Stand: 29.07.2019 18:30 Uhr

Bienensterben: Imker-Boom hilft Wildbienen nicht

Die Biene - mittlerweile ein Symbol für das Artensterben auf der Erde. Nach Angaben des Naturschutzbunds (NABU) Niedersachsen ist mehr als jede zweite Wildbienen-Art gefährdet. Die Tendenz sei steigend. Dabei sei die Bedeutung der Insekten riesig, heißt es vom NABU: Bienen stellten den Fortbestand von etwa 90 Prozent aller Pflanzenarten sicher und damit einen Großteil der menschlichen und tierischen Ernährung. Wichtig dabei: Bedroht sind Wildbienen, nicht Honigbienen - bei diesen sieht die Lage deutlich besser aus. Imkern boomt, die Biene gilt als Trend-Tier. Die Mitgliederzahl des Deutschen Imkerbunds ist binnen zehn Jahren um rund 50 Prozent gestiegen. Parallel wächst die Zahl der Honigbienenvölker.

Wildbienen im Garten ansiedeln

Blühstreifen in der Landwirtschaft werden gefördert

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat sich zuletzt für den Anbau von Blühflächen stark gemacht. Kommunen sollten brachliegendes Bauland für Blumen und Wiesen nutzen, um Bienen in den Städten Nahrung zu bieten. In der Landwirtschaft werden derartige Flächen seit einiger Zeit angelegt. Dafür bekommen sie finanzielle Förderungen vom Land. Ein Volksbegehren für die Artenvielfalt wie in Bayern sieht die CDU-Ministerin nicht. "Ich hoffe, dass dieser Kelch an uns vorbei geht. Meine Hoffnung ist, dass die Menschen erkennen, was für die Bienen in Niedersachsen schon gemacht wird."

"Das ist naturschutzfachlicher Unsinn"

Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisieren indes Blühflächen als Mittel gegen das Insektensterben und als Maßnahme zur Förderung der Artenvielfalt. Generell sei es absurd anzunehmen, mit einigen Kilogramm Saatgut von fremdländischen Arten aus dem Agrargroßhandel könne man etwas gegen das Insektensterben und für die wichtigen Wildbienen tun, sagte der Vorsitzende des BUND, Manfred Radtke, in Rotenburg/Wümme. "Das ist naturschutzfachlicher Unsinn. Aktionismus und Scheinlösungen helfen der Natur nicht."

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BUND: "Blühmischungen nichts für Wildbienen"

Es fänden sich, so der Sprecher weiter, auf Blühflächen einige Allerwelts-Wildbienen wie Acker-, Garten- oder Steinhummeln ein. Doch: "Den tatsächlich gefährdeten Wildbienen, das sind die allermeisten der in Niedersachsen vorkommenden 360 Arten, bringen die verwendeten Blühmischungen praktisch nichts." Radtke wies darauf hin, dass auf Flächen in der freien Landschaft ab März 2020 nur noch regionaltypisches Saatgut verwendet werden dürfe.

Hecken und Wegraine müssen wiederhergestellt werden

Der dramatische Rückgang an Insekten sei nur aufzuhalten, wenn verschwundene Lebensräume wie Hecken und blühende Wegraine wieder hergestellt würden. "Die dort vorkommenden Arten wie Rainfarn, Schafgarbe, Weg-Malve und Wilde Möhre sind Nahrungsgrundlage unserer heimischen Insekten", sagte Radtke. "Wildbienen sind standorttreu. Sie benötigen immer drei Dinge: Nahrungsangebot, Nistmöglichkeiten und Nistmaterial. Da ihr Flugradius nur wenige hundert Meter beträgt, machen Blühflächen, die zumeist jedes Jahr ihren Standort wechseln, schon aus diesem Grund keinen Sinn."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.07.2019 | 14:00 Uhr

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