Stand: 30.09.2015 15:03 Uhr  | Archiv

Schabowskis Zettel

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Ein Auftritt mit Folgen: Nachdem Günter Schabowski die neue Reiseregelung im Fernsehen verkündet hat, fällt die Grenze.

Ein Zettel bringt eine Diktatur zu Fall: Am Morgen des 9. November 1989 verfasst im DDR-Innenministerium der hohe Funktionär Gerhard Lauter - Oberst der Volkspolizei - eine neue Reiseregelung, die die DDR vor dem Untergang retten soll. Eigenmächtig, gegen den Auftrag des SED-Politbüros und die Bedenken der Stasi verordnet Lauter dort die Reisefreiheit für alle DDR-Bürger - wenn auch geordnet und bürokratisch. Wenig später wird das Papier im Zentralkomitee der SED vorgestellt - als einer von Dutzenden Punkten, über die die Runde berät. Unbeanstandet passiert die neue Reiseregelung das Zentralkomitee.

Schabowski verkündet Reisefreiheit für DDR-Bürger

Am Nachmittag drückt Staatsratsvorsitzender Egon Krenz das Papier Günter Schabowski, Sprecher des Politbüros der SED, in die Hand. Dass der Inhalt erst am nächsten Morgen verkündet und die neue Regelung erst ab dem 10. November in Kraft treten soll, davon weiß Schabowski nichts. Auf einem handschriftlichen Zettel macht er sich für die bevorstehende Pressekonferenz die Notiz "Verlesen Text Reiseregelung". Dort trägt er den Text stammelnd und konfus live im DDR-Fernsehen vor und erklärt, die neue Regelung gelte "ab sofort, unverzüglich".

Tausende DDR-Bürger stürmen am 10. November 1989 über die Grenzübergangsstelle Invalidenstraße von Ost- nach Westberlin. © Ralf Hirschberger Fotograf: Ralf Hirschberger

"Visa sind unverzüglich zu erteilen"

Politbüromitglied Günter Schabowski verkündet während einer SED-Pressekonferenz die Genehmigung auf Ausreise.

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Bürger stürmen die Grenze

"Schabowskis Zettel" entfaltet sofort seine volle Sprengkraft. Menschen strömen in den folgenden Stunden in Scharen an die Grenzübergänge. Harald Jäger, Chef der Passkontrolle an der Bornholmer Straße, hat in dieser Nacht die verhängnisvolle Wahl: Grenzen öffnen oder schießen lassen. Ein letzter verzweifelter Versuch der Stasi, durch eine verdeckte Ausbürgerung die lautesten Schreier loszuwerden und so den Druck von den Grenzen zu nehmen, schlägt fehl.

Die Ordnung gerät aus den Fugen

Am 9. November 1989 geschieht etwas Einmaliges: Für ein paar Stunden sind die Gesetze des Obrigkeitsstaates außer Kraft. Es herrschen Improvisation und Spontaneität statt Kontrolle und Gehorsam. Was sich Politiker beider Seiten nicht vorstellen können, nehmen die Menschen in Berlin selbst in die Hand. An der Invalidenstraße dringt eine Handvoll Westberliner um den Studenten Benedikt Sedlmaier nach Ostberlin vor und stürmt das Brandenburger Tor. Eine Revolution von unten - und von beiden Seiten. Der Fall der Mauer vollzieht sich hinter dem Rücken und jenseits der Absichten aller Politiker und Staatsorgane.

Seit 2015 im Museum: Schabowskis Zettel

Lange galt Schabowskis Zettel mit dessen handschriftlichen Notizen für die Pressekonferenz und dem folgenreichen Vermerk zur Reiseregelung als verschollen. 2015 tauchte er wieder auf und ist mittlerweile im Besitz der Stiftung "Haus der Geschichte" in Bonn.

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Schabowskis Worte lassen Deutschland jubeln

Kurz nachdem Politbüro-Sprecher Schabowski Reisefreiheit für alle verkündet, stürmen jubelnde Menschen die Mauer. Im Norden stauen sich die Trabis an den Grenzübergängen. Bildergalerie

Der Tag, an dem die Mauer fiel

Massenfluchten und Montagsdemos bringen im Herbst 1989 das DDR-Regime ins Wanken. Am 9. November fällt überraschend die Mauer. Ein Rückblick auf eine bewegte Zeit. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Schabowskis Zettel / 09.11.2014 / 00:45 Uhr

Dieses Thema im Programm:

09.11.2014 | 00:45 Uhr

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