Stand: 21.09.2016 12:25 Uhr  | Archiv

Die Geschichte des Hamburger Hafens

von Irene Altenmüller, NDR.de
Stadt am Wasser: So sah Hamburg um 1150 aus.

Mit dem Läuten der Schiffsglocke des historischen Großseglers "Rickmer Rickmers" beginnen in Hamburg alljährlich die Feiern für ein ganz besonderes Geburtstagskind: den Hafen. Als offizielle Geburtsstunde gilt der 7. Mai 1189. Dieses Datum trägt ein Freibrief des deutschen Kaisers Friedrich Barbarossa, in dem er den Hamburgern wichtige Privilegien wie die zollfreie Fahrt auf der Unterelbe bis zur Nordsee zusichert.

Per Fälschung zum Erfolg

Heute weiß man: Diese Urkunde, die sich mittlerweile im Hamburger Staatsarchiv befindet, ist eine Fälschung. Mit ihr setzten die findigen Hamburger im 13. Jahrhundert ihre Interessen gegenüber der damals bedeutenderen Handelsstadt Stade durch. 10.400 Mark ließen sich die Ratsherren die Fälschung kosten - damals ein gewaltiger Betrag, der nach heutiger Kaufkraft fast zwei Millionen Euro entspricht.

Ein erster Hafen entsteht an der Alster

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Segelschiffe prägten jahrhundertelang das Bild des Hamburger Hafens.

Bereits im 9. Jahrhundert besitzt Hamburg einen etwa 120 Meter langen hölzernen Hafenanleger an einem Arm der damals noch nicht aufgestauten Alster. Doch erst ab 1188 lassen die Grafen von Schauenburg Hafenanlagen am damaligen Hauptmündungsarm der Alster, dem heutigen Nikolaifleet, errichten - die Urzelle des heutigen Hafens. Die Grafen werben Kaufleute und Schiffer von auswärts an, um den neuen Hafen zu fördern.

Mit dem Beitritt Hamburgs zum Städtebund der Hanse im Jahr 1321 nimmt der wirtschaftliche Aufschwung des Hafens Fahrt auf. Anders als der Großteil der anderen Hansestädte, die an der Ostsee liegen, hat Hamburg einen Zugang zur Nordsee und sichert sich Handelsprivilegien mit England, Flandern und Holland. Der Handel floriert: Tuche aus Braband, Stockfisch aus Schottland und Norwegen oder Wein aus Frankreich werden in Hamburg umgeschlagen, Kupfer aus dem Harzer Rammelsberg geht nach England und Flandern. Hamburg selbst ist bekannt für sein Bier, das es nach Skandinavien und Holland verschifft.

1816: Das erste Dampfschiff läuft ein

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Hafenszene aus dem Jahr 1913: Der Dampfer "Imperator", damals das größte Schiff der Welt, läuft aus dem Hamburger Hafen aus.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts weitet sich der Handel auch auf den amerikanischen Kontinent aus. Nach einem wirtschaftlichen Einbruch durch Napoleons Kontinentalsperre zwischen 1806 und 1814 geht es im 19. Jahrhundert mit Hamburgs Hafen weiter bergauf. 1816 fährt mit der "Lady of the Lake" das erste Dampfschiff in den Hafen ein - sie ist die Vorbotin eines neuen Zeitalters der Seefahrt. Doch noch bis ins 20. Jahrhundert hinein bestimmen die Segelschiffe das Bild, wenn auch zunehmend ausgerüstet mit zusätzlichem Dampfantrieb.

Hamburg als Tor zur Neuen Welt

Neben der Frachtschifffahrt nimmt ab Mitte des 19. Jahrhundert die Bedeutung der Passagierschifffahrt stark zu: Getrieben vom der Hoffnung auf ein besseres Leben in Amerika kehren Millionen von Menschen Europa den Rücken. Hamburg wird neben Bremerhaven zum wichtigsten Auswandererhafen Deutschlands. Zwischen 1838 und 1914 verlassen 3,6 Millionen Menschen das Land.  

