Eine Intensivpflegerin versorgt auf der Intensivstation am Klinikum Braunschweig einen an Covid-19 erkrankten Patienten. © picture alliance/dpa Foto: picture alliance/dpa | Ole Spata

Inflation und Energiepreise: Kliniken von Insolvenz bedroht

Stand: 23.10.2022 09:19 Uhr

Laut einer Umfrage können 96 Prozent der Krankenhäuser ihre Kosten nicht mehr aus den laufenden Einnahmen bezahlen. Es gebe kaum Möglichkeiten, Energie zu sparen, warnt die Krankenhausgesellschaft.

Wegen der extrem hohen Energiepreise sind einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts zufolge bundesweit vier von zehn Krankenhäuser von der Insolvenz bedroht. Es sei zu befürchten, dass das auch für Niedersachsen gelte, sagte eine Sprecherin der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft in Hannover. Auch andere Kosten stiegen demnach enorm. "Dies führt zu einer bereits heute sehr angespannten Liquiditätslage und einer massiv erhöhten Insolvenzgefahr spätestens im Jahr 2023", sagte die Sprecherin.

Corona belastet Kliniken nach wie vor

Aktuell gebe es zwar noch keine Informationen, dass niedersächsische Krankenhäuser aufgrund der Inflation oder der Energiekrise Leistungen einschränken oder Stationen schließen müssten. Aber nach wie vor belasteten die Folgen der Corona-Pandemie die Kliniken. Die Häuser treffe die Explosion der Energiepreise zusätzlich. Krankenhäuser hätten keine Möglichkeit, Kostensteigerungen durch Preisanhebungen auszugleichen.

Videos
Ein Mann bedient einen Display an einem Heizkessel. © Screenshot
3 Min

Energiesparen: Meller Klinik dreht die Heizung runter

Auf den Fluren sind es 15, in den Büros 19 Grad. Für das kommende Jahr werden dennoch 450.000 Euro Mehrkosten für Energie erwartet. (20.10.2022) 3 Min

Sprecherin: Kliniken können nicht ohne Weiteres Energie sparen

96 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland können die gestiegenen Kosten nicht mehr aus den laufenden Einnahmen bezahlen, wie die Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts ergab. Im Unterschied zu Privathaushalten könnten Kliniken nicht ohne weiteres Energie einsparen, sagte die Sprecherin der Krankenhausgesellschaft. Aufgrund des jahrelangen Kostendrucks gebe es auch immer weniger Möglichkeiten, zu sparen. Dennoch versuchten die Krankenhäuser in Niedersachsen, den Energieverbrauch zu senken, allerdings in Bereichen ohne Patienten.

Inflationsausgleich gefordert

Bislang gebe es keine Entlastungspakete, die auch die Krankenhäuser erreichten. Von den aktuell geplanten Maßnahmen der Bundesregierung könnten Krankenhäuser nur minimal bis gar nicht profitieren, sagte die Sprecherin der Krankenhausgesellschaft. "Die Krankenhäuser brauchen sofort einen wirksamen Inflationsausgleich, der dafür sorgt, dass sie ihre Rechnungen sowie Löhne und Gehälter weiterhin zahlen können." Die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) hatte bei ihrer jüngsten Sitzung in Hannover den Bund aufgefordert, schnellstmöglich auch einen Hilfsfonds für Kliniken und andere soziale Dienstleister aufzulegen.

Weitere Informationen
Hendrik Wüst (li, CDU) und Stephan Weil (SPD) sprechen auf der Pressekonferenz nach der Ministerpäsidentenkonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Michael Matthey

Nach MPK: Länderchefs fordern Gaspreisdeckel ab Januar

Zum Abschluss der Ministerpräsidentenkonferenz in Hannover zieht Niedersachsens Landeschef Stephan Weil (SPD) Bilanz. (21.10.2022) mehr

Eine Person schiebt ein Krankenhausbett über einen Flur © Colourbox Foto: Syda Productions

Kliniken in Lüneburg geraten in finanzielle Not

Sie erwarten ein Defizit von 25 Millionen Euro. Die Gesundheitsholding Lüneburg fordert Hilfe von Land und Bund. (21.10.2022) mehr

Drei Ärzte gehen einen Flur im Krankenhaus entlang © panthermedia Foto: Kzenon

Niedersachsen: Corona-Belastung in Kliniken steigt

Wegen krankheitsbedingter Personalausfälle und immer mehr Corona-Patienten mussten bereits Operationen verschoben werden. (17.10.2022) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.10.2022 | 08:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Energiekrise

Gesundheitspolitik

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Der Fraktionsvorsitzende der AfD Niedersachsen, Klaus Wichmann im Interview mit Martina Thorausch, NDR Landespolitik. © NDR Foto: Alexandra Prelle

NDR Sommerinterview: Wichmann will CDU bis 2027 "halbieren"

Der AfD-Landesfraktionschef spricht außerdem über die Schul- und Wirtschaftspolitik und AfD-Mann Björn Höcke. mehr