbara Otte-Kinast aus Niedersachsen und Ursula Heinen-Esser aus Nordrhein-Westfalen nahmen Vertreter von Tierhaltern, Schlachtbranche, Handel, Tier- und Verbraucherschützer teil. "Der Preis bei Fleisch und Wurst gibt nicht den wahren Wert wieder", sagte Klöckner. Wenn der Handel aber beim Einkauf für 100 Gramm Hähnchenfleisch nur 17 Cent zahle, dann könne da "kein Tierwohl und kein Menschenwohl drinstecken", sagte Klöckner. Sie wolle prüfen, ob Werbung mit billigen Fleischpreisen verboten werden kann.

VIDEO: "Fleischgipfel": Wie kann sich die Branche ändern? (4 Min)

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Barbara Otte-Kinast © dpa-picture alliance Foto: Peter Steffen, dpa

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Werden Lockangebote für Fleisch verboten?

Bei dem Preiswerbeverbot gehe es darum, Lockangebote für Fleisch aus ethischen Gründen zu untersagen, so Klöckner. Mehr Tierwohl sei nur möglich, wenn die Bereitschaft der Verbraucher steige, mehr für Fleisch zu bezahlen. Außerdem sprach sich Klöckner erneut für eine Tierwohlabgabe für Fleisch und Wurst aus. Sie schlug dazu einen Aufpreis von 40 Cent je Kilogramm Fleisch im Handel vor. Das Geld solle in einen Fonds fließen, aus dem Landwirte Geld etwa für einen tierschutzgerechten Umbau der Ställe erhalten könnten. Ähnliches hatte Otte-Kinast bereits Anfang des Jahres vorgeschlagen, ebenso wie der Tierschutzbund und eine Expertenkommission des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Tierschutzbund kritisiert fehlendes Ergebnis

Von den Ergebnissen des "Branchengesprächs" zeigte sich der Deutsche Tierschutzbund enttäuscht. "Es wurde geredet, es wurde sich ausgetauscht. Aber konkret wurde es nicht", kritisierte der Präsident des Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Er forderte ein klares und schärferes Ordnungsrecht, einen starken Vollzug und eine durchgreifende Kontrolle.

Niedersachsen und NRW legen Zehn-Punkte-Plan vor

Gegen die Missstände im Arbeits- und Gesundheitsschutz legten Niedersachsen und NRW gemeinsam einen Zehn-Punkte-Plan vor. Unter anderem fordern sie ein Verbot von Werkverträgen und Subunternehmerstrukturen, eine Erfassung der Arbeitszeiten, bessere Hygienestandards, menschenwürdige Unterbringung, schärfere und häufigere Kontrollen und deutlich höhere Bußgelder bei Verstößen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sagte, ein Systemwechsel in der Branche sei überfällig. Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast forderte "konkrete rechtliche Vorgaben und klare Rahmenbedingungen".

Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen

Der Druck auf die Fleischbranche war zuletzt wegen teils massiver Corona-Ausbrüche in einigen Schlacht- und Zerlegebetrieben gewachsen. Bei Tönnies im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück hatten sich rund 1.500 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert, woraufhin in den Kreisen Gütersloh und Warendorf Corona-Regeln wieder verschärft wurden. Der Landkreis Oldenburg hat am Freitag den Puten-Schlachthof Geestland in Wildeshausen für zwei Wochen geschlossen, nachdem dort 45 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Die Corona-Krise sei wie ein Brennglas für das, was falsch laufe, sagte Klöckner. Bei dem Treffen in Düsseldorf sei es aber nicht um Tönnies, sondern um eine generelle System-Frage gegangen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.06.2020 | 18:00 Uhr

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