Stand: 28.09.2016 11:25 Uhr  | Archiv

Blohm + Voss: Mut und Können in einem Pott

Hermann Blohm und Ernst Voss führen nun ein florierendes Unternehmen mit rund 1.200 Arbeitern. An der Unternehmensspitze ergänzen sie sich hervorragend: Blohm hat die kaufmännische Verantwortung, Voss übernimmt die technische Seite und verfolgt die Arbeit auf der Werft. Beide verbindet zugleich eine tiefe Freundschaft und Wertschätzung. Sie haben ein gemeinsames Büro, um so immer über alle Vorgänge informiert zu sein und den anderen im Notfall vertreten zu können. Ein täglicher Austausch beim gemeinsamen Frühstück gehört ebenfalls dazu - ein Ritual, das die beiden über 40 Jahre jeden Tag pflegen.

Historische Schiffe von Blohm + Voss

Fortschrittliche Krankenkasse und Schule

Das Unternehmen wird von Blohm + Voss streng geführt, zugleich verspüren sie aber auch ihren Mitarbeitern gegenüber eine soziale Verantwortung: 1882 gründen sie eine Betriebskrankenkasse, die kurz nach ihrer Gründung auch eine Heilfürsorge für die Familienangehörigen der Angestellten anbietet. Der Betriebsarzt hat regelmäßig Sprechzeiten und macht auch Hausbesuche. Als 1892 die Cholera ausbricht, lassen die Unternehmer einen Kessel mit sauberem Teewasser aufstellen, damit die Arbeiter nicht auf das verseuchte Elbwasser zurückgreifen. Von geregelten Arbeitnehmerrechten scheinen die Werftbesitzer dennoch nicht viel zu halten: Beim Streik der Hafenarbeiter 1896 weist Blohm gemeinsam mit anderen Unternehmern die Forderungen der Streikenden nach höheren Löhnen und kürzeren Arbeitszeiten scharf zurück.

Sensation: Schiffsverlängerung im Schwimmdock

Schaulustige versammeln sich zur Taufe der Gorch Fock. © dpa Fotograf: Blohm + Voss

Schwerer Start für Blohm + Voss

NDR Info - ZeitZeichen -

5. April 1877: Die Hamburger Werft Blohm + Voss wird gegründet. Von hier kommen im Laufe der Jahre viele bekannte Schiffe wie etwa die "Bismarck oder die "Gorch Fock".

1893 folgt ein weiterer wichtiger Schritt in der Geschichte der Traditionswerft. Zum ersten Mal gelingt eine Schiffsverlängerung im Schwimmdock. Eine Sensation, denn bisher war eine solche Arbeit nur im Trockendock durchgeführt worden. Vier Jahre später wird Blohm + Voss durch den Umbau des Panzerschiffs "König Wilhelm" zur Marinewerft. Kaiser Wilhelm macht sich persönlich ein Bild von dem Fortgang der Arbeiten, weitere Aufträge folgen. 1898 bestellt der Rotterdamsche Lloyd einen Frachtdampfer - Blohm + Voss steigt in den Exportschiffbau ein. So mausert sich die Werft zum größten europäischen Schiffbauunternehmen.

Heißdampfkessel, Dampfstrahlmaschinen oder Düsenschiff - zum Erfolg der Werft trägt immer wieder der Mut der beiden Gründer bei: Für Innovationen sind sie stets offen, sodass das Unternehmen Hunderte Patente besitzt.

Blohms Söhne übernehmen

Nach 36 Jahren geht Ernst Voss 1912 mit 71 Jahren in den Ruhestand, bleibt aber im Aufsichtsrat. Auch wenn er offiziell kürzertritt, ist er trotzdem fast täglich auf der Werft. Am 1. August 1920 stirbt Voss nach kurzer Krankheit.

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In den 30er-Jahren ist Blohm + Voss ein großes und solides Unternehmen.

