Stand: 23.03.2020 18:20 Uhr  - NDR Kultur

Kultur trotz Corona: Wöhler singt Beatles-Song

Die Kulturredaktionen des NDR haben die Aktion "Kultur trotz Corona" ins Leben gerufen, eine virtuelle Bühne für Künstlerinnen und Künstler aus dem Norden. Mittels kurzweiliger Videos können Sie so die kulturelle Vielfalt bei uns erleben. Der Schauspieler Gustav Peter Wöhler singt dort etwa "Across The Universe" von den Beatles. Im Interview spricht er über die NDR Aktion.

Herr Wöhler, Sie sind ein vielbeschäftigter Schauspieler, touren auch mit einer Band, sind Hörspielsprecher - jetzt aber in häuslicher Quarantäne. Welche Projekte mussten Sie auf Grund der Corona-Pandemie auf Eis legen?

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Gustav Peter Wöhler ist besorgt: "Es geht darum, wie viel man überhaupt noch in naher Zukunft verdienen wird."

Gustav Peter Wöhler: Da sind verschiedene Konzerte abgesagt worden. Wir haben gerade eine neue CD rausgebracht und sind auf Tour. Das letzte Konzert war am 7. März und alles andere ist erstmal flachgelegt bis Mitte Juni. Ich hätte letzte Woche eine Lesung im Allee Theater in Hamburg gehabt und mehrere Lesungen mit Christian Maintz zusammen - da ist einiges ausgefallen. Ich hätte jetzt in München Dreharbeiten gehabt - alles weg. Ich sitze da und bin mittellos, da ich selbstständig bin. Ich bin nicht an einem Haus engagiert und muss für mich selbst sorgen.

Wie fühlt sich das an?

Wöhler: Nicht gut, weil man nicht weiß, wie lange das Geld, das man sich zurückgelegt hat, ausreicht. Man hat sein Leben dementsprechend eingerichtet, mit gewissen Sachen, die nicht so billig sind, und da muss man sich jetzt zurückstellen.

Wie blicken Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen in die Zukunft? Tauschen Sie sich aus?

Wöhler: Ja, wir tauschen uns aus. Es gibt mittlerweile auch die Möglichkeit, gewisse Hilfe-Fonds anzusteuern. Die Bundesregierung hat sich ja bereit erklärt, Selbstständige, gerade im künstlerischen Bereich, mit mehreren Millionen Euro zu unterstützen, und da hoffen wir, dass wir alle dran beteiligt werden. Was Sie jetzt im NDR machen, ist alles wunderbar, aber es gibt kein Geld dafür. Das ist eine sehr schöne Idee, aber für viele Leute ist das einmalig möglich; das kann man nicht durchgängig machen, weil man versuchen muss zu überleben.

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Warum bekommen Sie dafür nichts?

Wöhler: Man macht das, weil man den Leuten vor dem Bildschirm oder im Radio die Möglichkeit geben will, uns zu sehen. Die sind ja genauso dran wie wir, die können nicht mehr in die Konzerte gehen. Von daher ist es eine schöne Idee, den Leuten etwas Privates nach Hause zu senden. Das hat auch eine Intimität, die man normalerweise mit den Künstlern nicht teilt. Wenn man zum Beispiel Nils Landgren sieht, wie er am Meer in Schweden vor seinem Haus Posaune spielt, ist das sehr anrührend. Das macht auch Spaß - nur kommt dann irgendwann der Gedanke: Das ist alles schön und gut, aber wie lange soll das weitergehen? Wir brauchen auch irgendwann das Geld, um die Miete zahlen zu können.

Ist Solidarität jetzt ein ganz besonderes Mittel, um sich gegenseitig zu stärken? Spüren Sie die, wenn Sie sich mit Kolleginnen und Kollegen unterhalten?

Wöhler: Man spürt eine Solidarität, indem man sich gegenseitig Hilfestellung leistet. Da ist keiner, der sagt: "Der hat genug verdient." Es geht nicht mehr darum, wie viel man verdient hat - es geht darum, wie viel man überhaupt noch in naher Zukunft verdienen wird. Und inwieweit wir überhaupt wieder arbeiten können. Bei mir sind die Konzerte bis Ende Juni abgesagt. Ob das im Juli, im August wieder vonstatten gehen wird, das weiß der Himmel.

Sie gehören zu den ersten Künstlern, die bei der NDR Aktion "Kultur trotz Corona" mitgemacht haben. Sie haben sich für einen traurigen Song entschieden. Warum die Beatles?

Wöhler: Weil sie mir damals, als ich ein junger Mensch war, sehr viel Trost gebracht haben. Und Trost ist in dieser Zeit etwas Schönes. Ich finde "Across The Universe" gar nicht so traurig. Es ist ein Lied, was einem die Mittel gibt, um zu sich zu kommen, zu meditieren und zu überlegen, was in seinem Leben in den letzten Jahren und Jahrzehnten passiert ist. Und wie sieht es im Moment aus? Das finde ich an diesem Lied einfach schön.

Schauspieler Gustav Peter Wöhler

NDR 90,3 - Kulturjournal -

Der Hamburger Schauspieler Gustav Peter Wöhler mit einem Lied der Beatles.

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Am Ende des Videos gibt es noch ein Augenzwinkern. Sie halten ein Kissen ins Bild mit der Aufschrift: "Bleib ruhig und trink Champagner".

Wöhler: Ja - was soll man sonst machen? Bleib zu Hause, setz dich hin, lies ein gutes Buch. Ich lese zur Zeit Bücher wie ein Weltmeister. Ich habe noch nie so viel geschafft wie in dieser Zeit, und ich trinke dazu gerne mal ein Glas Champagner oder einen guten Wein. Es kann auch ein Saft oder Mineralwasser sein. Man macht sich ein gutes Essen, und man hofft, dass wir weiterhin einkaufen dürfen. Ich spreche privilegiert. Es gibt Menschen, gerade ältere Leute, die zu Hause sitzen und Angst haben, rauszugehen. Wir haben bei uns in der Nachbarschaft eine WhatsApp-Gruppe gegründet: Wenn jemand etwas braucht, kann er dort um Hilfe bitten. Das ist eine wunderbare Idee. Oder dass wir uns einmal am Tag alle auf dem Balkon sehen, uns zuwinken oder zuprosten. Das finde ich etwas ganz Großartiges. Aber es gibt Menschen, die haben keinen Balkon. Die sitzen in ihrer Wohnung und können kaum raus. Die haben vielleicht Ängste, sitzen da mit zwei Kindern auf 50 Quadratmeter - wenn überhaupt. Und da fangen die Probleme an. Ich bin in einer privilegierten Situation: Ich habe eine große Wohnung und bin mit meinem Mann hier sehr gut aufgehoben. Man muss die Menschen, die nicht in dieser Situation sind, unterstützen und solidarisch bleiben.

Gustav Peter Wöhler © Michael Wigglesworth

Kultur trotz Corona: Wöhler singt Beatles-Song

NDR Kultur - Journal -

Gustav Peter Wöhler ist freischaffender Künstler. Im Gespräch erzählt er, was er von der NDR-Aktion "Kultur trotz Corona" hält und was die Krise für ihn persönlich bedeutet.

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Das Gespräch führte Andrea Schwyzer

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 23.03.2020 | 19:00 Uhr