Fallschirmjäger aus Seedorf laufen während einer Übung zu einem Militärflugzeug. © picture alliance/dpa/Bernd Wüstneck Foto: Bernd Wüstneck

Bundeswehr-Sondervermögen: Niedersachsen hofft auf Geldsegen

Stand: 30.05.2022 13:15 Uhr

Die Bundeswehr soll Geld bekommen, um Ausstattungsdefizite auszugleichen. 100 Milliarden Euro sollen zur Verfügung gestellt werden. Auch die Bundeswehrstandorte in Niedersachsen könnten profitieren.

von Katharina Seiler

Der Bürgermeister von Munster im Heidekreis, Ulf-Marcus Grube (CDU), freut sich auf das zusätzliche Geld, das die Bundeswehr durch das Sondervermögen bekommen soll. Denn er ist sich sicher, dass auch der Bundeswehrstandort in Munster in der Lüneburger Heide profitieren werde - etwa durch zusätzliche Soldatinnen und Soldaten und deren Angehörige, die kommen könnten. Grube überlegt schon, wie er Kindergärten und Schulen erweitern könnte. Und in diesem Zuge könnte sich auch mehr Gewerbe ansiedeln, was wiederum höhere Steuereinnahmen zur Folge hätte.

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Verteidigungsexperte Otte sieht "Bedarf"

Auch der Verteidigungsexperte der Union, Henning Otte, geht davon aus, dass Bürgermeister Grube nicht vergeblich hofft. Denn Niedersachsen habe durchaus Kapazitäten für weitere Stationierungen, gerade im Raum Munster, Bergen und Celle. Otte, selbst Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Celle-Uelzen, könnte sich zum Beispiel ein neues Heimatschutzregiment vorstellen oder zusätzliche Versorgungseinheiten. Bedarf gebe es in jedem Fall, findet er. Denn wenn die Bundeswehr mehr Ausrüstung bekommen solle, brauche man auch mehr Personal, um das zu bedienen. Und das betreffe nicht nur die Landstreitkräfte, sondern auch die Marine. Denn die bekomme durch die anvisierten NATO-Beitritte von Schweden und Finnland für die Sicherung des Ostseeraums eine größere Rolle, sagt Otte.

Eine führende Rolle für Wilhelmshaven?

Das sieht Johannes Peters, Politikwissenschaftler am Institut für Sicherheitspolitik in Kiel, ähnlich. Die NATO erwarte, dass Deutschland die führende Rolle der Marine in der Ostsee übernehme, sagt Peters. Und größter deutscher Marinestandort ist nun einmal Wilhelmshaven, wichtig vor allem als Standort für die Fregatten und Einsatzgruppenversorger. Das würde dann auch Infrastrukturinvestitionen in Wilhelmshaven nach sich ziehen. Begrüßenswert wäre es auch, sagt Peters, wenn das Marinearsenal Wilhelmshaven einen weiteren Standort in Rostock bekäme. Es ist im Gespräch, dass der Bund einen Teil der insolventen MV-Werften kauft, damit die Marine das große Trockendock in Rostock nutzen könnte.

Zusätzliche Aufträge für Werften und Rheinmetall?

Auch norddeutsche Rüstungs- und Zulieferunternehmen rechnen durch das Sondervermögen mit zusätzlichen Aufträgen. So hoffen beispielsweise die norddeutschen Werften Lürssen und German Naval Yards zusammen mit zahlreichen Zulieferern unter anderem auf den Bau von fünf neuen Korvetten, weiteren Fregatten und mehreren Kampfbooten. Und Rheinmetall am niedersächsischen Standort Unterlüß (Landkreis Celle) könnte Panzer und Munition liefern. Die norddeutschen Ministerpräsidentinnen und -präsidenten jedenfalls haben bei ihrer Konferenz im April schon einmal den Anspruch auf Aufträge für ihre Unternehmen angemeldet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.05.2022 | 08:00 Uhr

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