Stand: 26.03.2020 20:20 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Erntehelfer: Einreisestopp sorgt für Ratlosigkeit

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Bei der Spargelernte sind die Betriebe auf ausländische Erntehelfer angewiesen. (Archivbild)

Zu Beginn der Spargelsaison hat die niedersächsischen Landwirte eine Hiobsbotschaft erreicht. Wegen der Corona-Krise dürfen nach einem Beschluss des Bundesinnenministeriums seit Mittwochabend keine ausländischen Saisonarbeiter und Erntehelfer mehr nach Deutschland einreisen. Die Entscheidung stellt die betroffenen Bauern vor massive Schwierigkeiten.

Otte-Kinast spricht von dramatischer Situation

"Das Einreiseverbot für Saisonarbeitskräfte ist ein ganz bitterer Schritt und knallhart für die landwirtschaftlichen Betriebe", sagte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) im Interview auf NDR Info. Die Nachricht habe die Betriebe bis ins Mark getroffen. Dass nun Arbeitskräfte fehlen, sei dramatisch. Laut Otte-Kinast braucht Niedersachsen aktuell rund 40.000 Saisonarbeiter. "Das geht jetzt los und steigert sich noch mal bis Mai. Ich hoffe, dass bis dahin eine Entspannung kommt, denn da werden die meisten gebraucht." Als vorübergehenden Ersatz schlug Otte-Kinast Rentner und Vorruheständler als Erntehelfer vor.

Landvolk warnt vor Folgen

"Durch das Einreiseverbot geraten aktuell die Pflanzung von Gemüsekulturen sowie die Spargelernte massiv in Gefahr", heißt es in einer Stellungnahme von Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke aus Bad Iburg (Landkreis Osnabrück). Der kurzfristige Ausfall eingearbeiteter Helfer lasse sich nicht ohne Folgen ausgleichen. Der Deutsche Bauernverband fordert deshalb, das Einreiseverbot für Saisonarbeiter so kurz wie möglich zu halten. Die Betriebe, die auch Teil der kritischen Infrastruktur seien, bräuchten dringend Arbeitskräfte, hieß es. Nach Angaben des Verbands sind jährlich rund 300.000 Erntehelfer in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt, die meisten davon kommen aus Osteuropa.

Studenten sollen aushelfen

Auch im Nordosten Niedersachsens bereitet der Einreisestopp massive Probleme. "Ich weiß nicht, wie das gehen soll", sagte Hans-Heinrich Biermann NDR 1 Niedersachsen. Der Landwirt aus Oerzen im Landkreis Lüneburg wollte eigentlich in anderthalb Wochen den ersten Spargel stechen. Möglicherweise muss er dafür nun auf deutsche Arbeitskräfte zurückgreifen. Erste interessierte Studenten würden sich am Freitag vorstellen, so Biermann. Das Landvolk begrüßt diese Solidarität. Die erfahrene Arbeit der ausländischen Saisonkräfte werde aber kaum eins zu eins durch völlig neue Aushilfen zu bewältigen sein, sagte ein Sprecher.

Existenz von Betrieben bedroht

Spargelbauer Peter Soltau aus Eicklingen im Landkreis Celle erntet bereits seit einer Woche. Bei ihm sind einige erfahrene polnische Erntehelfer auf den Feldern im Einsatz. Das reiche aber nicht, beklagte er. Die Hauptsaison habe schließlich noch nicht begonnen. Dafür brauche er noch viel mehr Arbeitskräfte. Wenn der Einreisestopp länger dauere, stünden viele Betriebe auf der Kippe, so Soltau.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.03.2020 | 10:00 Uhr

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