Außenansicht des Großen Hauses des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin © dpa Foto: Jens Büttner

Intendantenwechsel am Mecklenburgischen Staatstheater: Eine Bilanz

Stand: 26.07.2021 06:00 Uhr

Der eine geht, ein anderer kommt - auf Lars Tietje als Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin folgt zum 1. August Hans-Georg Wegner.

von Axel Seitz

Mit diesem Intendantenwechsel ist auch ein Umbruch bei der Künstlerischen Leitung des Hauses verbunden: Ballettdirektorin sowie Opern- und Schauspieldirektor hören in Schwerin auf. NDR Kultur hat mit ihnen gesprochen und mit Toni Burkhardt, Martin Nimz sowie Jutta Ebnother Bilanz gezogen.

Überwiegend positive Bilanz

Lars Tietje © Mecklenburgisches Staatstheater Foto: Silke Winkler
Mit Beginn der neuen Spielzeit 2021/22 wird Lars Tietje Intendant am Stadttheater Bremerhaven.

"Trotz allem - Hoch und Tiefs - ich bin dankbar für diese fünf Jahre. Ich konnte viele Erfahrungen machen, auch in meiner Position als Direktorin. Man hat ja nicht nur die künstlerische Seite, sondern auch eine Verantwortung für eine Kompanie", sagt Ballettdirektorin Jutta Ebnother. Auch der scheidende Operndirektor Toni Burkhardt schaut auf fünf zwar nicht immer einfache, aber letztlich aus seiner Sicht erfolgreiche Jahre in Schwerin zurück: "Eine Zeit mit sehr vielen beglückenden Momenten, eine Zeit aber auch mit einer ganzen Menge bedrückender Momente. Summa summarum würde ich sagen, für den Auftrag, den ich hier hatte, Musiktheater zu machen - da kann ich heute gut dahinterstehen und sagen: Es war nicht alles schlecht."

Martin Nimz vom Mecklenburgisches Staatstheater. © Meckl. Staatstheater, Silke Winkler
Martin Nimz bleibt dem Haus als Regisseur erhalten.

Auch Schauspieldirektor Martin Nimz zieht eine überwiegend positive Bilanz seiner Arbeit: "Es ist ein großer Erfahrungszugewinn, weil ich mit vielem gar nicht gerechnet habe, als ich diesen Job angenommen habe. Man kann es auch positiv sehen: Wir haben eine Menge erreicht. Das schreibe ich mir auch auf meine persönlichen Fahnen, dass das gelungen ist."

Gelungen ist vor allem, so sieht es Martin Nimz, dass seine Ideen aufgegangen sind, wie er sich das Schweriner Schauspiel vorstellt: "Wir sind mit einem fast komplett neuen Ensemble hier im Schauspiel angetreten und auch ein wenig weg von dieser musikalischen Richtung und wieder hin zum ursprünglichen Schauspiel. Das war am Anfang auch nicht einfach - die Umgewöhnung des Publikums. Aber wir haben uns nach und nach unser Publikum wieder zurückerobert. Man hat es dann auch an den stabilen Zuschauerzahlen gesehen - später dann sogar wieder steigenden."

Namenhafte Regisseurinnen und Regisseure

Der Schauspieldirektor verbucht auch für sich, dass es im Rahmen der Schlossfestspiele nach fast 20-jähriger Pause wieder Aufführungen im Schlossinnenhof gibt und dass namhafte Schauspieler in Schwerin Regie führten: "Man muss diese Leute ansprechen, die kommen nicht von allein. Aber das war halt immer unser Ziel, dass es auch möglichst viele verschiedene Handschriften gibt. Ob das Kollegen sind wie Milan Peschel, die volksbühnenmäßig geprägt sind und die Avantgarde und das Anarchistische immer auf ihre Fahnen geschrieben haben. Oder Steffi Kühnert, die Ur-Schauspielerin, die ganz, ganz tiefe Seele im Schauspiel selbst findet oder in der Kunst des Spielens. Das sind so krasse unterschiedliche Handschriften."

Steffi Kühnert inszenierte am Mecklenburgischen Staatstheater "Die Ratten" von Gerhart Hauptmann sowie "Sein oder Nichtsein" nach dem gleichnamigen Film von Ernst Lubitsch. Milan Peschel führte Regie bei Heiner Müllers Stück "Die Umsiedlerin".

Jutta Ebnother vom Mecklenburgisches Staatstheater. © Meckl. Staatstheater, Silke Winkler
Jutta Ebnother blickt auch auf viele Höhepunkte zurück.

Dass die vergangenen fünf Jahre am Mecklenburgischen Staatstheater für die künstlerische Leitung des Hauses wegen der Corona-Pandemie eigentlich nur vier echte Spielzeiten umfasste, damit musste sich natürlich auch Ballettdirektorin Jutta Ebnother arrangieren. Ihre letzte Inszenierung "Frida - Carmen" konnte nicht aufgeführt werden, zuvor gab es allerdings mehrere Höhepunkte:

"'Ravel, der Bolero' war ein großer Erfolg. Dann im E-Werk 'Mazel Tov'. Und 'Die Schöpfung' war so eines der Highlights, und 'Andy Warhol'. Und eine der schönsten Produktionen war 'Clara Schumann', was sehr erfolgreich lief. Es waren alles Stücke, die ich im Kopf hatte, als ich hier ankam. Und daher bin ich sehr zufrieden und sehr dankbar, was ich hier machen konnte. Das hat mich auch als Künstlerin weitergebracht."

Neuer Intendant, neue Direktoren

Jutta Ebnother blickt auch auf eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Mecklenburgischen Staatskapelle zurück: "Es war ja tatsächlich so, dass ich in den fünf Jahren nur eine Produktion vom Band gemacht habe. Und das war 'Andy Warhol'. Wenn ich daran denke, dann ist das großartig, dass das auch zeitlich ging. Es war auch eine sehr gute Zusammenarbeit mit allen Generalmusikdirektoren und Kapellmeistern."

Schweriner Inszenierungen, die in Erinnerung bleiben - das gilt auch für die Oper: "'Neues vom Tage' zum Beispiel war so etwas, wo viele gesagt haben: Was soll das denn sein? Und dann lief es und es gab eine große Begeisterung. Oder auch 'Peter Grimes' - das ist ein Stück, wo eine Dame erst vor ein paar Tagen zu mir sagte: Was mir am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben ist, war dieser 'Peter Grimes'. Das ist eine Geschichte, die mir persönlich sehr am Herzen liegt und das ist ein tolles Musiktheater und eines, was wir den Leuten näher gebracht haben."

Eine ebenso glückliche Hand hatte Operndirektor Toni Burkhardt bei Musicals - "My Fair Lady", "Anatevka" und als letzte Inszenierung bei den Schlossfestspielen 2021 "Titanic" kamen bei der Kritik und vor allem beim Publikum sehr gut an.

Toni Burkhardt und Jutta Ebnother hätten gern am Mecklenburgischen Staatstheater auch unter dem künftigen Intendanten weitergemacht. Hans-Georg Wegner betont, er habe sich nicht gegen sie, sondern für neue Direktoren entschieden. Martin Nimz hört zwar als Schauspieldirektor auf, bleibt Schwerin aber als Hausregisseur erhalten. Für den 7. Oktober ist die Premiere seiner Inszenierung "Von Mäusen und Menschen" von John Steinbeck am Mecklenburgischen Staatstheater geplant.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 26.07.2021 | 19:00 Uhr

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