Stand: 11.02.2019 17:30 Uhr

Theater Altona inszeniert Meyerhoff-Roman

von Peter Helling

Traumberuf Schauspieler? Wer Joachim Meyerhoffs Bestseller "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" liest, wird daran zweifeln. Meyerhoffs Romane erzählen autobiografisch, wie er es trotzdem versucht - und wie unerbittlich und tragikomisch das Leben immer wieder zuschlägt. Am Sonntag wurde der Roman im Altonaer Theater als Stück auf die Bühne gebracht.

Schauspieler auf der Bühne

Altonaer Theater inszeniert Meyerhoff-Roman

Hamburg Journal -

"Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" ist der dritte Teil von Joachim Meyerhoffs Erzählzyklus "Alle Toten fliegen hoch". Das Altonaer Theater bringt ihn auf die Bühne.

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Florens Schmidt spielt den jungen Meyerhoff - herrlich stocksteif und unlocker mit Knautschgesicht und Kassengestell. Immer leicht verwundert, immer - neben sich. Immer der peinlich berührte Blick ins Publikum: "Ich musste weg aus meiner Heimatstadt Schleswig. Nach dem Tod meines Bruders musste ich vor dem Mitleid in den Augen dieser Jeder-kennt-jeden-Welt fliehen, um mein Weltvertrauen und Wohlbehagen wiederzuerlangen."

Die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule wird zum wortkargen Betriebsunfall. Die Prüfer wittern Genialität, wo Joachim schlicht null Ahnung hat, wie ihm geschieht. Der junge Student kommt bei seinen Großeltern in München unter. Die beiden, Hermann, ein Philosoph, und Inge, eine frühere Schauspielerin, sitzen wie zwei muntere Engel mit Wein- und Whiskey-Glas auf einer riesigen rosa Couch.

Vom Schleswiger Fischkopf zum richtigen Schauspieler

Die beiden lustigen Alten trinken und trinken. Nachschub gibt es reichlich, aus Büro-Wasserspendern am Bühnenrand. Hannelore Droege gibt sie überzeugend, die immer noch mädchenhafte Diva mit Schuss - und Gerhard Palder als Großpapa erteilt Joachim eine Lektion fürs Leben. Nicht immer nur danebenstehen, dem Leben zusehen. Er sagt: "Spring rein, lebe!" So wird aus dem stocksteifen Fischkopf aus Schleswig am Ende doch ein richtiger Schauspieler.

Regisseur Henning Bocks Inszenierung konzentriert sich lange auf die krude Welt der Schauspielschule. Fast wird der Abend zu einem Theater-Insider. Die leise Poesie hat hier - zunächst - wenig Raum. Und: Manche Pointe wird ausgeschlachtet.

Das Leben bedeutet Verlust

Das Spiel-Tempo schleppt sich, auch die Textfassung zieht sich in die Länge. Trotzdem: Wenn das Leben irgendwann unerbittlich ausholt - wenn Opa Hermann langsam körperlich verfällt, den Wein verschüttet und wirre Gedanken von sich gibt, dann geht das Stück an die Nieren. Joachim wird zur tragischen Figur, er verliert fast alles: "Der Anruf kam nachts um drei. Der Tod meines Vaters kam nicht überraschend ..." Rettung findet er in der Literatur - in Goethes "Werther": "Immer war da von dieser Lücke die Rede, dieser Sehnsucht nach echten Gefühlen, ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke ..."

Florens Schmidt als Meyerhoff glaubwürdig

Florens Schmidt steht im Leinenhemd am Bühnenrand, und man glaubt ihm jedes Wort. So kommt der Abend am Ende zu sich und berührt. Das Leben bedeutet Verlust - und jeder gute Schauspieler macht daraus: Kunst, die die entsetzliche Lücke zu füllen hilft.

Joachim Meyerhoffs Roman auf der Bühne

Theater Altona inszeniert Meyerhoff-Roman

Das Altonaer Theater hat Joachim Meyerhoffs Roman "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" auf die Bühne gebracht. Ein Stück über das Leben, Verlust und diese entsetzliche Lücke.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Altonaer Theater
Museumstraße 17
22765  Hamburg
Telefon:
040/ 3990 5870
Preis:
13 - 37 Euro
Kartenverkauf:
Telefon: 040 3990 5870
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 11.02.2019 | 19:00 Uhr

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