Ärztemangel auf dem Land © picture alliance Foto: Patrick Pleul

Ärzteschaft warnt: "Wir sehen den Mangel überall"

Stand: 29.05.2022 10:54 Uhr

Die Ärztekammer Niedersachsen warnt erneut vor einem Mangel an Medizinern im Land. Der Deutsche Ärztetag fordert bundesweit mehr Medizin-Studienplätze.

Laut der Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker gehen in Niedersachsen 1.000 Ärztinnen und Ärzte pro Jahr in den Ruhestand. "Es kommen aber nur 500 Absolventen von den drei medizinischen Fakultäten nach", sagte die Lungenfachärztin. "Wir müssen jetzt schon Schadensbegrenzung machen." Die Ärzteschaft plädierte beim am Freitag zu Ende gegangenen Deutschen Ärztetag in Bremen zudem für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Wertschätzung für Mediziner und Medizinerinnen.

"Mangel auch auf den Intensivstationen, bei den Notärzten"

In Niedersachsen können angehende Ärztinnen und Ärzte an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), der Universität Göttingen und der Universität Oldenburg studieren. Die Uni Göttingen kooperiert seit diesem Jahr zudem mit dem Klinikum Wolfsburg - auf diese Weise konnten 60 Teil- in Vollstudienplätze umgewandelt werden. Und im März beschlossen SPD und CDU im Landtag eine sogenannte Landarztquote - 60 Studienplätze gehen an Bewerberinnen und Bewerber, die sich verpflichten, für mindestens zehn Jahre in einer Hausarztpraxis in einer unterversorgten Region in Niedersachsen zu arbeiten. Die ersten angehenden Landärzte starten im Wintersemester 2023/2024. Für Wenker allerdings kommt das zu spät. Die Ausbildung dauere mindestens zwölf Jahre. Und: "Die Landarztquote reicht nicht. Wir sehen den Mangel überall, auch im öffentlichen Gesundheitsdienst, auf den Intensivstationen und bei den Notärzten."

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Ärztekammer gegen Schnell-Diplom, aber für befristete Berufserlaubnis

Dass Deutschland als eine der reichsten Industrienationen nicht genügend ärztlichen Nachwuchs ausbilde, sei ungeheuerlich, sagte Wenker. Mediziner aus dem Ausland anzuwerben hält sie für falsch, da diese in ihren Heimatländern gebraucht würden. Auch ein Schnell-Diplom für geflüchtete Mediziner und Medizinerinnen etwa aus Syrien oder der Ukraine hält sie nicht für sinnvoll, "denn die Kollegen müssen zunächst die deutsche Sprache und die Fachsprache sicher beherrschen." Sinnvoll sei hingegen eine vorübergehende Berufserlaubnis, damit die ukrainischen Medizinerinnen und Mediziner zum Beispiel in Unterkünften für Geflüchtete mitarbeiten können. In den Jahren 2015/2016 habe sich das nach der Ankunft vieler syrischer Ärzte als erfolgreich erwiesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.05.2022 | 08:00 Uhr

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