Tidehafen oder Dockhafen? Dalmanns Plan geht auf

Im 19. Jahrhundert fällt eine Entscheidung, die den wirtschaftlichen Erfolg des Hamburger Hafens langfristig sichert: Statt den Hafen zu einem Dockhafen wie etwa in London umzubauen und mit Dämmen und Schleusen gegen den Strom mit seinem Tidenhub abzuriegeln, folgt die Stadt den Plänen des Wasserbaudirektors Johannes Dalmann für einen offenen Tidehafen. Damit schaffen die Verantwortlichen eine bis heute wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Hafens, da der Güterumschlag auf diese Weise sehr viel zügiger als in einem mit Schleusen gesicherten Hafen erfolgen kann.

Der Sandtorhafen entsteht

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Der Sandtorhafen um 1889: Die Seeschiffe konnten hier direkt an der Kaimauer gelöscht werden - eine wichtige Neuerung.

Zwischen 1863 und 1866 entsteht mit dem Sandtorhafen das erste moderne Hafenbecken. Die Schiffe machen dort direkt an den Kaimauern fest und können mit Hilfe von Kränen schnell gelöscht werden. Die Ware wird entweder direkt auf die Straße oder das Eisenbahnwaggons verladen oder im nahen Schuppen zwischengelagert. Schon bald gilt Hamburg als besonders schneller Hafen.

Die Stadt baut einen riesigen Lagerhauskomplex

1881 schließt sich Hamburg auf Drängen des Reichskanzlers Otto von Bismarck dem Zollgebiet des Deutschen Reiches an und muss als Konsequenz die Zollfreiheit, die bislang für das gesamte Stadtgebiet gilt, aufgeben. Lediglich im Freihafen dürfen weiterhin Waren zollfrei lagern und umgeschlagen werden. Deshalb beschließt die Stadt, dort die Speicherstadt zu errichten. Bislang wohnen in dem Areal zwischen Sandtorhafen und Zollkanal Hafenarbeiter, Handwerker und Kaufleute. Sie alle, insgesamt etwa 24.000 Menschen, müssen dem riesigen Lagerhauskomplex weichen. 1888 wird die Speicherstadt eingeweiht und in den Folgejahren weiter ausgebaut.

Aufnahme im Stadtviertel Wandrahm/Brook, das der Speicherstadt weichen musste.

Hamburg damals: Die Speicherstadt

Hamburg Journal -

Die Speicherstadt ist aus dem Hafen nicht mehr wegzudenken. Aber dem heutigen Wahrzeichen mussten 1.000 Häuser und mit ihnen 24.000 Menschen weichen.

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Hamburgs Hafen im 20. und 21. Jahrhundert

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Anfang des 20. Jahrhunderts gehört Hamburgs Hafen zu den wichtigsten der Welt.

Hamburgs Hafen wächst und wächst: 1910 werden die St. Pauli Landungsbrücken eingeweiht, 1911 der Alte Elbtunnel, der eine wichtige Verbindung zum Hafengebiet schafft. Im Jahr 1913 ist der Hafen der Hansestadt nach London und New York der drittgrößte der Welt. Dampfschiffe haben die Frachtsegler weitgehend verdrängt, mit großen Dampf- und Elektrokränen wird das Stückgut umgeschlagen. Der Erste Weltkrieg und die Wirtschaftskrise der 20er-Jahre bremsen jedoch den Boom.

Der Hafen während der NS-Zeit

Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 richtet sich die Hafenwirtschaft zunehmend auf den kommenden Krieg aus. Die Rüstungswirtschaft kurbelt die Konjunktur an, fehlende Arbeitskräfte werden nach Kriegsbeginn durch Zwangsarbeiter ersetzt. Ab 1944 errichtet das KZ Neuengamme Außenstellen im Hafen. Die KZ-Häftlinge werden unter anderem auf Werften wie Blohm + Voss eingesetzt. Schauplatz von NS-Verbrechen wird auch der Hannoversche Bahnhof mitten im Hafengebiet. Von dort werden zwischen 1940 und 1945 mindestens 7.692 Juden, Sinti und Roma in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert.

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Der Hafen war eines der Hauptziele der alliierten Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg.

Der Hafen selbst soll auf Wunsch Adolf Hitlers komplett umgestaltet werden, geplant sind unter anderem ein Wolkenkratzer und eine riesige Hochbrücke. Doch es kommt anders: Als wichtiger Industriestandort und Verkehrsknotenpunkt ist der Hafen ab 1943 Ziel der alliierten Bombenangriffe. Rund 80 Prozent der Hafenanlagen werden zerstört.

