Behrens: Arzt-Praxen "starke Partner" für Impfkampagne

Stand: 06.04.2021 15:38 Uhr

Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) sieht im Impfstart in Arzt-Praxen ab Mittwoch einen Meilenstein. Ende Mai soll die Priorisierung fallen.

Das Impf-Tempo ziehe an, sagte Behrens am Dienstag auf der wöchentlichen Pressekonferenz in Hannover. Dazu gehöre auch, dass "wir mit Stand von Mittwoch endlich die Allgemeinmediziner, die Hausarzt- und Fachpraxen in Niedersachsen" mit in die Impfkampagne aufnehmen, so die Sozial- und Gesundheitsministerin. Nach ersten Lieferungen am Dienstag steigen dann mehr als 9.000 Fach- und Hausarzt-Praxen in den Prozess ein. Diese werden pro Woche 20 bis 50 Dosen über Apotheken beziehen, sagte Behrens. "Ich freue mich sehr, dass wir mit dem zweiten Baustein der Impfkampagne, den Haus- und Allgemeinmedizinern, einen sehr starken Partner haben."

Gespräche mit Betriebsärzten laufen

Im Mai sollen die Betriebsärzte großer Unternehmen mit eigenen Impfzentren in die Strategie einsteigen. Dazu führe das Land derzeit Gespräche mit den Betrieben. "Wir werden uns auch sicherlich Ende Mai von der Priorisierung verabschieden und können uns darauf fokussieren, alle zu impfen, die geimpft werden wollen", so Behrens.

Modellversuche beginnen: Öffnungen in 13 Kommunen

In Niedersachsen starten in den kommenden Wochen 13 Kommunen Modellprojekte zur Öffnung von Geschäften und Außengastronomie. Das Land hatte die ausgewählten Kommunen am Sonnabend bekannt gegeben. "Von den 65 Bewerbern haben sich die meisten sehr, sehr viele Gedanken gemacht", sagte Behrens. "Es sind teilweise wirklich gute Konzepte entstanden." Am Ende blieben 14 in der Verlosung - von denen die Samtgemeinde Elbtalaue (Landkreis Lüchow-Dannenberg) am Dienstag zurückzog. Bei denjenigen, die es nicht geschafft haben, gebe es entweder "zu hohe Inzidenzen" oder es wurden "Anforderungen nicht erfüllt". Dabei sei es in erster Linie um die digitale Kontaktnachverfolgung gegangen. Derzeit liefen die Vorbereitungen. Mit einem Start sei nicht vor dem 12. April zu rechnen.

Fallen vollständig Geimpfte aus der Testpflicht?

Behrens kündigte für Mittwochnachmittag eine Runde der Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsministern der Länder und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an. Dort soll besprochen werden, wie das Vorgehen bei Menschen mit vollständigem Impf-Status sein kann. Eine erste Empfehlung des Robert Koch-Instituts sehe vor, dass "vollständig Geimpfte kein Infektionsrisiko mehr weitertragen und nicht mehr ansteckend sein können", so Behrens. "Das ist eine wesentliche Voraussetzung, um sie zum Beispiel aus der Testpflicht herauszunehmen." Die Debatte komme ihr zu früh, müsse aber geführt werden. Unabhängig vom Impf-Status seien Corona-Maßnahmen wie Abstand, Hygiene und Masken-Pflicht zu bewerten.

283 Corona-Erkrankte intensivpflichtig

"Wenn wir uns die Krankenhaus-Zahlen anschauen, dann sehen wir weiterhin, dass wir es mit einem gefährlichen Gegner zu tun haben", sagte Behrens. Mit Stand Mittwoch würden 1.093 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung in den Kliniken des Landes behandelt - davon 283 auf Intensivstationen. 87 Menschen seien intubiert, 21 auf eine externe Beatmung, einer sogenannten extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO), angewiesen.

Szenario B bei 100er-Inzidenz und negativem Test

In der vergangenen Woche hatte die Landesregierung unter anderem Stellung dazu genommen, wie es an den Schulen nach den Osterferien mit den Corona-Tests weitergeht. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte dazu erklärt, dass die Tests sowohl für das Schulpersonal als auch für die Schüler verpflichtend sind. Wenn Präsenzunterricht möglich ist, soll zweimal in der Woche getestet werden.

Sozialministerin Behrens bestätigte das Vorgehen auf NDR Nachfrage, ob Schülerinnen und Schüler mit negativem Test auch bei Inzidenzen jenseits der 100 zur Schule gehen können. "Die Pläne sind so vorgestellt, die Pläne sind gut überlegt. Über der 100er-Inzidenz ist das Szenario B vorgesehen in unserer Corona-Verordnung. Das bleibt auch dabei."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.04.2021 | 15:00 Uhr

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