Bis 1916 führt Hermann Blohm das Unternehmen als Alleinhaftender weiter, 1916 steigen seine Söhne Rudolf und Walter ins Unternehmen ein. Nach mehr als 50 Jahren an der Spitze stirbt Hermann Blohm am 12. März 1930 in Hamburg und hinterlässt seinen Söhnen einen solide geführten und gesunden Betrieb.

Spezialisten für U-Boot-Bau im Krieg

Bereits während des Ersten Weltkriegs konzentriert sich Blohm + Voss auf den Bau von U-Booten. Die Weltwirtschaftskrise trifft auch das Hamburger Unternehmen. Es hält sich mit kleinen Aufträgen und dem Abwracken alter Schiffe über Wasser. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wird die Werft zum wichtigsten Produzenten von Handels- und Kriegsschiffen im Deutschen Reich. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs liegt der Schwerpunkt wieder auf dem U-Boot-Bau. 1942 wird das 351 Meter lange Trockendock Elbe 17 fertiggestellt. Auf ihrer Werft setzen Walther und Rudolf Blohm Tausende Zwangsarbeiter ein, später auch Häftlinge aus dem KZ Neuengamme. Direkt auf dem Werftgelände entsteht sogar ein KZ-Außenlager. Mit seiner kriegswichtigen Industrie ist die Werft auch ein bevorzugtes Ziel alliierter Luftschläge: 38 Bombenangriffe werden im Krieg registriert, doch die Werft bleibt trotz Zerstörungen arbeitsfähig.

Thyssen steigt ins Unternehmen ein

1950 zählt Blohm + Voss nur noch 175 Beschäftige. Demontage und Sprengungen von Anlagen haben die Werft geschwächt. Nach und nach dürfen die Hamburger aber wieder Schiffe reparieren, später auch bauen. Bei der Umstrukturierung und Rückbenennung - zwischenzeitlich heißt das Unternehmen Steinwerder Industrie AG - wird die Hälfte des Aktienkapitals für 20 Millionen D-Mark an die Phoenix-Rheinrohr AG verkauft, die im Besitz von Amélie Thyssen ist. Dem Thyssen-Konzern, der in den kommenden Jahren immer wichtiger wird, wird so der Einstieg ermöglicht. Die Familie Blohm zieht sich aus dem Unternehmen zurück. Zunächst baut Blohm + Voss vorrangig Massengutfrachter, später nimmt die Werft wieder Aufträge der Bundesmarine sowie für internationale Kriegsschiffe an.

Container- und Kriegsschiffe gefragt

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In den Schwimmdocks von Blohm + Voss machen heute die dicksten Pötte der Welt fest.

1968 entstehen die ersten Vollcontainerschiffe. Neben dem neuen Produktbereich Offshore, der unter anderem Ölbohrinseln baut, setzt Blohm + Voss ab 1980 auch auf den Bau von Fregatten und Korvetten. 1995 erfolgt eine Dreiteilung des Unternehmens. Die Bereiche Schiffbau, Schiffsreparaturen und Maschinen- und Anlagenbau entstehen. 2005 wird Blohm + Voss Teil der neuen ThyssenKrupp Marine Systems AG. 2008 erfolgt eine erneute Umstrukturierung, der ThyssenKrupp-Konzern, längst als Mutterkonzern agierend, stärkt seine Leitungsfunktion.

Verkauf an Briten und Schweden - und dann nach Bremen

Ende 2011 beschließt der Mutterkonzern ThyssenKrupp den Teilverkauf von Blohm + Voss. Der britische Investor Star Capital Partners übernimmt 2012 den zivilen Schiffbau und verkauft den Maschinenbau-Bereich Anfang 2013 an die schwedische SKF-Gruppe. Überraschend dann der nächste Besitzerwechsel im Oktober 2016: Nach mehreren erfolglosen Versuchen gelingt es der Bremer Lürssen-Grupe, die Hamburger Traditionswerft 139 Jahre nach ihrer Gründung zu übernehmen. Blohm + Voss setzt heute neben der Reparatur von Schiffen vor allem auf den Bau von Mega-Jachten.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 02.10.2016 | 19:30 Uhr

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