Stand: 21.11.2019 08:57 Uhr

Manfred von Ardenne - der Herr des Fernsehens

von Cornelius Kob

Jährlich am 21. November würdigen die UN mit dem Welttag des Fernsehens den Wert und Einfluss des Mediums auf die Gesellschaft. Dass es das Medium in seiner Massenwirksamkeit überhaupt gibt, ist einem Mann aus Hamburg zu verdanken: Am 22. August 1931 zeigt der Hamburger Erfinder Manfred von Ardenne auf der Berliner Funkausstellung das erste elektronische Fernsehgerät. Seine Technik erobert die Welt.

1930 entwickelt Manfred von Ardenne die erste vollelektronische Fernsehbildübertragung.

Lauter Fünfen und Vieren, nur in Physik und Mathematik gute Noten: Die Schule war nicht Manfred von Ardennes Stärke. Vielleicht lag es an den verschiedenen Privatlehrern, die ihn anfangs unterrichteten. Am 20. Januar 1907 in Hamburg geboren, wächst Ardenne, Sohn des Barons Egmont von Ardenne, in vermögenden Verhältnissen auf. Später zieht die Familie erst nach Rendsburg, dann nach Berlin. Ardenne ist fasziniert von der Rundfunktechnik und baut schon als Jugendlicher eigene Radioempfänger. Mit 16 Jahren bekommt er sein erstes Patent - eines von mehr als 600, die er in seinem Leben erhalten wird. 1923 verlässt er die Schule vor dem Abitur und entwickelt für Loewe eine Verstärkerröhre, die dem Unternehmen die Produktion von preisgünstigen Radioempfängern ermöglicht.

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20. Januar 1907: Geburtstag Manfred von Ardenne

NDR Info - ZeitZeichen -

Der Physiker meldet in seinem Leben mehr als 600 Patente an und arbeitet unter mehreren Regimen.

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Not macht erfinderisch

Von dem Geld aus dieser Erfindung und den Patenten kauft sich Ardenne eine Villa in Berlin - natürlich mit einem großen Labor. Das Geld reicht allerdings nicht aus. Er muss zusätzlich Kredite aufnehmen und ist mit 21 Jahren hoch verschuldet. Aber Not macht erfinderisch: Es gibt das Radio, es gibt das Kino, warum sollte man Bilder nicht auch drahtlos übertragen können? Der Besuch auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) 1928 motiviert ihn besonders. Die vorgestellten Versuchsapparate des Ungarn Mihali mit Nipkow-Scheibe - ein rein mechanisch gesteuertes Verfahren zur Übertragung von Bildern - erscheinen ihm "unbrauchbar".

Das geht besser, meint Ardenne selbstbewusst, und macht sich an die Entwicklung eines elektronisch gesteuerten Verfahrens. Zeitgleich startet die Reichspost in Berlin ab 1929 erste Fernseh-Versuchsübertragungen mit dem mechanischen System. Manfred von Ardenne hingegen setzt für seine Apparatur die Braunsche Röhre ein - das ist das Entscheidende an seiner Erfindung. Aus diversen Verstärkerröhren und anderen Teilen entsteht in seinem Labor in Berlin-Lichterfelde 1930 quasi über Nacht aus der Idee die erste Übertragungseinheit. Am 22. August 1931 wird auf der IFA sein "Flying Spot Scanner" (Leuchtfleck-Abtaster) vorgestellt. Sogar die New York Times berichtet auf der Titelseite über die Erfindung.

Ardennes elektronisches Fernsehen erobert die Welt

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Fernsehempfänger von Lorenz aus dem Jahr 1936 mit der von Ardenne erfundenen Fernsehröhre.

