Stand: 24.05.2018 11:00 Uhr

Bewegte Bilder: Die Geschichte des Fernsehens

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Die technischen Voraussetzungen für das Fernsehen wurden bereits im 19. Jahrhundert erfunden.

Fernsehen gehört für die meisten Menschen zum Alltag dazu: Ein Druck auf den Einschaltknopf und schon kann zwischen zahllosen TV-Programmen gewählt werden. Aber wer erfand das Fernsehen? Wie wurde Fernsehen zum Massenmedium und seit wann werden die Bilder in Farbe ausgestrahlt? Fakten rund um die Geschichte des Fernsehens.

Wer erfand das Fernsehen?

Die technischen Voraussetzungen für das Fernsehen wurden bereits im 19. Jahrhundert geschaffen. 1884 erfand Paul Nipkow eine spiralförmig gelochte Scheibe, die während der Rotation Bilder zerlegte und sie im Empfänger auf umgekehrte Weise wieder zusammenfügte. Damit schuf er die Grundlagen für die mechanische Bildübertragung. Zunächst konnte man mit seiner Erfindung aber wenig anfangen.

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Manfred von Ardenne entwickelte die erste vollelektronische Fernsehbildübertragung.

In den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurden mehrere Patente für Fernsehsysteme angemeldet. Die ersten Bewegtbilder stammen wahrscheinlich aus dem Jahr 1924. In diesem Jahr erwarb der Leipziger Physiker und Elektrotechniker August Karolus ein Patent für die Lichtsteuerung bei der Fernsehbildübertragung. 1928 wurde das Fernsehen dann auf der Berliner Funkausstellung vorgestellt. Die Technik wurde in den Folgejahren immer weiter verfeinert. In den 1930er-Jahren löste das Ikonoskop, ein Elektronenstrahl-Zerleger, die sogenannte Nipkow-Scheibe ab. Dabei kam die bereits 1897 von Ferdinand Braun erfundene "Braunsche Röhre" (Kathodenstrahl-Oszillographenröhre) zum Einsatz, die die mechanische Bildabtastung durch ein elektronisches Verfahren ersetzte. Am 22. August 1931 zeigte der Hamburger Erfinder Manfred von Ardenne auf der Berliner Funkausstellung das erste elektronische Fernsehgerät.

Wie waren die Anfänge des Fernsehens als Massenmedium?

In den 1930er-Jahren erkannten die Nationalsozialisten das propagandistische Potenzial der Fernseh-Technik und trieben die Entwicklung rasch voran. Bereits 1935 gab es in sogenannten Fernsehstuben den ersten regelmäßigen Programmbetrieb der Welt. Die Olympischen Spiele 1936 waren das erste Großereignis, das vom Reichsrundfunk live im Fernsehen übertragen wurde. Der Zweite Weltkrieg stoppte dann allerdings die Pläne der Nationalsozialisten, das Fernsehen zu einem Volksmedium auszubauen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg legten die Alliierten den Grundstein für die regionale Struktur und die öffentlich-rechtliche Organisation des Rundfunks. In der Nachkriegszeit war zunächst das Radio das wichtigste Medium. Mehrere Landesrundfunkanstalten begannen mit dem Sendebetrieb, der nach anfänglichen Kontrollmaßnahmen nach und nach in die Hände der deutschen Mitarbeiter abgegeben wurde. 1950 schlossen sich die Landesrundfunkanstalten in Westdeutschland zur Arbeitsgemeinschaft öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zusammen. Am 25. Dezember 1952 startete der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) in seinem Sendegebiet, das neben Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen auch Nordrhein-Westfalen umfasste, sein Fernsehprogramm. Bereits einen Tag später wurde die erste Tagesschau ausgestrahlt.

Wie entwickelte sich das Fernsehen in der ehemaligen DDR?