Der Siegeszug der Container

Nach Kriegsende 1945 schreitet der Wiederaufbau des Hafens rasch voran. Doch schon ab den 50er-Jahren zeichnet sich mit dem Aufkommen der ersten Frachtcontainer ein Wandel ab, der den Hafen noch einmal rasant verändern wird: Das Zeitalter der Containerschifffahrt hat begonnen. Die neuen, größeren Containerschiffe benötigen tiefere und breitere Hafenbecken sowie größere Lagerflächen. Während in Waltershof und am Burchardkai die ersten Containerterminals entstehen, liegen die alten Hafenbecken und Kaianlagen zunehmend brach.

Ein Dorf muss dem Hafen weichen

Mit dem Siegeszug der Container braucht der Hafen in den Folgejahren immer mehr Platz. Der Senat beschließt, den Hafen zu erweitern und lässt dafür das südlich der Elbe gelegene Dorf Altenwerder räumen und abreißen. 2002 wird dort ein neues, hochmodernes Containerterminal eingeweiht. Vom kleinen Dorf Altenwerder steht heute nur noch die Kirche.

Hafencity - neues Leben für alte Hafenflächen

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Ein altes Hafenareal wird wachgeküsst: Blick auf die Hafencity mit Elbphilharmonie und Sandtorhafen.

Fast gleichzeitig beginnen auf den alten Hafenflächen am Sandtorhafen und Grasbrook die Arbeiten an einem gigantischen Städtebauprojekt: Mit der Hafencity entsteht ab 2001 direkt an der Elbe ein ganz neuer Stadtteil mit Wohn- und Geschäftshäusern, Parks, Boulevards und Kreuzfahrtterminal. Schon bald sind die ersten Quartiere fertiggestellt - nur bei dem vielleicht bekanntesten Bauprojekt der Hafencity, der auf einem alten Speichergebäude errichteten Elbphilharmonie, gibt es jahrelang immer neue Verzögerungen. Das Konzerthaus öffnet im Januar 2017.

Wie sieht die Zukunft des Hafens aus?

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Das Containerterminal Altenwerder wurde 2002 eingeweiht. Weitere mögliche Hafenerweiterungsflächen stehen schon fest.

Bis heute ist der Hafen Hamburgs wichtigster Wirtschaftsfaktor. Mehr als 150.000 Jobs in der Region hängen direkt oder indirekt von ihm ab. Obwohl von 2014 auf 2015 der Containerumschlag in Hamburg leicht gesunken ist, geht der Hafenentwicklungsplan von einer weiteren Zunahme des Containerumschlags aus. Von 8,8 Millionen Boxen im Jahr 2015 soll er bis 2025 auf 25,3 Millionen steigen. Die Hafenfläche soll sich im gleichen Zeitraum deutlich vergrößern. Zu den Erweiterungsflächen zählt unter anderem das kleine Dorf Moorburg. Eine Fläche westlich der Autobahn 7 wird nach einem Senatsbeschluss bereits in den kommenden Jahren dem Hafen zugeschlagen.

An Bedeutung gewonnen haben in den letzten Jahren die Kreuzfahrtschifffe, eigene Terminals entstanden in Altona, der Hafencity und Steinwerder. Mit rund 1.500 Arbeitsplätzen sind die Kreuzfahrtschiffe für den Hafen aber ein vergleichsweise kleines Geschäftsfeld. In den nächsten Jahren kommen auf den Hafen weitere Herausforderungen zu: Die Schiffe werden immer größer, haben immer mehr Tiefgang. Reeder und Terminal-Betreiber befürchten daher Standort-Nachteile, sollte die vor allem von Umweltschützern und Fischern heftig kritisierte Elbvertiefung nicht bald erfolgen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Gigant des Nordens - Hamburgs Aufstieg zum Welthafen | 07.06.2017 | 00:00 Uhr

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Gigant des Nordens - Der Hamburger Hafen

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Hamburgs Hafen - Wahrzeichen und Jobmotor

Der Hafen ist mehr als Container und Warenumschlag. Hier wird gelebt, entspannt und Kunst geschaffen. Ein Blick hinter die Kulissen. mehr

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