Tatsächlich ist die Übertragung mit diesem System besser - das Bild ist größer, hat eine höhere Auflösung und ist heller. Zudem ist es kostengünstiger zu produzieren als die aufwendigen mechanischen Steuerungen. Das schon eingeführte mechanische Verfahren mit Nipkow-Scheibe wird nach und nach vom elektronischen Fernsehen abgelöst. Die Olympischen Spiele 1936 sind der endgültige Durchbruch für die neue Technik. Der Zweite Weltkrieg unterbricht erst einmal die Weiterentwicklung, aber in den 50er-Jahren erobert das Fernsehen die Welt.

Der Zweite Weltkrieg und die Zeit in der DDR

Ende der 1930er-Jahre gelingt es Ardenne als erstem, ein funktionsfähiges Raster-Elektronen-Mikroskop zu bauen. Hiermit können erstmals kleinste Molekül-Strukturen sichtbar gemacht werden. Durch seine Entwicklungen von Verstärkerröhren ist er auch wesentlich an der Weiterentwicklung des Radars in Deutschland beteiligt.

Nach der Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn und Fritz Straßmann wendet sich Ardenne der Atomforschung zu. Er wird dabei durch die Reichsregierung unterstützt. Das ist auch der Grund dafür, dass er nach dem Krieg zusammen mit anderen deutschen Forschern in sowjetische Dienste abkommandiert wird. Er ist am Bau der ersten sowjetischen Wasserstoffbombe beteiligt und selbst überzeugt davon, dass es richtig ist, mit den Sowjets zusammenzuarbeiten. Denn nur die gegenseitige Abschreckung, das "Gleichgewicht des Schreckens", könne den Ausbruch eines neuen verheerenden Weltkrieges verhindern.

Erst 1955 kommt er wieder nach Deutschland. In Dresden gründet er das einzige private Institut der DDR. Er hat dort einen Sonderstatus, da er aus der Sowjetunion hochdekoriert und mit allerhöchster Unterstützung zurückgekehrt ist.

Von der Physik zur Medizin

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Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitet Manfred von Ardenne - hier ein Bild aus dem Jahr 1974 - am Bau der Wasserstoffbombe mit.

Im folgenden Jahrzehnt beschäftigt sich Ardenne vor allem mit Kernphysik und der medizinischen Elektronik. Aus seiner eigenen Erfahrung nach einer schweren Krankheit entwickelt er Anfang der 70er-Jahre die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie - ein Verfahren, bei dem den Patienten in bestimmten Abständen und Mengen reiner Sauerstoff zugeführt wird. Eine jung erhaltende Wirkung und sogar eine heilende Funktion bei Krebs soll dieses Verfahren haben. Obwohl umstritten, verschafft es Ardenne Kundschaft vor allem auch in der wohlhabenden Riege der hochbetagten Politbürokratie. Noch heute wird es vor allem in der alternativen Medizin verwendet. Unter Erich Honecker wird die Beziehung zur DDR-Führung problematischer. Immer wieder versucht die SED, den staatlichen Einfluss auf das private Institut zu verstärken.

Manfred von Ardenne: Diener vieler Herren

Noch bis ins hohe Alter arbeitet Manfred von Ardenne in seinem Institut auf dem Weißen Hirsch in Dresden. Er stirbt 1997 mit 90 Jahren. Nach seinem Tod wird das Institut in drei Nachfolgeeinrichtungen aufgeteilt, die sich vor allem der Solartechnik, Anlagentechnik und der Weiterentwicklung seiner Krebs-Mehrschritt-Therapie widmen.

Ardennes Rolle in den verschiedenen diktatorischen Systemen bot immer wieder Anlass zur Kritik. Ob unter dem NS-Regime, in der Sowjetunion oder in der DDR - immer verstand es Ardenne, sich geschickt persönliche oder seine Forschungen betreffende Vorteile zu verschaffen. Zwar engagierte er sich nie direkt politisch, war aber als Forscher und Erfinder stets ein wichtiger Teil des jeweiligen politischen Systems.

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Dieses Thema im Programm:

Klassisch in den Tag | 21.11.2019 | 06:20 Uhr

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