Stand: 12.06.2012 13:57 Uhr  | Archiv

Peter Rühmkorf: Lyriker und linker Essayist

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Literarisch vielseitig, politisch eindeutig: Peter Rühmkorf gehörte zum linken Spektrum.

Kritiker bezeichnen seine aktuellen, oft zynischen Gedichte als frech, aber virtuos. Er zitierte, persiflierte und variierte Bestehendes. Im Gedicht sah er eine "Interessenvertretung des Ich" und glaubte, dass die Poesie "zu unserem menschlichen Hausvorrat" gehört. Peter Rühmkorf gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren. Er schrieb Lyrik, Essays, Theaterstücke und Märchen. Bekannt wurde er unter anderem durch seine Tagebücher "Tabu" und sein Bekenntnisbuch "Die Jahre, die Ihr kennt". Rühmkorf erhielt zahlreichen Auszeichnungen, darunter dem "Georg-Büchner-Preis".

Zum Studium nach Hamburg

Geboren wird Rühmkorf am 25. Oktober 1929 in Dortmund. Seine Mutter war Lehrerin, sein Vater, den er nie kennenlernte, reisender Puppenspieler. Er wächst in Hemmoor-Warstade bei Stade in Niedersachsen auf. Ab 1940 besucht Rühmkorf das Gymnasium in Stade, das er 1950 mit dem Abitur verlässt. Anschließend beginnt er in Hamburg ein Studium - zunächst Pädagogik und Kunstgeschichte, später Germanistik und Psychologie. Im Wintersemester 1956/57 bricht er ohne Abschluss ab.

Von der "Pestbeule" zu "konkret"

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Auch ohne eigenen Studienabschluss hielt Rühmkorf später Vorträge an Universitäten.

Bereits zu Schulzeiten gibt Rühmkorf die Schülerzeitung "Die Pestbeule" heraus, 1951 gemeinsam mit dem Lyriker Werner Riegel die Literaturzeitschrift "Zwischen den Kriegen", in der er unter mehreren Pseudonymen Beiträge veröffentlicht. Ab 1953 schreibt er erneut unter Pseudonymen für den "Studentenkurier" (ab 1958 in "konkret" umbenannt) die Kolumne "Lyrikschlachthof", in der er moderne Dichtkunst scharfsinnig kritisiert. Während seiner Studienzeit ist Rühmkorf außerdem Mitbegründer der "Neuen Studentenbühne". Mit seinem Freund Klaus Rainer Röhl, dem späteren "konkret"-Herausgeber und Ehemann von Ulrike Meinhof, ruft er das Studentenkabarett "Die Pestbeule" ins Leben. Rühmkorf und Röhl betreiben auch den Jazz- und Lyrikkeller "Die Anarche".

Lektor im Rowohlt-Verlag

Von 1958 bis 1964 arbeitet Rühmkorf als Lektor im Rowohlt-Verlag. Dort publiziert er auch seine ersten Gedichtbände "Irdisches Vergnügen in g" (1959) und "Kunststücke" (1962). Danach macht er sich als freier Schriftsteller selbstständig. Ende der 60er-Jahre engagiert sich Rühmkorf gegen Atomkraft und gehört zum Umfeld der 68er-Studentenbewegung. Für die Zeitschrift "konkret" schreibt er weiterhin literaturkritische Beiträge. Seine Tätigkeit als Poet und "nüchterner Prosaaufklärer" bezeichnet Rühmkorf einmal als "Schizographie". Als Gastdozent lehrt der "Berufshamburger", wie er sich selbst gerne nennt, an zahlreichen deutschen, britischen und US-amerikanischen Universitäten.

Abrechnung mit Reich-Ranicki

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Mit Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki lag Rühmkorf im Streit.

Große öffentliche Aufmerksamkeit erregt Rühmkorfs 1995 erschienener Band "Tabu I. Tagebücher 1989-1991". In dem Buch rechnet er mit dem Kritiker-Papst Marcel Reich-Ranicki ab und kündigt ihm die Freundschaft auf, weil dieser den Grass-Roman "Ein weites Feld" verreißt. Später parodiert er Reich-Ranickis Bereitschaft zur Versöhnung: "Ich habe noch nie eine Hand abgewiesen, der ich mal ein paar Finger abgeschlagen habe." Der zweite Band seiner Tagebücher "Tabu II. Tagebücher 1971-1972" erscheint 2004. Im Klappentext wird das Werk beschrieben als "eine private Lebensbilanz und zugleich ein gesellschaftskritischer Exkurs, in dem sich die Stimmungen, Nervositäten und unheiligen Heilsvorstellungen einer bewegten Revolutionsepoche wie in einem Narrenspiegel aufgefangen sehen".

Letzte Auszeichnung nach dem Tod

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Seit 1964 ein Ehepaar: Eva und Peter Rühmkorf.

Zuletzt veröffentlicht er im Frühjahr 2008, bereits sterbenskrank, den Gedichtband "Paradiesvogelschiß". Am 8. Juni desselben Jahres stirbt Peter Rühmkorf in einer Bauernkate im Lauenburgischen in Schleswig-Holstein im Alter von 78 Jahren an Krebs.

Dort lebte er zuletzt mit seiner Ehefrau Eva, einer Diplom-Psychologin, die von 1988 bis 1992 Ministerin in der schleswig-holsteinischen Landesregierung war. Sein Haus am Hamburger Elbufer in Övelgönne hatte das Paar wegen Rühmkorfs Krankheit verlassen. 2009 erhält Rühmkorf für sein Werk posthum den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor.

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Der Schriftsteller und Büchner-Preisträger Peter Rühmkorf ist am 8. Juni im Alter von 78 Jahren gestorben. Günter Grass nannte ihn einen "Dichter von heute, gestern und morgen zugleich". Audio (02:55 min)

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 09.06.2008 | 16:30 Uhr

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