Stand: 28.11.2019 21:46 Uhr

Fußballfoul: Hobbykicker muss 4.800 Euro zahlen

Für ein Foul in einem Fußballspiel in der vierten Kreisklasse hat das Landgericht Hannover am Donnerstag einen 25-jährigen Amateurkicker zu einer Geldstrafe von 4.800 Euro verurteilt. Der Fußballer hatte einem Gegenspieler bei einem Foul Waden- und Schienbein gebrochen. Das Landgericht wertete die Attacke als gefährliche Körperverletzung in einem minderschweren Fall und verurteilte den Mann zu 120 Tagessätzen je 40 Euro. Er ist damit vorbestraft. Zuvor hatte bereits das Amtsgericht den Angeklagten in erster Instanz im Mai wegen gefährlicher Körperverletzung im minderschweren Fall zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 15 Euro, also insgesamt 1.350 Euro, verurteilt.

VIDEO: Urteil im Fall eines groben Fußball-Fouls (4 Min)

"Das muss man erstmal schaffen"

"Das Urteil bedeutet aber nicht, dass jetzt jedes Foul in der Kreisklasse als gefährliche Körperverletzung verurteilt wird", sagte ein Gerichtssprecher. Es sei ausdrücklich eine Einzelfallentscheidung gewesen. Zum einen sei das Foul ungewöhnlich brutal gewesen - von hinten mit ausgestrecktem Bein ohne realistische Möglichkeit, den Ball zu treffen. Zum anderen seien die Verletzungen des Gegenspielers ungewöhnlich schwer. "Waden- und Schienbein mit einer Grätsche brechen, das muss man erstmal schaffen", sagte der Sprecher.

Ein Foul, als das Spiel schon entschieden war

Das brutale Foul ereignete sich am 25. November 2018. In der 80. Minute, die Heim-Mannschaft SC Elite II liegt deutlich mit 1:5 zurück. Die Gäste der 2. Mannschaft des FC Can Mozaik spielen einen erneuten Angriff, er könnte ihren Vorsprung noch einmal erhöhen. Anschließend grätscht der damals 24-jährige SC-Elite-Spieler dem Angreifer der Gäste Höhe der Mittellinie seitlich versetzt von hinten in die Beine. Er erwischt ihn mit gestrecktem Bein und offener Sohle am Unterschenkel des Standbeins. Das linke Waden- und Schienbein bricht, es folgen Operationen und acht Wochen Arbeitsunfähigkeit.

Verletzung billigend in Kauf genommen?

Ein Fußballplatz sei kein rechtsfreier Raum, hatte der Richter sein Urteil im Mai begründet. Er war zu dem Schluss gekommen, dass der Angeklagte frustriert gewesen sei und bei der Grätsche eine schwere Verletzung billigend in Kauf genommen habe. Der Verteidiger des Angeklagten sieht das anders und fordert auch in zweiter Instanz einen Freispruch, weil sein Mandant das unstrittige und bedauerliche Foul nicht mit Absicht begangen habe. "Es war eine ganz normale Grätsche. Das passiert hundertmal am Wochenende", so der Anwalt. Der Anwalt hatte vor einer Verurteilung seines Mandanten gewarnt: "Jeder Staatsanwalt, der die Sportschau guckt und ein gestrecktes Bein im Foulspiel sieht, müsste ein Ermittlungsverfahren eröffnen."

Wo war der Ball?

Zur Klärung stand im aktuellen Verfahren auch die Frage, wie weit der Ball vom Geschädigten entfernt war. Hatte der Angeklagte noch die Chance, an den Ball gelangen? Der damals 17-jährige Schiedsrichter sprach bei seiner Aussage vor Gericht zwar vom schlimmsten Foul, dass er in seiner jungen Laufbahn gesehen hätte. Doch er sagte auch, dass der Angeklagte durchaus die Chance gehabt habe, den Ball zu spielen.

Richterin wollte Verfahren einstellen

Ursprünglich wollte die Richterin am Landgericht das Verfahren Anfang November gegen Geldauflagen einstellen, doch darauf ließ sich die Staatsanwaltschaft nicht ein. Diese hatte - wie der Angeklagte - Berufung gegen das Urteil aus dem Mai eingelegt. Allerdings weil sie damals schon sechs Monate auf Bewährung und 5.000 Euro Geldstrafe forderte.

Weitere Informationen
Im Amtsgericht Hannover steht ein Mann vor dem Richter. © NDR

Schweres Fußballer-Foul erneut vor Gericht

Das Landgericht Hannover beschäftigt sich in zweiter Instanz mit einem Foul aus der Fußball-Kreisklasse. Ein 24-Jähriger hatte seinen Gegner mit einer Grätsche schwer verletzt. (07.11.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 28.11.2019 | 19:30 Uhr

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