Ein Frachtschiff auf dem Mittellandkanal. © NDR Foto: Julius Matuschik

Bundeswasserstraßen in Niedersachsen in schlechtem Zustand

Stand: 07.11.2020 08:18 Uhr

Viele Wasserwege in Niedersachsen sind in einem schlechten Zustand. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, die NDR 1 Niedersachsen vorliegt.

von Katharina Seiler

Wörtlich heißt es in dem Schreiben des Bundesverkehrsministeriums: "Demnach haben bei den in Niedersachsen liegenden Wasserstraßen nahezu alle Wehr- und Schleusenanlagen am Dortmund-Ems-Kanal und an der Mittelweser Schäden in Stahlbau und Konstruktion." Und auch am Küstenkanal, am Elbe-Seitenkanal und am Mittellandkanal wiesen die Schleusen Schäden in Stahlbau und Konstruktion auf, heißt es weiter. Ihren Zustand nennt das Bundesverkehrsministerium in seiner Antwort an die Bundestagsfraktion der Grünen "ausreichend bis nicht ausreichend". Die Folge: Aktuell behindern rund zwei Dutzend Reparatur- oder Baggerarbeiten auf den wichtigen niedersächsischen Kanälen sowie der Weser die Binnenschifffahrt, wie auf der Internetseite des Wasserstraßen-Informationsservice nachzulesen ist.

Der Masterplan Binnenschifffahrt soll helfen

Rund die Hälfte der fast 800 Verkehrswasserbauwerke in Niedersachsen wie Wehre, Schleusen, Kanalbrücken und Sperrwerke sind mehr als 50 Jahre alt. 150 von ihnen sind sogar älter als 100 Jahre, schreibt das Bundesverkehrsministerium. Der Investitionsbedarf ist hoch. Das hatte auch der Bund erkannt und deshalb den Masterplan Binnenschifffahrt ins Leben gerufen. Das Ziel: die Binnenschifffahrt sollte modernisiert werden, damit mehr Güter von der Straße auf dem Wasser transportiert werden. Denn nur so könne erreicht werden, dass in Deutschland weniger Kohlendioxid und weniger Feinstaub ausgestoßen wird, schrieb damals Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Immer weniger Güter auf den Binnenschiffen

Davon ist Deutschland allerdings weit entfernt. Denn laut der Verkehrsberichte der Generaldirektion Wasserstraßen sind die auf den Kanälen und Flüssen transportierten Gütertonnen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Wurden auf dem Mittellandkanal an der Schleuse Sülfeld bei Wolfsburg 2014 noch 10.893.773 Gütertonnen gezählt, verringerte sich die Zahl vier Jahre später auf 8.426.465 Tonnen.

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Fehlen für die Instandhaltung pro Jahr 200 Millionen Euro?

Auch der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) kritisiert die aus seiner Sicht zu geringen Investitionen in den Erhalt der Flüsse und Kanäle. Dort heißt es, in der aktuellen Haushaltsplanung fehlten pro Jahr 200 Millionen Euro, um Schleusen zu erneuern oder die Fahrrinnen zu vertiefen. Für Niedersachsen besonders wichtig seien unter anderem der Ausbau des Stichkanals Salzgitter und der Ersatzneubau zweier Schleusen, mehrere Fahrrinnenanpassungen auf der Weser sowie der Ausbau und Ersatzneubau zweier Schleusen auf dem Küstenkanal zwischen der Ems und Oldenburg. Wenn die Mittel für die Bauprojekte jetzt nicht noch aufgestockt würden, befürchtet der Verband sogar einen Baustopp laufender Arbeiten. Als Ergebnis des Masterplans Binnenschifffahrt sei das niederschmetternd, findet der BDB.

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Mehr Geld für mehr Güter auf den Wasserwegen

Auch für den niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler von den Grünen ist klar, dass die von Scheuer bereitgestellten finanziellen Mittel für die Wasserwege deutlich zu gering sind, um das Ziel zu erreichen, mehr Güter von der Straße auf das Wasser zu bringen. Der grüne Haushaltspolitiker fordert von Scheuer deshalb mehr Geld für die Binnenschifffahrt. Darüber hinaus müsse der Minister auch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung auf Vordermann bringen sowie Planungs- und Genehmigungsprozesse vereinfachen, fordert Kindler.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 06.11.2020 | 18:00 Uhr

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