Auf der Warnweste einer Demonstrantin steht "#Mietenwahnsinn". © dpa picture alliance Foto: Paul Zinka

Geringverdiener müssen immer mehr für Wohnraum zahlen

Stand: 27.01.2021 15:04 Uhr

In den großen niedersächsischen Städten sowie in Bremen wird der Wohnraum für Geringverdiener immer knapper und teurer. Das hat eine Analyse des Pestel Instituts ergeben.

Die Mieten für einfache Wohnungen seien zwischen 2014 und 2020 vier bis fünf Mal so stark gestiegen wie die Lebenshaltungskosten, teilte das Institut am Mittwoch in Hannover mit. Während die Verbraucherpreise um 6,5 Prozent zugelegt hätten, seien die vom Jobcenter übernommenen Mieten für Single-Haushalte um 25 bis 30 Prozent gestiegen, hieß es. Am größten war der Zuwachs in Oldenburg mit 30,2 Prozent. In Göttingen waren es demnach 25,2, in Osnabrück 26,3, in Hannover 26,7, in Braunschweig 27,1 Prozent und  in Bremen 27,9 Prozent.

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Vermieter maximieren Einnahmen

Das Angebot an günstigen Wohnungen sei rar, erläuterte der Leiter des Pestel Instituts, Matthias Günther. Viele Vermieter würden insbesondere Neuvermietungen nutzen, um maximale Einnahmen zu erzielen. Zugleich arbeite ein Viertel der Beschäftigten bundesweit im Niedriglohnsektor. "Der Staat agiert inzwischen mangels eigener Wohnungen als Mietentreiber, weil er Mieten akzeptieren muss, bei denen viele Vermieter offensichtlich die Schmerzgrenze ausreizen", so Günther.

Initiative kämpft für sozialen Wohnungsbau

Um dem Problem entgegenzuwirken, hat die Landesarmutskonferenz im Dezember zusammen mit dem DGB Niedersachsen und der Stiftung "Ein Zuhause" im Dezember die Aktion "Wohnen für alle - Initiative für einen Pakt gegen Wohnungslosigkeit" ins Leben gerufen. Die Initiative macht sich für den sozialen Wohnungsbau stark - mit dem Ziel, dass der Bestand an Sozialwohnungen in Niedersachsen dauerhaft um 100.000 Wohneinheiten angehoben wird. Zudem wirbt sie für eine landeseigene Wohnungsgesellschaft, die bis 2030 mindestens 40.000 Wohnungen schaffen solle.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 27.01.2021 | 15:00 Uhr

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