Im DDR-Fernsehen wurde am 21. Dezember 1952 - also vier Tage vor der ersten Tagesschau - zu Ehren von Stalins 73. Geburtstag erstmals die Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera" ausgestrahlt. Am 3. Januar 1956 startete der offizielle Sendebetrieb des Deutschen Fernsehfunks (DFF) im Fernsehzentrum Berlin-Adlershof.

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Wie wurde Fernsehen zum Massenmedium?

Gab es im Fernsehen zunächst nur täglich drei Stunden Sendezeit, waren es Ende der 1950er-Jahre bereits fünf Stunden. Das Fernsehen war in erster Linie ein Bildungsmedium, das nur zu einem sehr geringen Teil unterhalten sollte. Live-Übertragungen standen zunächst selten auf dem Programm, sie waren sehr aufwendig zu produzieren. Wichtige Großereignisse, die live gezeigt wurden und die Massen vor die Fernseher lockten, waren 1953 die Krönung von Königin Elizabeth II. und die Fußballweltmeisterschaft 1954. In den 1960er-Jahren wurde das Programmangebot sowohl im Osten als auch im Westen erweitert und variiert. Unter anderem kamen die dritten Programme mit Kultur-, Bildungs- und Regionalsendungen hinzu. Einige Krimis entwickelten sich zum Straßenfeger, dazu kamen aus den USA eingekaufte Serien.

Seit wann gibt es das Farbfernsehen?

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Vizekanzler Willy Brandt startete am 25.8.1967 auf der 25. Deutschen Funkausstellung das Farbfernsehen.

Bis 1967 gab es die Fernseh-Welt nur in Schwarz-Weiß. Ingenieure tüftelten aber schon seit Jahren daran, bunte Bilder auf den Bildschirm zu bringen. Bei Telefunken in Hannover präsentierte ein Team um Walter Bruch am 3. Januar 1963 Experten der Europäischen Rundfunkunion ihr Ergebnis: Farbfernsehen nach dem PAL-System. Bis zur Einführung des Farbfernsehens in Deutschland vergingen aber noch mehr als vier Jahre. Am 25. August 1967 startete der damalige Vizekanzler Willy Brandt per Knopfdruck auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin offiziell das Farbfernsehen in Deutschland. Dabei gab es eine kleine Panne: Ein nervöser Techniker gab das Signal für die farbigen Bilder etwas zu früh. So wurde das Fernsehen bereits einige Sekunden vor dem öffentlichen Knopfdruck farbig. Damals besaßen nur etwa 6.000 Haushalte ein Fernsehgerät. Für den endgültigen Durchbruch des Farbfernsehens in Deutschland sorgte erst die Fußball-Weltmeisterschaft 1974, die viele Deutsche zum Anlass nahmen, ein Farbfernsehgerät zu kaufen.

Seit wann gibt es das ZDF?

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) ging am 1. April 1963 als zentrale, von allen Bundesländern getragene Fernsehanstalt an den Start und brachte Schwung in die deutsche Medienlandschaft. Bereits in den 1950er-Jahren hatte sich die Regierung unter Konrad Adenauer einen zweites Programm gewünscht, das dem Bund unterstellt sein sollte. 1961 verbot allerdings das Bundesverfassungsgericht in seinem "Ersten Fernsehurteil" die Gründung eines Senders unter Einflussnahme der Bundesregierung. Das ZDF wurde schließlich auf Initiative der Ministerpräsidenten der Bundesländer durch einen Staatsvertrag als Programmalternative zu den Sendern der ARD begründet.

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Seit wann gibt es das Privatfernsehen?

Seit 1984 gibt es in Deutschland das sogenannte duale Rundfunksystem: RTL und Sat.1 starteten als erste kommerzielle Sender ihr Programm und traten in Konkurrenz zu den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Es folgten weitere private Sender wie Pro 7, Vox oder RTL 2. Im Februar 1991 ging der Sender Premiere mit seinem Bezahl-Programm an den Start.

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