Stand: 12.11.2018 19:01 Uhr

Theater Schwerin: Mitarbeiter rebellieren gegen Tietje

von Wolfram Pilz, NDR 1 Radio MV

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Seit Jahren wird in Schwerin um den Erhalt aller Sparten gestritten: Nun begehrt das Ensemble mit Offenen Briefen gegen den Intendanten auf.

Mit mehreren Offenen Briefen haben Mitglieder verschiedener Sparten am Mecklenburgischen Staatstheater gegen die schlechten Zustände an ihrem Haus protestiert. Kernpunkt der Kritik aus Chor, Schauspiel und Ballett ist das offenbar schwer gestörte Verhältnis zwischen den Mitarbeitern praktisch aller Sparten und Gewerke und der Theaterleitung beziehungsweise dem Geschäftsführer und Intendanten, Lars Tietje.

Personalentscheidungen aufgrund von Kritik?

Es gebe einfach kein Klima des Vertrauens mehr, ein Großteil der Mitarbeiter sei enttäuscht und empört über zu viele Entscheidungen des Intendanten Lars Tietje, obwohl sie ihn doch vor drei Jahren mit offenen Armen empfangen hatten, sagte der Betriebsratsvorsitzende Andreas Fritsch. "Das Klima hat sich in den letzten Wochen oder Monaten doch sehr, sehr erhärtet hier. Die Spitzen waren die Nicht-Verlängerungen der Verträge von Joseph Feigl (Chordirektor) und Dan Datcu (Sprecher des Ballett-Ensembles)", so Fritsch im Gespräch mit NDR 1 Radio MV. Daher habe der Betriebsrat den Schritt des Offenen Briefes gewählt und eine große, positive Resonanz aus dem Haus bekommen.

Der Opernchor bat in seinem Offenen Brief den Intendanten dringend, den Vertrag des amtierenden Chordirektors Joseph Feigl doch zu verlängern. Dessen künstlerische und soziale Kompetenz seien eine Bereicherung für das gesamte Haus. Im Falle von Dactu stelle sich die Frage, ob er gehen müsse, weil er für das Ballett-Ensemble die Probleme klar formuliert habe, hieß es.

Event-Bude oder kultureller Leuchtturm?

Des Weiteren kritisierte das Schauspiel-Ensemble die geringe Zahl an Aufführungen sowie Neu-Produktionen. Solle das Theater ein überregionaler Leuchtturm bleiben oder eine Event-Bude werden, so die kritischen Fragen. Nach Informationen von NDR 1 Radio MV sind in den vergangenen anderthalb Jahren mehr als 20 Mitarbeiter freiwillig in die Arbeitslosigkeit oder den vorzeitigen Ruhestand gegangen, weil sie in dem vorherrschenden Klima nicht mehr arbeiten wollten.

Intendant Tietje verteidigt Sparkurs

Intendant Lars Tietje reagierte zurückhaltend auf die Kritik. "Ich habe viele Maßnahmen zur Vertrauensbildung getroffen - offene Gesprächsformate, Mediation -, die es hier noch nicht gegeben hat", verteidigte Tietje seinen Führungsstil im Gespräch mit NDR 1 Radio MV. Gleichzeitig räumt Tietje ein, dass die Unzufriedenheit auch daher rühren könne, dass er den Auftrag bekomme habe, das Haus umzustrukturieren. Viele Mitarbeiter befürchten demnach eher einen Abbau. Tietje war vor seiner Zeit in Schwerin Intendant in Nordhausen und hatte dort einen harten Sparkurs durchgesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.11.2018 | 19:00 Uhr

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