Stand: 25.11.2018 19:37 Uhr

Ditib-Vorstand tritt überraschend zurück

von Marie-Caroline Chlebosch und Angelika Henkel

Beim Islamverband Ditib ist der gesamte Landesvorstand für Niedersachsen und Bremen zurückgetreten. Nach NDR Informationen erklärte am Sonntag nicht nur der Vorsitzende, Yilmaz Kilic, seinen Rückzug, sondern mit ihm die gesamte Führungsspitze. Dieser Schritt könnte weitreichende Konsequenzen für die weitere Zusammenarbeit mit politischen Partnern auf Landesebene haben. "Ich empfinde seinen Rückzug als echten Rückschlag für die bisherigen Bemühungen", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) dem NDR. Kilic sei für die Landesregierung "ein enger, seriöser Gesprächspartner" gewesen, so Weil. Der Verband wählte einen neuen Vorstand unter Führung von Ali Ihsan Ünlü. Er habe den Verband bereits zwischen 2008 und 2011 geleitet, sagte die Landesgeschäftsführerin Emine Oguz. Die genaue Aufgabenverteilung in dem sieben Mitglieder zählenden Gremium solle in der kommenden Woche festgelegt werden.

Yilmaz Kilic, Vorsitzender des niedersächsichen Islamverbands Ditib.

Spitze von Ditib-Landesverband zurückgetreten

Hallo Niedersachsen -

Die Spitze des Ditib-Landesverbands ist überraschend zurückgetreten. Die Begründung: Man habe Reformen nicht gegen den Bundesverband in Köln durchsetzen können.

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Vertrauen zum Ditib-Bundesverband "nachhaltig gestört"

Kommentar

Kommentar: "Ein Rückschritt für den Dialog"

Durch den Rücktritt des Ditib-Vorsitzenden Kilic sind wichtige Projekte mit dem Land gefährdet, meint NDR Redakteurin Angelika Henkel. Die Muslime rückten weiter ins politische Abseits. mehr

Kilic hatte seinen Rückzug damit begründet, dass alle Versuche, mehr Offenheit zu schaffen und Strukturen innerhalb des Bundesverbandes zu verändern, gescheitert seien. Er sagte der NDR Sendung Hallo Niedersachsen: "In den letzten Jahren ist da nicht viel passiert. Im Gegenteil, man schottet sich ab." Das Vertrauen zum Bundesverband in Köln sei nachhaltig gestört, weil türkische Botschaftsvertreter versucht hätten, direkten Einfluss auf die Vorstandsarbeit in Niedersachsen zu nehmen: "Ich sehe hier keinen Weg, weiter zu kämpfen. Wenn Sie dann noch zu hören bekommen: 'Sie können ja zurücktreten', dann tun wir das auch."

Weil: Weitere Zusammenarbeit muss überprüft werden

Der Ditib-Zentralverband in Köln hat eine Anfrage zum Rücktritt des Vorstandes und der Kritik des Vorsitzenden bislang unbeantwortet gelassen. Ministerpräsident Weil sagte, es sei zu befürchten, dass der niedersächsische Landesverband "auf Linie gebracht" worden sei: "Die weitere Zusammenarbeit wird nun zu überprüfen sein", so Weil. Ditib war in den vergangenen Monaten aufgrund seiner Nähe zur Türkei und der Einflussnahme durch die türkische Religionsbehörde Diyanet immer wieder in die Kritik geraten - zuletzt beim Besuch des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, als er in Köln die Ditib Zentral-Moschee einweihte.

Bislang kein Islamvertrag in Niedersachsen

Ditib und zwei weitere Islam-Verbände wollen mit der niedersächsischen Landesregierung einen Staatsvertrag abschließen. Darin sollen Regelungen zum islamischen Religionsunterricht, zur Seelsorge in Krankenhäusern und Gefängnissen sowie zum Moscheebau und Bestattungswesen festgehalten werden.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 25.11.2018 | 19:30 Uhr

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