Eine behandschuhte Hand lässt eine Testflüssigkeit von einem zuvor durchgeführten Abstrich auf einen Schnelltest zur Erkennung des Coronavirus tropfen. © dpa/picture alliance Foto: Hauke-Christian Dittrich

Ab sofort gilt: Ein Corona-Test pro Woche vom Arbeitgeber

Stand: 20.04.2021 06:52 Uhr

Unternehmen müssen ihren Mitarbeitenden ab sofort wöchentlich einen Corona-Test anbieten. Verpflichten können die Betriebe ihre Beschäftigten nicht. Auch die Ergebnisse dürfen sie nicht kontrollieren.

von Hilke Janssen

Eine Corona-Testpflicht für die Wirtschaft wurde lange diskutiert. Übrig geblieben ist, dass Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lediglich einen Corona-Test pro Woche anbieten müssen. Der ist dann freiwillig und darf aus Datenschutzgründen auch vom Arbeitgeber nicht kontrolliert werden. Ist dieses Test-Angebot dann überhaupt sinnvoll?

Tests bereits länger im Einsatz

Beim Autozulieferer Nass Magnet läuft das Test-Angebot schon seit drei Wochen. Der Chef hat die Tests in Eigenregie beschafft. 80 Prozent der knapp 300 Mitarbeiter am Standort Hannover haben den wöchentlichen Test bisher genutzt. "Verbindlich vorschreiben können wir die Tests nicht," sagte Geschäftsführer Klaus Kirchheim dem NDR Niedersachsen. Sinnvoll findet er sie aber trotzdem. "Wir glauben, dass dadurch viele Fälle, die ansonsten nicht entdeckt würden, aufgedeckt werden können", so Kirchheim.

Eine Frage der Kosten

Und der Unternehmer geht noch einen Schritt weiter: Im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben könnte er auch gut mit einer Test-Pflicht für die Belegschaft leben - gern auch zweimal pro Woche. Allerdings, fordert Kirchheim, müssten in dem Fall Bund oder Land die Tests bezahlen. Nass Magnet rechnet mit Kosten von 250.000 Euro pro Jahr – nur für einen Corona-Test pro Mitarbeiter pro Woche. "Das finde ich ganz schön teuer", sagt Geschäftsführer Kirchheim.

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Wirtschaftsverbände gegen "Bürokratenmurks"

Gegen eine strenge Testpflicht haben sich die Wirtschaftsverbände in Niedersachsen wochenlang vehement gewehrt. Die Unternehmerverbände (UVN), der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall und die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen halten eine Verpflichtung in den Betrieben einhellig für unzumutbar. Der Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, Volker Schmidt spricht von "Bürokratenmurks". Im Falle einer Test-Pflicht blieben viele Fragen unbeantwortet, so Schmidt. Beispielsweise, was passiere, wenn Mitarbeiter den Corona-Test verweigerten.

Umfrage: Test-Bereitschaft der Betriebe ist hoch

Ohnehin hält die Wirtschaft eine Pflicht in den Betrieben für überflüssig, weil bereits freiwillig viel getestet werde. Niemand brauche eine Test-Bürokratie, heißt es von der IHK in Niedersachsen. Eine gemeinsame Umfrage der IHK mit den Unternehmerverbänden unter gut 1.000 Betrieben hat ergeben, dass die Bereitschaft zum Testen insgesamt hoch sei. Demnach gab etwa ein Drittel der Firmen an, allen Beschäftigten ein Testangebot zu machen. Ein weiteres Drittel macht Teilen der Belegschaft Angebote. Zum Zeitpunkt der Umfrage Ende März planten nur 13 Prozent keine betrieblichen Tests. Wie vielen Beschäftigten insgesamt ein Testangebot gemacht wird, ergibt sich aus der Umfrage nicht.

Althusmann hält Testpflicht für überflüssig

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sieht sich dadurch in seiner Meinung bestärkt, dass verpflichtende Tests überflüssig seien. Es liege ohnehin im ureigenen Interesse der Unternehmen, regelmäßige Tests anzubieten. Vorsichtiger Gegenwind kommt allein von den Gewerkschaften in Niedersachsen. Der DGB begrüßt grundsätzlich, dass Betriebe von nun an Tests anbieten müssen, wünscht sich aber mehr als nur einen Test pro Woche.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.04.2021 | 08:00 Uhr

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