Stand: 21.01.2013 14:55 Uhr  | Archiv

Emil Berliner - Vater des Tonträgers

von Cornelia Wumkes
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Emil Berliner war ausgebildeter Drucker und Tüftler aus Leidenschaft.

Schon lange hat die CD die Schallplatte abgelöst. Doch auch sie basiert auf einer Technik, die ein genialer Hannoveraner im ausgehenden 19. Jahrhundert, erfunden hat: Emil Berliner. Aufnahme- und Wiedergabetechnik haben sich zwar verändert, doch das Signal wird weiter spiralförmig aufgezeichnet, wenn auch von innen nach außen. Der Schöpfer dieser revolutionären Abspielmedien ist jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten. Alfred Fehrenbacher etwa, der in St. Georgen im Schwarzwald bis heute analoge Plattenspieler produziert, sagt der Name Emil Berliner nichts. Immerhin gibt es in Hannover seit 1996 das Emil-Berliner-Haus, das der Deutschen Grammophon gehört. In Montreal, Berliners langjähriger Arbeitsstätte, trägt ein kleiner Park seinen Namen und ein Museum erinnert an den genialen Erfinder und Vater der Unterhaltungselektronik aus Hannover.

Start aus ärmlichen Verhältnissen

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20.05.1851: Geburtstag Emil Berliner

Der geniale Hannoveraner erfand die Technik, mit der sich erstmals Musik auf Platten pressen ließ. Audio (02:40 min)

Emil Berliner entstammt einer angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie. Am 20. Mai 1851 wird er in Hannover geboren. Nach einer Druckerlehre wandert er am 27. April 1870 in die USA aus. Zum einen will er dem Dienst im preußischen Militär entgehen, zum anderen lockt ihn das freiere Leben und die Hoffnung auf Wohlstand in den USA. Denn seine Familie - er hat zwölf Geschwister - lebt in recht ärmlichen Verhältnissen.

Emil Berliner schifft sich in Hamburg ein. Nach 14 Tagen stürmischer Fahrt erreicht der Hapag-Dampfer "Hammonia" 1870 New York. Berliner zieht weiter nach Washington und findet bei einem Freund seiner Eltern Arbeit. Abends vertieft er sich in Bücher über Elektrizität und Akustik. Nach drei Jahren hat er sein erstes Ziel erreicht: Er beherrscht die englische Sprache, hat die amerikanische Lebensart kennengelernt und in einem Drugstore "seine erste amerikanische Erfindung" gemacht. So nennt er später ein aus Sirup, Kaffee und Schokolade gemixtes Getränk, das sich zur Freude des Inhabers des Drugstores gut verkauft.

Patent für ein neues Mikrofon

Doch Berliners Leidenschaft gilt der Elektrizität. Er ist fasziniert von den Versuchen, den Klang der menschlichen Stimme auf elektrischem Weg zu übertragen. Das gelingt dem Kanadier Alexander Graham Bell. In Philadelphia stellt er 1876 seine elektrische Sprechanlage vor und meldet sie als Telefon zum Patent an. Doch Emil Berliner lässt sich davon nicht entmutigen. Im Gegenteil: Er bastelt weiter am Mikrofonteil seiner Anlage und meldet 1877, ein Jahr nach Bell, seine Fernsprechmuschel beim Patentamt an. Bell ist von der Qualität dieses Mikrofons so beeindruckt, dass er Emil Berliner für umgerechnet 75.000 Reichsmark die Auswertung des Patents abkauft und ihm einen Job in seiner Fabrik in Philadelphia anbietet.

Aus Emil wird Emile Berliner

Als Zeichen, dass er sich in den USA zu Hause fühlt, hängt Berliner seinem deutschen Vornamen ein "e" an. Beruflich kümmert er sich um die Weiterentwicklung des Telefons. Auf heute abenteuerlich anmutende Weise experimentiert er mit der Ton- und Sprachübertragung. Er benutzt zwei Kisten der Seifenmarke "Old Brown Windsor Soap" und einige Drähte, arbeitet erst in seinem Zimmer, dann innerhalb des Hauses und schließlich in der Nachbarschaft. Dabei lernt er Cora Adler kennen, seine spätere Frau.

Auch nimmt er Kontakt zur alten Heimat auf, lädt seine Brüder Joseph und Jacob nach Philadelphia ein und zeigt ihnen Bells Fabrik. Wie Emile sind auch seine Brüder überzeugt von den Zukunftsaussichten des Wunderapparates. In Hannovers Nordstadt gründen Joseph und Jacob 1881 die Telefonfabrik Berliner.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | ZeitZeichen | 03.08.2014 | 19:05 Uhr